«Es ist ein riesiges Desaster»

Vanessa Kobelt, 16. August 2019, 19:09 Uhr
Die St.Galler Regierung hat ein Darlehen von 12,7 Millionen Franken beantragt, um die Spitalregion Fürstenland Toggenburg zu stützen. Die parlamentarische Kommission Spitalpolitik kritisiert die Regierung für die aktuelle Situation scharf.

Mit einer Geldspritze von 12,7 Millionen Franken will die St.Galler Regierung der Spitalregion Fürstenland Toggenburg unter die Arme greifen, hiess es am Donnerstag in einer Mitteilung. Der Notkredit wird für die Sicherstellung des Betriebs bis 2021 benötigt. Dazu gehören die beiden Spitäler Wil und Wattwil, die seit fünf Jahren ihre finanziellen Ziele nicht erreichen. Eine untragbare Situation, findet die Sonderkommission Spitalpolitik des Kantons St.Gallen.

Pleite trotz Abstimmung

Kommissionspräsident und SVP-Kantonsrat Walter Gartmann zeigt sich gegenüber FM1Today empört und findet klare Worte für die Lage im St.Galler Gesundheitswesen: «Es ist ein riesiges Desaster. Besonders, weil man das Volk 2014 über eine neue Spitalstrategie abstimmen liess und damals beteuerte, alles komme gut. Wir haben viel Geld ausgegeben und trotzdem gibt es jetzt Regionen, die pleite sind.» Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg rechnet mit einem Defizit von 6,7 Millionen Franken für das laufende Jahr.

Fakt ist laut Walter Gartmann, dass endlich Entscheide gefällt und Massnahmen ergriffen werden müssen. «Das Gesundheitswesen ist nicht nur wichtig, es ist den St.Galler Bürgerinnen und Bürgern auch etwas wert. Unsere Sonderkommission fordert darum mit Nachdruck, dass endlich eine Botschaft von der Regierung kommt, damit man weiss, wie es mit dem ganzen St.Galler Spitalwesen weitergeht.»

Verwaltungsrat mitverantwortlich

Im Fall der Spitalregion Fürstenland Toggenburg will Gartmann den schwarzen Peter aber nicht nur der Regierung zuschieben. Der Verwaltungsrat sei mitverantwortlich. «Er wird immerhin mit 750'000 Franken entlöhnt. Da darf man schon Leistung erwarten, und diese sollte sein, dass eben alles funktioniert.» Der Verwaltungsrat der Spitalregion Fürstenland Toggenburg hatte zwar Sparmassnahmen eingeleitet, zum Beispiel werden ab November in Wattwil keine Operationen mehr durchgeführt, diese reichen aber nicht aus, um das finanzielle Gleichgewicht herzustellen.

«Es wird zu viel gebaut»

Dass es für die ganze St.Galler Spitallandschaft finanziell eng wird, ist für Gartmann kein Wunder, so würden an zu vielen Standorten gebaut und Spezialitäten angeboten. «Wichtig ist, dass es in jeder Region eine gute, stationäre Notfallversorgung gibt. Die Spitzenmedizin hingegen könnte man auf drei bis vier Standorte zusammenschliessen.»

Die grosse Frage: Wie weiter?

Solche Vorschläge dürften am 29. August nochmals auf den Tisch kommen, wenn die Sonderkommission der Spitalstrategie das nächste Mal tagt. «Wir werden sicher schauen, dass die Regionen nicht plötzlich ohne Spital dastehen. Zusammen mit den Verantwortlichen müssen wir den weiteren Weg bestimmen.»

Die Vorlage für das Darlehen der beantragten 12,7 Millionen Franken für die Spitalregion Fürstenland Toggenburg bedarf noch der Zustimmung des Kantonsrats. Der Rat wird sich in der Septembersession mit dem Überbrückungskredit befassen. Sollte es schlussendlich doch noch um einen grösseren Betrag von über 15 Millionen Franken gehen, müsste das Volk darüber abstimmen.

Vanessa Kobelt
Quelle: kov
veröffentlicht: 16. August 2019 19:09
aktualisiert: 16. August 2019 19:09