Europas Fasnachtshöhepunkt in Altstätten

Noémie Bont, 31. Januar 2019, 08:02 Uhr
Guggenmusik, Konfetti und heisse Partyzelte: Fasnacht ist weit mehr als das. Im Februar findet in Altstätten ein grosses europäisches Kultur- und Brauchtumstreffen statt, mit tausenden Besuchern aus ganz Europa. Eine exklusive Ausstellung zeigt, was uns erwartet.

Du schaust bei einem Umzug den farbigen Papierschnipsel zu, die ein Fasnachtswagen in die Luft katapultiert hat und die es nun vom Himmel regnet. Plötzlich erschreckt dich eine seltsam haarige Gestalt. Sie trägt einen gigantischen Hut, eine ausdrucksstarke Maske und kunterbunte Kleider. Du zuckst zusammen, die Gestalt streckt dir schadenfreudig ein kleines Zückerchen in die Hand. Das gehört zur Fasnachtstradition, die Tausende von Leuten in Europa motiviert, sich auffällig zu verkleiden.

Europäische Fasnachtshochburg in Altstätten

In der Hälfte aller Länder Europas werden Fasnachtstraditionen ausgeübt. Dazu gehört auch der Röllelibutzen Verein Altstätten, der dieses Jahr sein 100-Jahr-Jubiläum feiert. Zum Geburtstagsfest lädt er Mitte Februar zu einem Kultur- und Brauchtumstreffen ein. «Das ist Fasnacht einmal ganz anders. Es wird traditioneller Fasnachtsbrauchtum gefeiert, der in ganz  Europa vorhanden ist und den man vom 15. bis 17. Februar in Altstätten bestaunen kann», erklärt OK-Präsident Alex Zehnhäusern gegenüber FM1Today. 35 Gruppen und Zünfte aus 15 europäischen Ländern werden an jenem Wochenende in Altstätten erwartet. «Wir empfangen Gruppen aus der Schweiz, Griechenland, Italien, Belgien, Frankreich, Portugal, Spanien, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Deutschland und Österreich», zählt Zehnhäusern auf. Das Paradies für jedes Fasnachtsherz.

Der Röllelibutzen Verein Altstätten wurde 1919 gegründet. (Bild: FM1Today/Noémie Bont)
Der Röllelibutzen Verein Altstätten wurde 1919 gegründet. (Bild: FM1Today/Noémie Bont)
© Der Röllelibutzen Verein Altstätten wurde 1919 gegründet. (Bild: FM1Today/Noémie Bont)

Sonderausstellung im Museum Prestegg

Ebenfalls von den Röllelibutzen organisiert wurde die Sonderausstellung «Fasnachtsbrauchtum in Europa» im Altstätter Museum Prestegg, die für die Öffentlichkeit ab dem 15. Februar eröffnet wird. Ausgestellt sind 50 Fasnachtsfiguren, die das europäische Fasnachtskulturgut darstellen. Es sind auch die Kostüme dabei, die während des Brauchtumstreffens von den Gruppen präsentiert werden. Gesammelt wurden alle Figuren vom Innenschweizer Andreas Winet, der seit einigen Jahren Kostüme und Masken aus ganz Europa sammelt. «Ziel ist es, allen Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, die Kostüme und Masken aller Gruppen in Ruhe in der Ausstellung ansehen zu können, die während der Fasnacht bis im Herbst offen ist», freut sich der OK-Präsident.

Die Altstätter Strassen empfangen die ausländischen Fasnachtsgäste. (Bild: FM1Today/Noémie Bont)
Die Altstätter Strassen empfangen die ausländischen Fasnachtsgäste. (Bild: FM1Today/Noémie Bont)

Highlight: 15. bis 17. Februar

Am Festwochenende reisen über 2000 Fasnächtler aus dem Ausland nach Altstätten. Zusätzlich sind Medienteams aus ganz Europa angemeldet und auch Fangruppen werden erwartet, die sich dieses einmalige Fasnachtsspektakel nicht entgehen lassen wollen. «Die Unterbringung dieser vielen Personen war eines der grösseren Probleme. Altstätten hat nur 1000 Schlafplätze in Massenunterkünften. Ein grosser Teil davon wäre in der Turnhalle Schöntal, die aber bereits für die restlichen Aktivitäten am Wochenende verwendet wird. Nun helfen uns die Gemeinden Rebstein und Oberriet mit Schlafplätzen in den Turnhallen und in Zivilschutzunterkünften aus. Auch alle Hotels in den umliegenden Dörfern von Altstätten sind für diese Zeit bereits ausgebucht», sagt OK-Präsident Alex Zehnhäusern.

Während des Festwochenendes werden an vier verschiedenen Plätzen der Altstätter Innenstadt die Brauchtümer vorgeführt. (Bild: Festführer/FM1Today)
Während des Festwochenendes werden an vier verschiedenen Plätzen der Altstätter Innenstadt die Brauchtümer vorgeführt. (Bild: Festführer/FM1Today)
© Während dem Festwochenende werden an vier verschiedenen Plätze, der Altstätter Innenstadt, die Brauchtümer vorgeführt. (Bild: Festführer/FM1Today)

Programm

15. Februar: Nach einem Fackelumzug durch das Altstätter Städtli werden an einem Unterhaltungsabend in der Schöntal Turnhalle alle Gruppen vorgestellt und mit Schweizer Tradition, aber auch mit Musik der auswärtigen Kulturen, begleitet.

16. Februar: An vier verschiedenen Vorführungsplätzen in Altstätten (siehe Plan oben) zeigen die Fasnachts-Gruppen ihre eigenen Traditionen.

17. Februar: Alle Gruppen laufen hintereinander in einem grossen Brauchtumsumzug durch die Altstätter Stadt.

Jede Gruppe braucht einen Begleiter

Seit fünf Jahren planen die Organisatoren das Kultur-und Brauchtumstreffen. «Die Planungsphase war ein langer Weg und deshalb sind wir froh, dass es endlich losgeht. Doch nun befinden wir uns in der Endspurtphase, wo wir zählen müssen, wie viele Leute effektiv nach Altstätten reisen werden. Denn die Einladungen wurden vor drei Jahren verschickt», erklärt Zehnhäusern. Dafür wurden Begleiter für jede einzelne Gruppe eingesetzt, die einerseits die Stadt Altstätten sehr gut kennen, andererseits auch die Sprache der jeweiligen Gruppe sprechen. «Das war ebenfalls eine grosse Herausforderung. Bei einigen Ländern mussten wir auf Englisch ausweichen», sagt der OK-Präsident gegenüber FM1Today.

Es gibt nur typisch schweizerisches Essen

Verpflegt werden die Fasnachtsgruppen mit Produkten aus der Region. Das war den Organisatoren ein grosses Anliegen. Über 5000 Verpflegungen müssen am Fasnachtswochenende gewährleistet werden. «Das ganze Essen ist traditionell schweizerisch. Damit die ausländischen Gäste unsere Kost geniessen können und die Schweiz in vollen Zügen geniessen können», sagt Zehnhäusern stolz und freut sich auf das riesige Jubiläumsfest seiner Gruppe.

Neben diesem grossen Fasnachtsevent wird im Rest des FM1-Landes im Februar und März Fasnacht gefeiert. Eine Übersicht der Umzüge und Fasnachtshighlights erhältst du hier auf dieser Karte:

Noémie Bont
veröffentlicht: 31. Januar 2019 05:38
aktualisiert: 31. Januar 2019 08:02