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FM1-Land

Fasnachtsplanung: Zertifikatspflicht zieht Umzügen den Zahn

Nico Conzett, 12. November 2021, 07:49 Uhr
Am Donnerstag war Fasnachtsbeginn. Landauf, landab läuteten die Guggen ihre Lieblingsjahreszeit ein, ehe es zwischenzeitlich nochmals ruhig wird und im Februar dann richtig zur Sache geht. Nur: Die Corona-Situation sorgt erneut für Ungewissheit. Wir haben uns in den Ostschweizer Fasnachtshochburgen umgehört.
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Quelle: FM1Today/TVO/BRK News

Die Coronalage in der Schweiz tendiert wieder in eine wenig erfreuliche Richtung. Die Fallzahlen steigen, die Spitäler warnen bereits wieder vor einer allfälligen Überlastung, sollte sich die Situation nicht stabilisieren. Meldungen über womöglich bald wieder verschärfte Massnahmen machen die Runde. Kurz: Die zukünftigen Gegebenheiten sind alles andere als gewiss.

Finanziell und organisatorisch zu aufwendig

Für die Fasnächtler ist das äusserst problematisch. Waren die Rahmenbedingungen auch vor einem Monat alles andere als optimal, ist die Ausgangslage aktuell noch prekärer. Die Fasnachtsplanung ist ein grossangelegtes, zeitaufwendiges Projekt, nicht wenige Komitees starten bereits während des Sommers mit ersten Überlegungen zur Durchführung.

Die Ungewissheit macht Marco Ackermann, Präsident der Melser Fasnacht, zu schaffen. «Wir sind derzeit in der Planung, aktuell ist alles auf 3-G ausgelegt.» Das bedeutet, dass in Mels mit allergrösster Wahrscheinlichkeit kein Strassenumzug stattfinden wird. «Für eine Bewilligung des Kantons St.Gallen müssten wir organisieren können, dass 3-G während des ganzen Umzugs gewährleistet ist. Das ist gar nicht möglich, weil wir dann die gesamte Route absperren müssten.» Das sei schlicht zu aufwendig – finanziell und organisatorisch.

Hau-Ruck-Übung, wenn Zertifikat wegfällt

Ähnlich sieht es in Altstätten aus. OK-Präsident Alex Zenhäusern sagt gegenüber FM1Today: «Umzüge können nur stattfinden, wenn die Zertifikatspflicht nicht verlängert wird.» Dann sei es möglich, mit einer Hau-Ruck-Übung doch noch einen Umzug auf die Beine zu stellen. Nach heutigem Stand gilt die Zertifikatspflicht bis 24. Januar 2022.

Das Altstätter Fasnachtskomitee arbeitet aufgrund der ungewissen zukünftigen Situation verschiedene Szenarien aus. Am realistischsten erachtet Zenhäusern nach wie vor die Variante einer Fasnacht mit einem 3-G-Areal im Festzelt und einem ohne Zertifikatspflicht im Freien. Die aktuellen Bestimmungen sehen vor, dass so 500 Leute ohne Zertifikat im Freien feiern dürften, allerdings mit Maskenpflicht und unter Einhaltung eines bewilligten Schutzkonzepts.

Sehnsucht nach Fasnacht ist gross

Dass die Lust auf Fasnacht im Rheintal merklich gross ist, zeigen die Zahlen: Bisher haben die Altstätter 60 Anmeldungen erhalten, was etwa 2000 Teilnehmenden entspricht. Diese will Zenhäusern auf keinen Fall im Stich lassen: «Es gibt definitiv wieder Fasnacht in Altstätten», sagt er.

Gleiches lässt sich für Lenggenwil sagen. Dort geniesst die Fasnacht ebenfalls eine grosse Tradition, seit 1979 gibt es den jährlichen Fasnachtsumzug. Ausgefallen ist er in diesem Jahr – und unter Umständen auch 2022. Patrick Kappeler, Mitglied des OK, sagt zu den aktuellen Plänen: «Die grösste Herausforderung ist für uns der Umzug. Ob wir diesen organisieren können, lässt sich noch nicht sagen.» Das hänge auch von den Behörden ab. «Wir wollen vielleicht, ob wir können, ist eine andere Frage», so Kappeler.

Angesichts der erneuten Ungewissheit bringt Marco Ackermann von der Melser Fasnacht die vermutliche Gemütslage vieler Fasnachtsfreunde auf den Punkt: «Ich bin eigentlich einfach nur froh, wenn überhaupt wieder etwas stattfindet.»

Wie die Fasnacht am Donnerstag im FM1-Land eingeläutet wurde, siehst du oben im Video.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. November 2021 18:28
aktualisiert: 12. November 2021 07:49