Festspiele vom Klosterplatz verbannen

Angela Mueller, 6. Juni 2019, 19:40 Uhr
Der Aufbau für die Oper «Il trovatore» von Giuseppe Verdi startete vor kurzem.
Der Aufbau für die Oper «Il trovatore» von Giuseppe Verdi startete vor kurzem.
© Tagblatt/Adriana Ortiz Cardozo
Die St.Galler Festspiele auf dem Klosterplatz sind Tradition und ziehen jährlich zahlreiche Gäste an. Für den Wiler SVP-Politiker Erwin Böhi sind die Aufführungen vor dem St.Galler Wahrzeichen fehl am Platz.

Es ist nicht der erste Anlauf, den der Kantonsrat Erwin Böhi (SVP) startet: Bereits letzten August hatte er mit einer einfachen Anfrage für Wirbel gesorgt. Er will die Festspiele vom St.Galler Klosterplatz verbannen. Nun hat der eine Motion eingereicht, wie das «St.Galler Tagblatt» schreibt.

Damit fordert er jetzt eine Gesetzesänderung. Er will das kantonale Strassengesetz anpassen, welches den St.Galler Klosterplatz explizit aufführt. Auf der Wiese sollen nur noch kurzzeitige und «nicht-kommerzielle» Veranstaltungen stattfinden können.

«Besucher sind irritiert»

Am 28. Juni wird die Oper «Il Trovatore» von Giuseppe Verdi aufgeführt. Während rund drei Monaten im Jahr bleibt jeweils ein Teil des Klosterplatzes für den Aufbau und die Vorstellungen der Festspiele gesperrt. «Dieser Zeitraum fällt mit der touristischen Hauptsaison zusammen und in- und ausländische Besucherinnen und Besucher sind irritiert ob den sperrigen Stahlkonstruktionen, den Plastikwänden und den Holzkulissen, die den Klosterplatz verunstalten», wie Böhi in seiner Motion schreibt.

Sein Vorschlag: Die Festspiele könnten auch auf der Kreuzbleiche in St.Gallen stattfinden. Hier habe es genügend Platz für eine solche «Mammutveranstaltung».

«Veranstalter nehmen Rücksicht»

Anderer Ansicht ist die Regierung des Kantons St.Gallen: Die überregionale Bedeutung und Resonanz des Anlasses seien wichtige Standortfaktoren. Die Veranstalter nähmen Rücksicht bei der Werkwahl und bei der Durchführung auf den Klosterplatz. Deshalb gebe es keinen Grund, die Vereinbarkeit der Festspiele mit dem Weltkulturerbe-Status des Stiftsbezirks in Frage zu stellen, schrieb die Regierung auf Böhis Vorstoss im letzten Oktober. Die aktuelle Bewilligung der Festspiele ist noch bis 2021 gültig.

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 6. Juni 2019 19:40
aktualisiert: 6. Juni 2019 19:40