«Es ist, als ob das Volk verarscht wird»

Laurien Gschwend, 2. Juni 2018, 17:59 Uhr
Um Kosten zu sparen, wollen die St.Galler Spitalverbunde fünf Bettenstationen schliessen - darunter auch jene in Wattwil. Diese wurde am Samstag, nur drei Tage nach dem Bekanntwerden der Pläne, eingeweiht. Politiker und besorgte Bürger protestierten vor dem Toggenburger Spital.

Absurde Situation in Wattwil: Wenige Tage, nachdem bekannt geworden war, dass die Bettenstation bald wieder geschlossen werden könnte, feiert das Spital gerade Tag der offenen Tür und führt die Bevölkerung durch ebendiese Räumlichkeiten. Vor dem Neubau machen die Besucher ihrem Ärger Luft. Gegenüber TVO sagt eine Demonstrantin: «Es ist, als ob das Volk verarscht wird.»

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Auch die Politik ist von den Plänen des Verwaltungsrates enttäuscht. Die Abstimmung zum Ausbau der Spitäler im Kanton St. Gallen vor wenigen Jahren habe das Volk schliesslich noch mit wuchtiger Mehrheit angenommen. SP-Kantonsrat Martin Sailer goutiert die Pläne zur Schliessung der Bettenstation in Wattwil deshalb nicht:

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«Weichen für Zukunft stellen»

Am Donnerstag gab der Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen bekannt, dass er die Bettenstationen in Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil schliessen möchte, um ein jährliches Defizit von 70 Millionen Franken auszugleichen. Felix Sennhauser begründet: «Wir müssen die Weichen stellen, damit wir auch in Zukunft die Versorgung der St.Galler Bevölkerung wahrnehmen können.» Die Verunsicherung der Bevölkerung zur möglichen Schliessung der Bettenstation in Wattwil kann er verstehen:

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Wattwil als Ausnahme

Während die stationären Abteilungen in Altstätten, Flawil, Rorschach und Walenstadt schon in einem bis drei Jahren geschlossen werden sollen, bezeichnete Sennhäuser die neue Bettenstation in Wattwil als Ausnahme. «Es wird mindestens noch zehn Jahre ein stationäres Angebot in Wattwil geben - ab dem Zeitpunkt, an dem die Politik grünes Licht gibt für unser Konzept», sagt Sennhäuser.

Bevor der Vorschlag der St.Galler Spitalverbunde umgesetzt wird, muss dieser von der Regierung überprüft werden. «Wir haben viele Fragen, welche jetzt zusammengetragen werden und dann geklärt werden müssen», sagt die zuständige Regierungsrätin Heidi Hanselmann. Sie betont: «Noch sind keine definitiven Entscheide gefallen.»

TVO berichtet in den News ab 18.00 Uhr ausführlich über die Stimmung an der Eröffnung in Wattwil.

Laurien Gschwend
Quelle: chf/lag
veröffentlicht: 2. Juni 2018 16:20
aktualisiert: 2. Juni 2018 17:59