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Weltneuheit

Forscher testen Laserblitzableiter auf dem Säntis

21. Juli 2021, 20:06 Uhr
Mit einem Lichtstrahl wollen Forscher Blitze kontrolliert ableiten. Diese Technologie soll in Zukunft auf Flughäfen und Raketenrampen zum Einsatz kommen. Getestet wird sie aber auf dem Säntis.
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Quelle: tvo

Ein Blitz kann mit einer Spannung von bis zu 100 Millionen Volt auf der Erde einschlagen. Häuser, Bäume aber auch Menschen können dadurch geschädigt werden. In Zukunft soll ein Laser vor Blitzeinschlägen schützen.

Auf dem Säntis installieren Forscher der Genfer Universität zurzeit ein weltweit neues System, welches Blitze durch gebündelte Lichtstrahlen ableiten soll. Im Labor hat dies bereits funktioniert, in der Ostschweiz wird das System nun unter realen Bedingungen getestet.

«Es ist sehr aufregend»

«Ich bin sehr aufgeregt. Ich arbeite seit 20 Jahren auf diesem Gebiet. Es gab in dieser Zeit viele Labormessungen. Das System nun in der Realität zu testen, ist natürlich sehr aufregend», sagt Jean-Pierre Wolf, Physiker an der Universität Genf.

Der Laser schiesst mit bis zu 1000 Lichtimpulsen pro Sekunde in den Himmel. Entlang des Lichtstrahls wird die Luft ionisiert, also elektrisch leitend. Der Blitz soll dadurch dem Lichtstrahl entlang kontrolliert in den Sendemasten der Swisscom einschlagen. Pro Jahr gebe es bis zu 50 direkte Blitzeinschläge in solche Sendemasten, sagt Walter Haas, Regionenleiter Ost von Swisscom Broadcast. «Bis jetzt gab es damit noch nie Probleme.»

Während vier Jahren entwickelt

Der Laser wurde im Juni mit dem Helikopter auf den Säntisgipfel geflogen. Aufgebaut wurde er in einer Kuppel, aus welcher die Lichtstrahlen mit Spiegeln nach aussen geleitet werden. Für die vier Jahre dauernde Entwicklung des neuartigen Lasers ist die Firma Trumpf verantwortlich. «Es gab in dieser Zeit viele Baustellen zu bearbeiten. Jetzt zahlt sich alles aus und das ist ein tolles Gefühl», sagt Clemens Herkommer, Laserentwickler bei Trumpf.

Der grosse Vorteil des Laserblitzableiters: Im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen aus Metall kann er ein Gebiet im Umkreis von mehreren Kilometern vor Blitzeinschlägen schützen. Das System soll in Zukunft auf Flughäfen, bei Kernkraftwerken oder in der Raumfahrt zum Einsatz kommen.

Erster Einsatz kommendes Wochenende

Nun warten die Forscher auf dem Säntis auf schlechtes Wetter. Spätestens nächstes Wochenende, für welches Gewitter vorausgesagt sind, kommt der Laser zum Einsatz, in der Hoffnung, ein paar Blitze einzufangen.

Quelle: TVO
veröffentlicht: 21. Juli 2021 19:27
aktualisiert: 21. Juli 2021 20:06