Droht St.Gallen der Verkehrskollaps?

Praktikant FM1Today, 31. Mai 2019, 13:31 Uhr
Müssen wir uns an dieses Bild gewöhnen? Feierabendstau auf der Stadtautobahn.
Müssen wir uns an dieses Bild gewöhnen? Feierabendstau auf der Stadtautobahn.
© Tagblatt/Mareycke Frehner
Wer in den letzten Tagen auf der St.Galler Stadtautobahn unterwegs war, stand öfters im Stau. Grund dafür sind die Vorarbeiten für die Sanierungsarbeiten. Bereits jetzt merken die Autofahrer erste Konsequenzen. Die grossen Bauarbeiten stehen aber erst noch an.

«FM1 mit em schnellschte Verkehrsservice, Stau hemmer wegere Baustell i de Region St.Gallen», tönt es aus dem Autoradio. Es ist Rushhour im St.Galler Stadtgebiet. Auto reiht sich an Auto. Der Verkehr stockt. Was ein Graus für jeden Autofahrer ist, könnte in den kommenden Jahren zur täglichen Gewohnheit werden. In den vergangenen Tagen haben mit einer sogenannten Spurverschiebung die Vorarbeiten für das millionenschwere Sanierungsprojekt der Stadtautobahn begonnen (FM1Today berichtete). Schmalere Spuren führen bereits jetzt zu mehr Stau.

«Die Stadt ist nicht für so viel Verkehr gemacht»

Stau auf der Autobahn hat in der Regel sofort Auswirkungen auf den Verkehr durch die Stadt. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer probieren, den Stau via Stadt zu umfahren. Dies sei problematisch, sagen sowohl Florian Schneider von der Kantonspolizei als auch Roman Kohler von der Stadtpolizei St.Gallen. Weiter fassen sie zusammen: «Den Verkehrskollaps kann es geben, wenn alle probieren über die Stadt auszuweichen». Bei der Stadtpolizei St.Gallen ist man sich des Problems bewusst. Roman Kohler sagt gegenüber FM1Today: «Die Stadtpolizei geht davon aus, dass es wegen der Autobahnbaustelle zeitweise zu einem massiven Mehrverkehr durch die Stadt kommen wird. Die Verkehrsteilnehmer müssen dann viel mehr Zeit einplanen.»

Stauschwerpunkt Kreuzbleiche: Noch rollt der Verkehr. (Bild: Tagblatt/Ralph Ribi)
Stauschwerpunkt Kreuzbleiche: Noch rollt der Verkehr. (Bild: Tagblatt/Ralph Ribi)
© Stauschwerpunkt Kreuzbleiche: Noch rollt der Verkehr. (Bild: Tagblatt/Ralph Ribi)

Auf der Stadtautobahn führt die Baustelle zu engeren Platzverhältnissen. Ein Augenschein zeigt: Die linke Spur ist auf zwei Meter verkleinert, die rechte Spur wird normal geführt. Einen Pannenstreifen gibt es im Moment nicht. Dies führt, in Kombination mit Unfällen oder zum Beispiel einer Panne, zu grösseren Verkehrsbehinderungen. Dies ist aber nicht der einzige Knackpunkt: «Die Platzverhältnisse machen es uns schwierig, möglichst schnell zur Störung zu kommen und diese zu beheben», sagt Florian Schneider.

Auch der ÖV ist betroffen

Weichen viele Autos auf das Stadtgebiet aus, stehen auch die Busse der Verkehrsbetriebe St.Gallen im Stau. «Bisher spüren wir die Auswirkungen der Baustelle noch nicht», sagt Adrian Schwägler. Beim Amt für öffentlichen Verkehr bereitet man sich auf die kommenden Jahre vor. «Wir machen uns Überlegungen, wie die Verspätungen zu reduzieren sind», sagt Markus Schait, Angebotsplaner für die Region St.Gallen beim kantonalen Amt. Erwünscht sind zum Beispiel weitere separate Lichtsignale für die Busse. «Der Bus kann sich dort anmelden und wird dann bevorzugt», so Schait. So sollen grössere Verspätungen verhindert werden. Gleichzeitig werden auch die Problemlinien 3, 4 und 12 optimiert.

Sollen nicht so oft im Stau stehen: die Busse auf dem Stadtgebiet. (Bild: Tagblatt/Michel Canonica)
Sollen nicht so oft im Stau stehen: die Busse auf dem Stadtgebiet. (Bild: Tagblatt/Michel Canonica)
© Tagblatt/Michel Canonica

Im Notfall regelt die Stadtpolizei den Verkehr

In gewissen Konstellationen könne es dazu kommen, dass der Verkehr auf dem Stadtgebiet zum Erliegen kommt, sagt Roman Kohler. Solche Vorfälle seien aber nicht neu. «Wenn es zum Beispiel im Rosenbergtunnel einen Unfall gibt, dann steht heute schon der Verkehr.» Bei einem drohenden Kollaps plant die Stadtpolizei möglichst schnell einzugreifen. «Die Stadtpolizei regelt dann den Verkehr nach Möglichkeit selber.» Dies ist bereits heute, beispielsweise bei Grossveranstaltungen, der Fall.

Das Amt für öffentlichen Verkehr, die Stadt- und Kantonspolizei und sicherlich auch viele Autofahrer im FM1-Land hoffen, dass die Bauarbeiten möglichst reibungslos und mit wenig Stau über die Bühne gehen. «Wir hoffen, dass die Stadtautobahn nicht zum Ostschweizer Gubrist wird», sagt Florian Schneider abschliessend.

Tipps (der Stadt- und Kantonspolizei St. Gallen):

  • Wann immer möglich den ÖV benutzen.
  • Leuten, die darauf angewiesen sind mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, wird empfohlen, die Stosszeiten (7 - 8 Uhr und 17 - 18 Uhr) zu meiden.
  • Bei Stau auf der Autobahn bleiben: «Erfahrungsgemäss ist man trotz Stau schneller auf der Autobahn», sagt Florian Schneider.
  • Mit Konzentration, angepasster Geschwindigkeit und genügend Abstand Unfälle vermeiden. Diese führen erfahrungsgemäss zu den grössten Staus.
Praktikant FM1Today
Quelle: ham
veröffentlicht: 31. Mai 2019 06:15
aktualisiert: 31. Mai 2019 13:31