«Ein neues Stück St.Gallen»

Lara Abderhalden, 27. August 2018, 13:28 Uhr
Der Campus wird am Platztor realisiert.
Der Campus wird am Platztor realisiert.
© Tagblatt/Urs Bucher
Der neue HSG-Campus am Platztor in St.Gallen ist als ein «dichtes mehrstöckiges modernes Gebäude» geplant, das über 200 Millionen Franken kostet. Das Volk soll bereits im Juni 2019 darüber abstimmen.

Die St. Galler Regierung hat Details rund um den zweiten Campus am Platztor ausgearbeitet und am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt: Insgesamt 207 Millionen Franken soll der neue HSG-Campus am Platztor am Unteren Graben kosten. Davon übernehmen der Bund 25 Millionen Franken, die Universität St.Gallen 20 Millionen Franken, die Stadt zwei Millionen Franken und der Kanton 160 Millionen Franken. Die Regierung beantragte diesen Kredit beim Kantonsrat. Dieser wird das Projekt in der November- und Februarsession thematisieren. Vorgesehen ist, dass das Volk am 30. Juni 2019 über den neuen Campus entscheidet.

Zu wenig Platz für die Studenten

Geplant ist ein Neubau, der Platz für rund 3'000 Studierende bietet. Wer oder was genau in diesem Gebäude untergebracht wird, werde sich zeigen. «Es wird weitere Hörsäle geben und verschiedene Institute werden dort ihre Lehrräume haben», sagt der HSG Rektor Thomas Bieger. Welche genau das sind, sei schwierig zu sagen, da die HSG nicht in Fakultäten unterteilt ist.

Der Campus ist gemäss Kanton und HSG dringend nötig: «Aktuell studieren an der HSG 8'700 Studenten. Der Platz ist aber auf 5'000 Studenten beschränkt, deshalb ist es dringend nötig, dieser hohen Studentenzahl Platz zu bieten», sagt Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements, Marc Mächler.

Unterer Graben soll mit Altstadt verschmelzen

Aktuell werden die Studenten teilweise in Provisorien unterrichtet. Die Verträge mit diesen Liegenschaften laufen aber in ein paar Jahren aus. Aber nicht nur für die Studenten soll St.Gallen attraktiver werden, sondern auch für die Stadt St.Galler. Mit dem neuen Campus soll das Quartier «Unterer Graben» mehr mit der Altstadt verschmelzen.

Der Campus soll beim Unteren Graben entstehen. (Bild: zVg)
Der Campus soll beim Unteren Graben entstehen. (Bild: zVg)
© Der Campus soll beim Unteren Graben entstehen. (Bild: zVg)

Es soll ein neues Stück St.Gallen entstehen, sagt Marc Mächler: «Das Untergeschoss des mehrstöckigen Gebäudes wird für die Öffentlichkeit nutzbar. Wir werden darin ein Restaurant haben und vielleicht Fitnessräume, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.» Das Gebiet soll belebt werden und ein Austausch zwischen der HSG und der Stadt entstehen.

«Wir wollen die Studentenstadt St.Gallen erlebbar machen», sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Die Studenten sollen vermehrt in die Stadt kommen und dort auch gesehen werden.

«Es wird ein modernes Gebäude»

Die Gebäude die derzeit auf beim Platztor sind, werden abgerissen. Viele der Räumlichkeiten sind bereits jetzt leer stehend. Natürlich sei es auch möglich, dass es gegen das Bauvorhaben Rekurse geben könnte, ist sich Marc Mächler bewusst, erstmals müsse aber das Volk den Kantonskredit absegnen, dann werde ein entsprechendes Baugesuch eingereicht und bestenfalls im Jahr 2024 mit dem Bau begonnen werden.

Wie der Campus, der 2027 fertig gestellt sein soll, aussehen werde, sei noch unklar. Es wird nächstes oder übernächstes Jahr ein Architekturwettbewerb lanciert. Etwas kann Marc Mächler aber schon sagen: «Es wird ein dichtes, modernes, mehrstöckiges Gebäude.»

Verkehrstechnisch sollten keine Probleme entstehen, da die Studenten entweder in der Innenstadt oder Richtung Rosenberg unterwegs sind. Die Distanzen von rund 15 Gehminuten seien zu Fuss gut machbar.

Keine Steuererhöhungen

Finanziert werden die 160 Millionen Franken vom Kanton übrigens durch Staatsgelder, also teilweise durch Steuereinnahmen oder sonstige Einnahmen des Kantons. Steuererhöhungen werde es gemäss Marc Mächler in diesem Zusammenhang keine geben: «Das kann ich Ihnen versprechen. Denn es passt in unser Investitionsprogramm, das auf zehn Jahre geplant ist und wir werden den Abschreibungsbedarf von diesem Haus finanziell stemmen können.»

Bessere Wahrnehmung in der Stadt

Dass das Projekt angenommen wird, ist für den St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin wahrscheinlich: «Die St.Galler hatten schon immer ein gutes Flair für die Bildung, deshalb glaube ich an ein 'Ja'.» Für den HSG-Rektor Thomas Bieger wäre es eine gute Möglichkeit, in der Stadt mehr Wahrnehmung zu erhalten: «Die Universität St.Gallen ist eine spezielle Uni und der Vorteil daran ist, dass wir mit wenigen Mitteln der öffentlichen Hand, eine gute Qualität abliefern können, aber es hat auch Nachteile. So sind wir weniger in der Bevölkerung verankert, da nicht jeder Mittelschullehrer, Arzt oder Anwalt in St.Gallen studiert hat. Der neue Standort bietet eine Chance die Stadt und die Uni mehr zu verbinden.»

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 27. August 2018 12:29
aktualisiert: 27. August 2018 13:28