Rheintal

«Enttäuschend» – Magenbrot Rohner schliesst Lädeli wegen Dieben

Laurien Gschwend, 9. September 2020, 05:39 Uhr
So sehen die Magenbrothäuschen von Rohner aus.
© pd
Die von der Coronakrise geplagte Rohner Magenbrot AG muss mehrere ihrer Verkaufshäuschen schliessen – wegen Langfingern, die sich an den Süssigkeiten bedienen. Trotzdem hält das Rebsteiner Unternehmen an der Idee fest.

«Rohner Magenbrot» – das wird diesen Herbst seltener zu hören sein als in gewöhnlichen Jahren. Wegen der unsicheren Corona-Lage finden zahlreiche Chilbis und Jahrmärkte gar nicht oder nur in abgespeckter Form statt.

Die Rohner Magenbrot AG in Rebstein nahm deshalb im Frühling 15 Verkaufshäuschen in Betrieb, um Magenbrot, gebrannte Mandeln und Co. trotzdem an die Frau oder den Mann zu bringen. Frustrierend für den Traditionsbetrieb: Drei Lädeli wurden bereits wieder geschlossen, weil sich «zu viele» an den Süsswaren bedienten, ohne dafür zu bezahlen.

«Das ist für uns sehr enttäuschend», sagt Karin Zoller, Marketing- und Verkaufsleiterin bei Magenbrot Rohner, gegenüber FM1Today. «Die Leute wissen, dass wir es aktuell schwer haben, weil unser ganzes Geschäftsmodell auf Märkte und Messen ausgelegt ist. Wenn dann noch gestohlen wird, ist das nicht in Ordnung.»

Karin Zoller, Marketing- und Verkaufsleiterin bei Magenbrot Rohner

© pd

Nur noch 12 statt 15 Häuschen

Die drei Häuschen standen in Arbon, Diepoldsau und Rebstein. Auch ein Lädeli in Montlingen wurde vorübergehend geschlossen, mittlerweile aber wieder in Betrieb genommen. In Diepoldsau wird nach einem alternativen Verkaufsstandort gesucht und in Rebstein verkauft die Bäckerei Lombardi jetzt die Produkte. Die Zukunft des Häuschens in Arbon ist ungewiss. «Arbon ist allgemein ein schwieriges Pflaster bezüglich Diebstahl», sagt Zoller.

Die Verkaufshäuschen stehen in privaten Gärten. Es ist unklar, wer hinter den Diebstählen steckt. Sowohl die Häuschenbetreiber als auch Magenbrot Rohner verzichteten darauf, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Polizei empfiehlt, Anzeige zu erstatten

Karin Zoller rechnet an den «schlimmen Standorten» mit 20 bis 30 Franken Verlust pro Tag. «Trotz dieses kleinen Betrages empfehlen wir, solche Fälle bei uns anzuzeigen», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei. «So kann die Polizei ihre Arbeit aufnehmen und solchem Verhalten schon früh einen Riegel schieben.» Sonst kehre nie Ruhe ein. Das Problem ist von Hofläden im Kanton St.Gallen bekannt. «Es ist leider so, dass alles, was nicht angebunden ist, gestohlen wird.»

Zunächst konnten die Kundinnen und Kunden das Geld fürs Magenbrot in ein Portemonnaie legen und selber Wechselgeld rausnehmen, nun wurden die meisten der 15 Häuschen mit festgeschraubten Kassen ausgestattet. Ausserdem wurden – mit entsprechendem Hinweis – Kameras montiert. «Nun hoffen wir, dass sich die Diebstähle legen und wir das Projekt mit höheren Verkaufsmengen im Herbst kostendeckend weiterführen können.»

Das Feedback der Kundinnen und Kunden sei nämlich sehr positiv. «Die Leute freuen sich, wenn sie unsere Produkte kaufen können, auch wenn es kaum Märkte oder Messen gibt.» Ziel sei es, die Häuschen auch nächstes Jahr noch zu betreiben und mehr Lädeli aufzustellen. Die Zusammenarbeit mit den Häuschenbetreibern funktioniere gut. «Sie holen die Ware ab, bewirtschaften die Häuschen und kühlen das Magenbrot in den warmen Monaten. Jemand anderes als ein grosser Magenbrot-Fan würde das nicht für uns tun.» Die Betreiber verdienen nicht viel, es ist eher eine «kleine Aufwandsentschädigung», wie Zoller sagt.

Kerngeschäft fällt weg

Trotz der Verkaufshäuschen, Aufträgen für Geschäftskunden und des Magenbrotverkaufs auf den stattfindenden Märkten hat Rohner weiterhin mit der Pandemie zu kämpfen. «Uns tut es natürlich weh, wenn grosse Messen wie die Olma nicht wie gewohnt stattfinden», sagt Zoller. Märkte bleiben für das Rebsteiner Unternehmen das «absolut wichtigste Business».

Immerhin: Bislang mussten keine Mitarbeitenden entlassen werden, sie wurden allerdings in Kurzarbeit geschickt. «Wir haben uns gehalten, darauf sind wir sehr stolz.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. September 2020 05:39
aktualisiert: 9. September 2020 05:39