St.Gallen

Eskalation im VBSG-Bus – Fahrerin hat «nicht falsch» reagiert

20. November 2019, 10:25 Uhr
Der Vorfall geschah stadteinwärts bei der Haltestelle Ruhsitz.
© Screenshot Google Maps
Ein Betrunkener versucht nach einem Streit einen Bus zu entführen und verletzt dabei die Busfahrerin. Solche Extremfälle seien die Ausnahme, sagen die St.Galler Verkehrsbetriebe.

Ein betrunkener Mann aus Somalia versuchte am Samstag, einen St.Galler Stadtbus zu entführen. Dem ging ein Streit voraus mit einem anderen Fahrgast, den die Busfahrerin zu schlichten versuchte.

«Die zwei stritten schon an der Bushaltestelle. Als beide einstiegen, attackierte einer den anderen», sagt Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der St.Galler Verkehrsbetriebe, im Interview mit TVO. 

Die Busfahrerin habe an der nächsten Haltestelle eingegriffen. Der aggressive 29-Jährige habe sich bei dieser Gelegenheit auf den Fahrersitz und gesetzt, um selbst mit dem Stadtbus weiterzufahren. «Sie wollte ihn natürlich dazu bewegen, wieder aufzustehen. Der Betrunkene schlug ihr dabei ins Gesicht und biss sie», sagt Eigenmann.

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Quelle: TVO

«Mit uns fahren manchmal merkwürdige Personen»

Trotzdem ist es der Busfahrerin gelungen, den Schlüssel an sich zu nehmen. Zusammen mit einer Kollegin habe sie den Bus verriegelt und gewartet, bis die Polizei eintraf. Andere Fahrgäste waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Bus. 

«Der Mitarbeiterin geht es soweit gut. Trotzdem war sie im Spital, um sich wegen des Bisses untersuchen zu lassen.» Dass es in den St.Galler Stadtbussen derart ausartet, kommt laut Eigenmann selten vor: «In diesem Ausmass nicht, das wäre wirklich schlimm. Auch wenn mit uns manchmal merkwürdige Personen fahren, die vielleicht psychische Probleme haben und bedrohlich wirken.» 

«Fahrer sind kein Sicherheitspersonal»

Eine Eskalation wie in diesem Fall sei die Ausnahme. Trotzdem sind alle Busse der VBSG videoüberwacht und in jedem gibt es einen Notfallknopf. Auf jede Situation könne man die Angestellten aber nicht vorbereiten. «Wir schicken unsere Leute nicht in Selbstverteidigungskurse, sie sind Fahrer und kein Sicherheitspersonal», sagt Eigenmann.

Die Fahrerin habe «nicht falsch» reagiert, das zeige auch der Umstand, dass die Polizei den Mann aus Somalia so einfach verhaften konnte. Vielleicht gebe es im Detail noch Verbesserungspotenzial. «Das ist aber schwierig zu beurteilen, wenn man nicht dabei gewesen ist.»

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. November 2019 18:09
aktualisiert: 20. November 2019 10:25