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Wil

«FC Wil schwimmt nicht im Geld»: Neue LED-Anlage für das Bergholz

15. Januar 2022, 06:28 Uhr
Das Stadion Bergholz in Wil bekommt nach über zehn Jahren wohl bald eine neue Flutlichtanlage. Das Parlament hat über 700'000 Franken für LED-Lampen zugesprochen. So sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Zufrieden sind aber bei Weitem nicht alle.
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Quelle: tvo

Für Fernsehaufnahmen ist sie zu dunkel – für die Anwohner rundherum ist sie zu hell. Die Rede ist von der Beleuchtung des Fussballstadions Bergholz in Wil. Eine neue Anlage für 720'000 Franken soll es nun richten. Im Wiler Stadtparlament sagen dazu 33 Mitglieder Ja und drei Nein. Ob beide Probleme somit behoben werden können, ist allerdings mehr als fraglich.

Freude beim FC Wil

Beim FC Wil überwiegt grundsätzlich die Erleichterung, nachdem das Parlament den Kredit durchgewunken hat. «Wir haben uns sehr gefreut über dieses deutliche Ja», sagt Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil zu TVO. Man sei schliesslich schon über zehn Jahre an der Thematik dran. «Ich glaube, es ist für alle involvierten Personen eine erfreuliche Nachricht», so Fust. Auch für die vielen Vereine aus dem Breitensport, die unter der Woche täglich im Stadion trainieren, sei der Bescheid aus der Politik ein erfreulicher. Die Lichtemission kann durch ein neues LED-System gesenkt werden.

«Jeden Abend. Ununterbrochen. Vollgas.»

Weniger Licht ist allerdings immer noch zu viel. So der Tenor bei den Anwohnern, in der Politik vertreten durch FDP-Parlamentarier Urs Etter, der selber in der Nähe des Bergholzes wohnt. Wenn schon so viel Geld in die Hand genommen wird, dann wenigstens so, dass es allen hilft, sagt er: «Die Belästigungen betreffen auch noch Häuser in 400 Metern Entfernung. Diese werden mit einer neuen Anlage nun jedoch entlastet.» Die direkten Anrainer müssten sich allerdings nach wie vor mit einer Lichtbelastung arrangieren, die das Fünffache von dem strahlt, das bewilligt wurde. «Das ist einfach zu viel, wenn man eine solch teure Anlage baut.» Etter empfiehlt darum allen, abends dem Bergholz einen Besuch abzustatten, um sich selbst ein Bild zu machen. «Es ist unglaublich, welche Emissionen an die Häuser gestrahlt werden. Jeden Abend. Ununterbrochen. Vollgas.»

Auch bei den Grünen Prowil sei der Kredit kontrovers diskutiert worden, liess Stadtparlamentarier Michael Sarbach verlauten. Aber es seien unbestritten nötige Anpassungen. Schliesslich habe die Wiler Bevölkerung Ja zu einem Challenge-League-tauglichem Stadion gesagt.

Stadtpräsident steht hinter dem Unternehmen

Seit über 10 Jahren wird über eine Lösung, die für alle stimmt, diskutiert. Die 20 neuen LED-Lampen sorgen dafür, dass auch TV-Sender Spiele des FC Wil übertragen oder aufnehmen können. Dass auch die neue Anlage die Schwellenwerte für Lichtemissionen deutlich überschreiten, gibt Hans Mäder, Stadtpräsident von Wil, unumwunden zu: «Diesen Konflikt können wir nicht zur Gänze lösen. Wenn wir wollen, dass der FC Wil im Bergholz Fussball spielt, wird es eine gewisse Belastung geben.» Diese würde nicht unter den zulässigen Grenzwert fallen. Die Stadt wolle allerdings alles unternehmen, um die Lichtbelästigung so gering wie möglich zu halten.

Mieterhöhung für den FC Wil wird geprüft

Für den FC Wil könnte die neue Lichtanlage für finanzielle Konsequenzen sorgen: Im Stadtparlament sprach sich eine Mehrheit (29 zu 5 bei zwei Enthaltungen) dafür aus, zu prüfen, ob der FC Wil künftig aufgrund der neuen LED-Anlage mehr Stadionmiete bezahlen muss. «Wir verstehen das nicht ganz», sagt Geschäftsführer Benjamin Fust. Dem Club sei schliesslich ein Challenge-League-taugliches Stadion versprochen worden. «Darauf haben wir ein Anrecht. Wir brauchen das, wenn wir in der Challenge League spielen wollen.» Das sei aber bis anhin aufgrund der alten Beleuchtung nicht der Fall gewesen. Der Club brauche überdies das Stadion abends gar nicht. Dass jetzt laut über eine Mietzinserhöhung nachgedacht wird, sei für den FC Wil «sehr fraglich».

Neue Anlage wahrscheinlich ab Frühling in Betrieb

Auch Stadtpräsident Mäder gibt zu, dass beim Wiler Traditionsclub nicht viel zu holen sei: «Es ist nicht so, dass der FC Wil im Geld schwimmt. Von daher bin ich mir nicht sicher, ob wir viel damit erreichen.» Verhandlungen mit den Verantwortlichen des Fussballclubs würden aber so oder so geführt. Die Anwohnenden des Bergholzes erhalten nun noch einmal die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Geschieht das nicht, wird die Anlage voraussichtlich schon im Frühling das Stadion in neues Flutlicht tauchen.

(saz)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 14. Januar 2022 19:27
aktualisiert: 15. Januar 2022 06:28