Kanton St.Gallen

Dritte Massenschlägerei in zwei Wochen: «Wir müssen durchgreifen»

Laurien Gschwend, 30. Juni 2020, 08:13 Uhr
Prügelnde Jugendliche stehen oftmals unter Alkoholeinfluss. (Symbolbild)
© iStock
Nach der angeblichen Massenschlägerei in Rapperswil-Jona steckt die St.Galler Kantonspolizei mitten in den Ermittlungen. Sie hat es in letzter Zeit vermehrt mit solchen Fällen zu tun.

Mit mehreren Wirbelbrüchen landete ein 20-Jähriger am Samstagabend nach einer angeblichen Massenschlägerei mit 50 Beteiligten im Spital. Polizisten aus den Kantonen St.Gallen, Schwyz und Glarus rückten zum Seequai in Rapperswil-Jona aus, die Schlägerei hatte sich zu diesem Zeitpunkt aber bereits aufgelöst (FM1Today berichtete).

Inzwischen wurden verschiedene Befragungen durchgeführt, wie Hanspter Krüsi, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei, auf Anfrage sagt. Weitere Befragungen stehen an. «Insbesondere auch mit dem 20-jährigen Opfer, das sich nach wie vor im Spital befindet.» Die Schwierigkeit bei den Befragungen sei, herauszufinden, was echte Hinweise und was nur Anschwärzungen unter den Tätern seien.

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Bei der Massenschlägerei am Seeufer sollen zwei Gruppen aufeinander losgegangen sein. Die Polizei geht davon aus, dass Alkohol die Provokationen ausgelöst hat, die Hintergründe des Vorfalles sind allerdings weiterhin unklar. Die Befragungen und allfällige Bilder und Videos von Zeugen sollen die Ermittlungen vorantreiben. Bisher ist der entscheidende Zeugenhinweis laut Krüsi nicht eingegangen. «Die direkt Beteiligten werden sich wohl auch nicht melden.»

Die St.Galler Kantonspolizei stellt in letzter Zeit eine Häufung von Schlägereien unter Gruppen fest. Erst vor einer Woche wurden zwei Männer bei zwei Gruppenschlägereien in der Stadt St.Gallen lebensgefährlich verletzt. «Für uns ist es wichtig, in solchen Fällen durchgreifen zu können», sagt Krüsi. Die Festnahme sechs Tatverdächtiger nach den beiden Prügelattacken in St.Gallen habe für die Bevölkerung eine Beruhigung gebracht. «Immerhin ist diese Gruppierung nun nicht mehr aktiv.»

Keine Zunahme im Thurgau

Kleinere Schlägereien zwischen zwei Personen oder kleinen Gruppen gebe es im Kanton St.Gallen regelmässig: «Sicher jedes Wochenende und häufig auch unter der Woche.» Anders als die St.Galler Kollegen beobachten die Thurgauer Einsatzkräfte keine Häufung von tätlichen Auseinandersetzungen, wie Christian Jäggi, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, gegenüber FM1Today sagt. Das Coronavirus habe sich nicht auf die Fallzahlen ausgewirkt.

Aufgewühlte Bevölkerung

Hanspeter Krüsi glaubt ebenfalls nicht, dass Massenschlägereien etwas mit der Coronakrise zu tun haben. «Das sehe ich eher weniger. Häufig ist es so, dass sehr junge Personen beteiligt sind und sowohl Opfer als auch Täter unter Einfluss von Drogen oder Alkohol stehen.» Solche Vorkomnisse würden die Bevölkerung aufwühlen, umso wichtiger sei es, die Fälle aufzuklären, auch wenn dies intensiver Ermittlungsarbeit bedürfe.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Juni 2020 05:31
aktualisiert: 30. Juni 2020 08:13