Eine Nacht in St.Gallens höchstem Zimmer

Lara Abderhalden, 5. Juni 2018, 16:26 Uhr
Ich fühlte mich wie eine Prinzessin mit einem Turm, der nur mir gehörte, und die beste Aussicht der Stadt St.Gallen hat. Meine Nacht in St.Gallens Pop-Up-Hotel.

Ich muss zugeben, meine Wege führen mich selten ins Innere des Einstein Hotels in St.Gallen. Der Eintritt, scheint mir, ist mehr für Menschen mit einem grossen Portemonnaie. Dachte ich zumindest. Umso begeisterter war ich davon, dass es in genau diesem Hotel, die unkomplizierteste Form von Hotels, ein Pop-up Hotel geben soll. «Wir wurden von Schweiz Tourismus angefragt und haben uns natürlich sofort bereit erklärt, Ideen für ein Pop-Up-Hotel in St.Gallen zu sammeln», sagt Michael Vogt, General Manager des Hotel Einstein.

Drei Weiern oder Stiftsbibliothek?

Man habe verschiedene Möglichkeiten geprüft, so beispielsweise ein Pop-Up-Hotel bei den Drei Weiern oder in der Stiftsbibliothek. Dies habe sich aber als schwierig erwiesen: «Der grüne Turm bewachte vor 200 Jahren die Stadt St.Gallen. Wir haben ihn 2009 auf dem Kongresszentrum Einstein nachgebildet», erzählt Michael Vogt. Für den General Manager und Vorstandsmitglied bei Bodensee Tourismus war deshalb schnell klar, dass sich das Turmzimmer perfekt für ein Pop-Up-Hotel eignen würde.

Bewirtschaftet wird das Zimmer vom Hotel Einstein selbst. Von aussen sieht man nur einen kleinen schwarzen «Rundumel» der über dem Einstein Gebäude in den Nachthimmel ragt. Von innen ist dieser «Rundumel» eine Art Luxus-Manege. Nur ohne Tiere und Akrobaten, dafür mit Bett und Bar.

 

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Die schönste Aussicht

Wie es die meisten Türme so an sich haben, ist natürlich auch das Zimmer rund. Bei meinem ersten Betreten dieses wundervollen Raumes wurden meine Augen tatsächlich um mehrere Millimeter grösser. Vermutlich noch nie war ich derart überwältigt über ein Zimmer. Nicht unbedingt wegen dessen Luxus'. Sondern viel mehr dessen Grösse. Beim Blick Richtung Decke wurde es mir beinahe «trümmlig» und diese Aussicht... Ich wohne mittlerweile schon vier Jahre in St.Gallen und doch staune ich immer wieder über die Schönheit der Stadt.

Vom Bett aus können die Türme der Kathedrale bestaunt werden und die Lichter an der Decke spiegeln sich im Dunkel der Fenster wider. Mittendrin das wichtigste in einem Zimmer, das Bett. Das Zimmer besitzt weder Fernsehen noch Dusche noch sonstige Hightechgeräte. All die Ablenkung, die uns jeglichen Blick auf die Schönheiten der Welt versperren, fehlen. Was für ein Traum!

Die Türme der Kathedrale sind vom Bett aus zu sehen. (Bild: Lara Abderhalden)
Die Türme der Kathedrale sind vom Bett aus zu sehen. (Bild: Lara Abderhalden)

Aufwachen und staunen

So schön das Zimmer auch ist. So wenig weiss man allein, was damit anzufangen. Nach ungefähr sieben Runden durch den Raum, Fotos und Selfies an jeder Ecke und einem Blick in die Mini-Bar, setzte ich mich auf das Bett und schaute mir St.Gallens Kulisse an. Auch wenn diese unglaublich schön ist, ist sie doch kein Krimi oder etwas, das einem länger als zehn Minuten beschäftigen kann.

Deshalb verbrachte ich den Abend damit, durch St.Gallens Gassen zu schlendern, wie eine Touristin. Wieder im Traumzimmer gönnte ich mir ein Bier, ass die zur Verfügung gestellten Schöggeli, probierte den Bademantel und die Badelatschen und zählte die vielen kleinen Lämpli an der Decke. Bis die Lämpli an der Decke sich allmählich in Sternschnuppen verwandelten und mich die Müdigkeit in einen Dornrösschenschlaf versetzte.

Wieviele Lämpli an der Decke leuchten, fand ich leider nicht heraus. (Bild: Lara Abderhalden)
Wieviele Lämpli an der Decke leuchten, fand ich leider nicht heraus. (Bild: Lara Abderhalden)
© Wieviele Lämpli an der Decke leuchten, fand ich leider nicht heraus. (Bild: Lara Abderhalden)

Etwas vom allerschönsten auf der Welt ist es, am Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass man noch gar nicht aufstehen muss. So ging es mir im Pop-up Hotel. Nicht nur hatte ich das Privileg, etwas länger zu schlafen, auch war das erste, was meine müden Augen von der Welt sahen, zwei Türme. Die Türme der Kathedrale. Ich selbst in einem anderen Turm auf Augenhöhe.

Alles, was man für eine Nacht braucht

Während sich die Augen an die Türme gewöhnten, füllte sich der Raum mit Sonnenlicht. Ich öffnete die Fenster und liess die feuchte Luft den Raum füllen. Klimaanlage gab es natürlich nicht, dient der Raum doch sonst als Seminarraum.

Durch die Panorama-Fenster dringt eine Menge Licht. (Bild: Lara Abderhalden)
Durch die Panorama-Fenster dringt eine Menge Licht. (Bild: Lara Abderhalden)
© Durch die Panorama-Fenster dringt eine Menge Licht. (Bild: Lara Abderhalden)

Nach zahlreichen Versuchen, die Abreise noch etwas hinauszuzögern und mich einfach wieder mitten in den Raum in dieses wundervolle Bett zu legen, schaffte ich es tatsächlich, das Zimmer zu verlassen. Aber nur für das Frühstück.

Ich fühlte mich für eine Nacht tatsächlich wie eine Prinzessin. Vor allem nachdem mir Michael Vogt sagte, dass ich die allererste Person war, die im Hotelzimmer übernachtete. Und auch wenn es keine Dusche und keinen Fernsehen gibt, bietet das Pop-up Hotel genau das, was man von einem Hotel erwartet, ein Bett, ein WC und eine Aussicht. St.Gallen, das mit diesem Pop-up Hotel oder Zimmer, das hast du gut gemacht.

Interview mit Michael Vogt vom Einstein:

 

Das Pop-Up-Hotel eröffnet am 5. Juni 2018 und bleibt voraussichtlich bis im Oktober 2018. Jeder der will, kann über das Hotel Einstein eine Übernachtung buchen. Gedacht ist das Turmzimmer für jedermann. Das Hotel verlangt mit 250.- Franken pro Nacht ungefähr denselben Preis wie für ein normales Doppelzimmer. Inklusive sind Frühstück, Fitness und Wellness. Nebst St.Gallen wird am 5. Juni an zehn weiteren Standorten ein Pop-Up-Hotel eröffnet. In Baden, Bellinzona, Bern, Solothurn, Basel, Zürich, Luzern, Lausanne, Schaffhausen und Montreux. In Schaffhausen kann man eine Nacht auf der MS Konstanz verbringen.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 5. Juni 2018 05:43
aktualisiert: 5. Juni 2018 16:26