Zweite Corona-Welle

«Es schmerzt» – Vereinsleben steht im FM1-Land wieder auf der Kippe

Linda Aeschlimann, 21. Oktober 2020, 17:23 Uhr
Der Chor Cantemus Weinfelden bei einer Probe im Juni. (Archivbild)
© Thurgauer Zeitung
Das FM1-Land lebt und liebt das Vereinsleben. Doch Corona wirbelt dieses Vereinsleben wieder mächtig durcheinander. Chöre, Fussballclubs und Turnvereine stehen vor einer ungewissen Zeit. Dem Vereinsleben droht ein erneuter Shutdown.

Steht das Vereinsleben in der Ostschweiz und Graubünden bald wieder still? Gut möglich, dass dieses Szenario eintrifft. Immer mehr Kantone verschärfen wegen der explodierenden Corona-Zahlen ihre Massnahmen und auch der Bund will bald reagieren, sollte sich die Lage nicht verbessern.

Das letzte Training?

«Ein Trainingsstopp respektive Unterbruch würde mich nicht überraschen. Ich rechne sogar fast ein wenig damit», sagt Peter Eggenberger, Präsident des STV Grabs.

Im Moment wird zwar noch unter strengsten Schutzmassnahmen in der Grabser Turnhalle trainiert. «Die Motivation, zu trainieren ist im Moment bei unseren Mitgliedern riesig. Denn jeder und jede hat im Hinterkopf, dass dies vielleicht das letzte Training für die nächsten Wochen sein könnte.» Klar sei, man halte sich an die Vorgaben von Verband und Behörden, betont Eggenberger. «Schliesslich hat man als Verein eine Vorbildsfunktion.»

«Es schmerzt»

Nur wenige Kilometer weiter im Rheintal, im Eichberg, müssen die Sängerinnen und Sänger wieder alleine zu Hause singen. Der Gemischte Chor Eichberg hat schweren Herzens entschieden, die Chorproben vorläufig zu unterlassen.

Man wolle Verantwortung im gesellschaftlichen und sozialen Bereich übernehmen. «Es tut weh, die Chorproben abzusagen», sagt die Präsidentin, Claudia Sgier. «Wir wollen im Kleinen versuchen, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Dazu ist uns auch die Gesundheit unserer Mitglieder wichtig.» Deshalb sei es nun vernünftig, vorläufig auf das gemeinsame Singen zu verzichten, auch wenn es schmerze.

Brechen Vereine wegen Corona auseinander?

Damit folgt der Chor der Empfehlung des kantonalen Verbandes. Der St.Galler Kantonal-Gesangsverband (SGKGV) empfiehlt, die Proben vorläufig einzustellen. Zumindest dort, wo die Schutzkonzepte nicht oder nur schwer einzuhalten sind.

«Wir befürchten aber langsam, dass Chöre auseinander brechen und so Kulturgut verloren geht», sagt SGKGV-Präsident Erwin Schwizer. Gespräche mit anderen Verbänden, wie dem Blasmusik- oder Jodlerverband, würden zeigen, dass im Moment rund um das Vereinsleben viele Fragezeichen herrschen.

Wie weiter?

Abwarten, sich an Schutzkonzepte halten und positiv bleiben: Dies sind wohl die einzigen Antworten auf die vielen Fragen rund um das Vereinsleben.

Vom Fussball-, über den Turn- bis hin zum Gesangsverband: Überall wartet man gespannt auf die neuesten Empfehlungen oder gar Massnahmen von «oben».

Zahlreiche nationale Verbände wollen in den nächsten Tagen ihre überarbeiteten Weisungen bekannt geben. Bewusst ist allen: Was heute gilt, kann morgen schon wieder anders sein.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Oktober 2020 06:02
aktualisiert: 21. Oktober 2020 17:23