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Alpstein

Doppelt so viele Neumitglieder: Gleitschirmfliegen im Trend

9. Juli 2021, 06:00 Uhr
Das Gleitschirmfliegen erlebt einen Aufschwung: Letztes Jahr kamen schweizweit doppelt so viele neue Pilotinnen und Piloten dazu als in den Jahren zuvor. Corona hat den Flugschulen in die Karten gespielt, von einem Boom könne aber keine Rede sein.
Ein Gleitschirmpilot oberhalb von Wasserauen.
© Keystone

Wer bei schönem Wetter in den Alpen unterwegs ist und an den Himmel schaut, sieht sie zu Dutzenden: Gleitschirme. Mit ihren farbigen Segeln und der geschmeidigen Flugart ziehen sie mit einer Leichtigkeit durch die Luft, sodass man ihnen gerne ein paar Minuten zusieht. Das Gleitschirmfliegen erlebte in den letzten Jahren einen Aufschwung, unter anderem auch weil viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien coronabedingt zu Hause verbrachten.

2020 gab es doppelt so viele Pilotinnen und Piloten 

«Wir reden zwar nicht von einem Boom, aber es gab einen Anstieg an Gleitschirmausbildungen wegen Corona», sagt Christian Boppart, Geschäftsführer des Schweizerischen Hängegleiter-Verbands, gegenüber FM1Today. Erklären tut sich das der Verband wie folgt: Weil viele in der Schweiz Ferien machten, seien wohl einige auf den Geschmack des Gleitschirmfliegens gekommen. «Bei ähnlichen Sportarten ist ebenfalls ein Zuwachs an Mitgliedern vorhanden», so Boppart weiter, «die meisten Flugschulen in der Schweiz meldeten einen Anstieg an Flugschülerinnen- und schülern.»

Der Schweizerische Hängegleiter-Verband zählt mittlerweile über 18'000 Mitglieder – also Pilotinnen und Piloten. Letztes Jahr kamen 1200 neue dazu. In den Jahren davor waren es im Schnitt nur 600 Neumitglieder.

Der Traum vom Fliegen

Eine Flugschule, die ebenfalls eine höhere Nachfrage an Ausbildungsplätzen hat, ist die AeroCenter Gleitschirm Flugschule in St.Gallen. Die Flugschule bildet ihre Schülerinnen und Schüler auf der Ebenalp aus. «Seit Januar 2020 habe ich drei zusätzliche Fluglehrer eingestellt», sagt Michael Kobler, Fluglehrer und Ausbildungsleiter beim AeroCenter. «Heute Mittag hatte ich gerade ein weiteres Einstellungsgespräch.» Die Flugschule in St.Gallen hat definitiv eine höhere Nachfrage, nicht nur wegen Corona. «Wir merken seit vier, fünf Jahren einen Anstieg.»

Der Grund, weshalb die Leute Gleitschirmfliegen lernen wollen, sei immer noch der Gleiche: Der Traum vom Fliegen. Diesen Traum kann man sich beim AeroCenter gleich beim ersten Schnuppertag erfüllen: «Wir haben hier einen guten Übungshang. Die Topografie und der Wind stimmen hier gut und so ist der Lernerfolg und das Erfolgserlebnis da. Am Übungshang lernen sie wie man startet und landet. Dort merkt man schnell, dass das Gleitschirmfliegen relativ einfach ist, wenn man gewisse Sachen richtig macht.» Der erste Höhenflug folgt dann nach sechs bis sieben Tagen. Die Quote an Schülerinnen und Schüler, die nach dem Schnupperkurs mit der Ausbildung beginnen, sei gross.

Im Minimum 50 Flüge für Brevet

Wer das Flugbrevet machen will, braucht mindestens 50 Flüge in mindestens fünf unterschiedlichen Fluggebieten. «Die meisten buchen einen 12-Monats-Kurs», so Kobler. So habe man alle vier Jahreszeiten dabei und lerne mit unterschiedlichen Bedingungen umzugehen. Eine Ausbildung kostet etwa 5000 Franken. Wie viele Flugschüler bei Kobler und seinen Kollegen die Ausbildung machen, will er nicht verraten: «Unser jüngster Schüler ist 15-jährig und der älteste, der letztes Jahr abschloss, war 72. Wir haben also von allen Sparten etwas dabei.»

(sk)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Juli 2021 05:47
aktualisiert: 9. Juli 2021 06:00