Ostschweiz
St. Gallen

FC St.Margrethen nach kollektivem Rücktritt: Das ist das neue Team für die Rückrunde

Tabellen-Schlusslicht

St.Margrethen mit komplett neuer Mannschaft: «Wollen keine Superstars»

· Online seit 01.02.2023, 07:51 Uhr
Vor Weihnachten ist die gesamte erste Mannschaft des FC St.Margrethen geschlossen zurückgetreten, nachdem Präsident Fredi Britt dem damaligen Trainer den Laufpass gab. Trotzdem hat die Rheintaler Vereinsführung nun eine (junge) Mannschaft für die Rückrunde auf die Beine gestellt.
Anzeige

«Wir trauen unserer Mannschaft viel zu», zeigt sich Vize-Präsidentin Majlinda Sulejmani gegenüber FM1Today zuversichtlich. Was nicht selbstverständlich ist: Die sportlichen Aussichten sind – gelinde gesagt – nicht rosig. Das St.Margrether Fanionteam steht vor dem Rückrundenstart auf dem abgeschlagenen letzten Platz. «Wir haben einige junge Talente in unserem Team, die vielleicht noch für eine Überraschung sorgen könnten», argumentiert Sulejmani weiter.

Im Dezember 2022 musste der damalige Trainer der Mannschaft über einen Kollegen erfahren, dass Präsident Fredi Britt scheinbar in Zukunft nicht mehr mit ihm planen soll. Die Mannschaft gab daraufhin den geschlossenen Rücktritt.

Zwölf Spieler aus St.Margrethen

Da stand der Rheintaler Fussballclub also nun ohne Spieler in der ersten Mannschaft da. Lösungen waren gefragt. Und die wurden jetzt scheinbar gefunden. Die Strategie der Clubführung ist klar: Eigengewächse sollen zu einer langfristigen und nachhaltigen Mannschaft heranwachsen. Söldner, also Spieler, welche in den Club transferiert werden, werden ausgemerzt. So befinden sich im 20-köpfigen Kader zwölf Spieler, die entweder bereits im Juniorenalter für den FC St.Margretehen gespielt haben oder in St.Margrethen wohnhaft sind.

Majlinda Sulejmani erklärt, wie die neue Mannschaft zustande kam: «Ein Teil der Spieler ist aktiv auf uns zugekommen. Einige davon waren sehr wahrscheinlich nicht mehr zufrieden mit dem alten Verein.» Sie ergänzt aber auch: «Natürlich haben wir einen Teil auch aktiv angefragt. Vor allem einige Schlüsselspieler, welche wir aus strategischen Gründen benötigten, haben wir selbstverständlich angefragt. Dies ist auch bei anderen Vereinen der Normalfall.»

«Egoismus hat bei uns nichts verloren»

Trotz aller Euphorie und der angeblich guten Stimmung im Team bleibt Sulejmani, auch angesichts der momentanen Tabellensituation, realistisch: «Ein Klassenerhalt wäre zwar schön, jedoch haben wir einen Abstieg trotzdem vor Augen. Wichtiger ist es uns, dass der FC St.Margrethen einen Imagewandel erlebt. Wir wollen das Wir-Gefühl im Verein und in der Mannschaft stärken. Das hat oberste Priorität! Ein Klassenerhalt oder ein Abstieg, das sind nur Nebeneffekte.»

Die Ideologie soll sich nun definitiv ändern, der FC St.Margrethen schreibt sich weiterführend auf die Fahne: «Wir wollen keine Superstars in der Mannschaft, sondern eine Super-Mannschaft. Eine Mannschaft, in der jeder Spieler für den Anderen kämpft und sich einsetzt. Egoismus hat bei uns nichts verloren», so die Vize-Präsidentin weiter.

Illegale Spieler, Hilfsgeld-Schlamassel und Rücktrittswelle

Der FC St.Margrethen stand in den letzten Jahren des Öfteren im Rampenlicht. Aber nicht etwa aufgrund herausragender sportlicher Leistungen, sondern eher durch Aktionen abseits des Fussballplatzes. 2016 etwa liessen die Rheintaler ausländische Spieler illegal für den Verein auflaufen, drei Funktionäre wurden dafür später verurteilt. Ähnlich skandalös ging es dann weiter: Im November des vergangenen Jahres musste der Verein dem Bund Corona-Hilfsgelder zurücküberwiesen, die er zu Beginn der Pandemie erhalten hatte. Nur einen Monat später beschloss dann die gesamte erste Mannschaft den kollektiven Rücktritt.

Mit der Bekanntgabe des neuen Kaders deutet jetzt also alles auf einen kompletten Neuanfang hin. Ob die Mannschaft in der Liga bestehen kann, ist fraglich. Am Samstag, 4. Februar, gibt es bereits den ersten Härtetest für die neue Truppe. Dann testet die Mannschaft ihr Können im Spiel gegen den SC Veltheim. Alles andere als ein Karnevalsverein: Die Winterthurer führen die Tabelle in ihrer 2.-Liga-Gruppe an.

veröffentlicht: 1. Februar 2023 07:51
aktualisiert: 1. Februar 2023 07:51
Quelle: FM1Today

Anzeige
Anzeige