Dreimal so viele Menschen getötet

Lara Abderhalden, 27. März 2017, 16:56 Uhr
In Salez kam es im August zu einem Tötungsdelikt mit drei Toten.
In Salez kam es im August zu einem Tötungsdelikt mit drei Toten.
© TAGBLATT/Benjamin Manser
Die Kriminalität im Kanton St.Gallen hat 2016 zwar abgenommen, die Zahl der Tötungsdelikte war aber doppelt so hoch wie im Vorjahr. Die Zahl der Toten hat sich gar von zwei auf sechs verdreifacht. Die Kriminalfälle werden laut Polizei immer komplizierter, dennoch gelingt es ihr, die meisten Tötungsdelikte und schweren Körperverletzungen aufzuklären.

Ein Rückblick auf die Kriminalität im letzten Jahr zeigt: Allgemein nimmt die Kriminalität zwar ab, die Fälle würden laut Polizei aber immer komplizierter. Die Gesamtkriminalität im letzten Jahr liegt in St.Gallen bei 25'653 erfassten Straftaten. Dies ist eine Abnahme von 2,1 Prozent im Vergleicht zum Vorjahr. Davon konnten fast 60 Prozent der Fälle aufgeklärt werden.

Doppelt so viele Tötungsdelikte

Auffällig ist die Anzahl versuchter und vollendeter Tötungsdelikte. Diese Zahl hat sich im Vergleich zu 2015 verdoppelt. So gab es im 2016 14 registrierte Delikte versuchter und vollendeter Tötung, im Vorjahr waren es sieben. Insgesamt sechs Menschen wurden letztes Jahr getötet (inklusive einer Tötung auf Verlangen), in acht Fällen lag eine versuchte Tötung vor.

Tötungsdelikte im 2016

Am meisten Tote gab es bei der Zugattacke in Salez vom 18. August 2016. Dabei zündete ein Mann mehrere Zugpassagiere an und starb schliesslich selber an Schnitt- und Stichverletzungen. Durch die Flammen und Messerstiche starben insgesamt drei Personen, drei wurden verletzt.

Weiter ist ein Tötungsdelikte in der Stadt St.Gallen aufgeführt, der Beschuldigte schoss aus nächster Nähe seinem Opfer in den Kopf. Im Mai des vergangenen Jahres wurde im in Lichtensteig im Toggenburg ein Mann tot unter seinem Bett gefunden. Der Täter konnte in diesem Jahr von Thailand nach St.Gallen ausgeliefert werden.

Im Oktober gab es in Bronschhofen ein Tötungsdelikt. Das Opfer, eine 34-jährige russische Asylbewerberin, wurde vom Täter erwürgt. Ausserdem sind der Polizei drei Fälle von versuchter Tötung, ebenfalls in der Stadt St.Gallen, bekannt. An der Burgstrasse versuchte im April ein Mann, jemanden vom Spielplatz aus zu erschiessen. In einem zweiten Fall eskalierte ein Streit und es kam zu Schüssen. Im September stach ein Mann mit einem Messer zuerst auf seinen Bruder und dann seinen Vater ein. Die Polizei konnte alle Tötungsdelikte aufklären.

Mehr Brandstiftungen

Einen starken Anstieg gab es auch bei der schweren Körperverletzung. Die Zahl der Fälle ist von 13 auf 21 gestiegen. Ausserdem gab es im vergangenen Jahr eine Zunahme von Sexualstraftaten, nämlich um acht Prozent. Beide Straftaten weisen eine gute Aufklärungsquote auf. So konnten 91 Prozent der schweren Körperverletzung und 81 Prozent der Sexualstraftaten aufgeklärt werden.

Deutlich zugenommen hat auch die Anzahl Brandstiftungen. So gab es im letzten Jahr 33 Fälle von Brandstiftung, dies sind 38 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Davon konnten etwas mehr als die Hälfte aufgeklärt werden.

Häufig sind Täter Männer

Die Statistik zeigt weiter, dass immer noch hauptsächlich Männer für die Straftaten verantwortlich sind. Die häufigsten Beschuldigten sind Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren. Der Ausländeranteil lag im 2016 bei knapp über 50 Prozent. Beschuldige Jugendliche gab es im 2016 mit rund elf Prozent praktisch gleich viele wie im Vorjahr.

Einbrüche schwierig aufzuklären

Am höchsten ist die Kriminalität im Kanton in der Stadt St.Gallen. Dort gab es im Verhältnis zur Bevölkerung mehr als doppelt so viele Straftaten wie im übrigen Kantonsgebiet. Zugenommen haben im ganzen Kanton die Betäubungsmitteldelikte. So gab es im letzten Jahr zwölf Prozent mehr Delikte wegen des Besitzes von Drogen. Auch beim Handel, Anbau und der Herstellung von Drogen waren die Zahlen höher.

Schwieriger aufzuklären sind für die Polizei die Einbruchdiebstähle. Zwar konnte die Aufklärungsquote gesteigert werden, aber nur jeder vierte Einbrecher wird geschnappt oder aufgespürt. Einbrüche sind oft schwierig zu ermitteln, da es nur wenig Ansätze gibt. So würden die Täter oft aus dem Ausland stammen oder keine Beziehung zu den Opfern haben.

Zahlen aus Graubünden, Thurgau und Appenzell

In den Kantonen Thurgau und Graubünden wurden ebenfalls die Kriminalstatistiken präsentiert. Im Thurgau gab es im vergangenen Jahr zwei Tötungsdelikte und zwei Fälle von versuchter Tötung. Alle Tötungsdelikte konnten aufgeklärt werden. Im Kanton Graubünden gab es keine Tötungsdelikte, in vier Fällen liegt eine versuchte Tötung vor.

Die Zahl der Fälle sexueller Handlungen mit Kindern und Vergewaltigungen hat im Kanton Thurgau um über 30 Prozent zugenommen. So gab es im Kanton 41 Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern und 17 Vergewaltigungen. Unzulässige Pornografie gab es in 44 Fällen, dies sind über 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutlich abgenommen haben hingegen die Einbrüche um 21 Prozent. Auch die Verkehrsunfälle haben abgenommen, so gab es im letzten Jahr sieben Tote auf den Thurgauer Strassen. Dies ist die tiefste Zahl, seit die Kapo Thurgau die Statistik führt.

In Graubünden konnte die Kriminalität im Allgemeinen gesenkt werden. Einzig die Fälle schwerer und einfacher Körperverletzungen haben um 20 bis 30 Prozent zugenommen. Ausserdem verdoppelte sich die Zahl der Brandstiftungen. Im 2016 gab es zehn Fälle, im Vorjahr vier. Einbrüche gab es leicht weniger und auch Sexualstraftaten wurden weniger registriert. Nur die Fälle sexueller Handlungen mit Kindern haben mit vier zusätzlichen Fällen leicht zugenommen.

Im Kanton Appenzell Innerrhoden gab es keine Tötungsdelikte. Die Zahl der Einbrüche hat leicht zugenommen. So gab es im letzten Jahr 15 Einbrüche. Stark zugenommen. nämlich um 95 Prozent. haben die Beamtenbeleidigungen: In Innerrhoden gab es im letzten Jahr 60 Beleidigungen gegen Beamte. Ein Jahr vorher waren es noch 16.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 27. März 2017 11:11
aktualisiert: 27. März 2017 16:56