St.Gallen

Fünf Spitäler sollen bis 2028 geschlossen werden

23. Oktober 2019, 09:25 Uhr
Auch das Spital Wattwil gehört zu den sieben derzeitigen Spitälern, aus denen ein Gesundheits- und Notfallzentrum werden soll.
Auch das Spital Wattwil gehört zu den sieben derzeitigen Spitälern, aus denen ein Gesundheits- und Notfallzentrum werden soll.
© St.Galler Tagblatt/Mareycke Frehner
Die St.Galler Regierung entscheidet sich für die «4plus5» Spitalstrategie. Somit liegt die Zukunft in den Spitälern Grabs, Uznach, Wil und St.Gallen. Ein Notfallzentrum bleibt aber in allen Regionen bestehen.

Die St.Galler Regierung hat eine Entscheidung getroffen, wie es mit den Spitälern im Kanton weitergehen soll. Um die medizinische Qualität und die wirtschaftliche Basis der St.Galler Spitalverbunde zu sichern, hat sich die Regierung für die «4plus5»-Strategie entschieden, schreibt die Regierung in einer Medienmitteilung. Zwei Dinge bleiben mit dieser Strategie unverändert:

  • Die Versorgung durch die Rettungsdienste, die Einsatzkräfte müssen weiterhin in 90 Prozent der Fälle innert 15 Minuten bei den Patienten eintreffen.
  • Die Zentrumsversorgung mit spezialisierten und hochspezialisierten Leistungen wird unverändert durch das Kantonsspital sichergestellt.

Kein Spital mehr in Altstätten, Wattwil, Flawil, Rorschach und Walenstadt

Die Regierung hält am Vorschlag fest, das stationäre Angebot an den vier Mehrpartenspitälern Grabs, Uznach, Wil und St.Gallen zu konzentrieren. Aus den derzeitigen Spitälern in Altstätten, Wattwil, Flawil, Rorschach und Walenstadt sollen zukünftig Gesundheits- und Notfallzentren entstehen. Diese sollen so innerhalb von 20 Minuten Fahrzeit für die Einwohner erreichbar sein. Das Angebot soll folgende Leistungen erfassen:

  • Notfallbetrieb an sieben Tagen während 24 Stunden
  • Stationäre Kurzaufenthalte dank kleinem Bettenangebot
  • Ambulante Grund- und Spezialversorgung

Diese regionalen Zentren sollen über ein kleines Bettenangebot verfügen, um stationäre Kurzaufenthalte zu ermöglichen. Die jährlichen Kosten hierfür belaufen sich auf rund 6,25 Millonen Franken, welche die Regierung mit höheren Beiträgen an die Spitalverbunde finanzieren will.

Abbau von 70 Stellen und 330 Betten

Die neue Strategie bedeutet einen Abbau von 60-70 Stellen bis zum Jahr 2028. Diese wollen die Spezialverbunde über natürliche Fluktuationen vollziehen. Auch die Bettenzahl wird gesamthaft um 330 Betten reduziert. In Grabs wird die Bettenstation um 64 und in Wil um 20 Betten vergrössert. Was genau mit der erst im letzten Jahr neu eröffneten Bettenstation in Wattwil geschieht, ist noch unklar.

Weiter hat die Regierung der Vorschlag der Gemeinde Wattwil besprochen. Die Gemeinde schlug vor, den Weiterbetrieb des Spitals durch eine Kooperation verschiedener Leistungserbringer aufrechtzuerhalten. Ein kleines stationäres Angebot im Bereich Akutgeriatrie und Sucht hätte weitergeführt werden sollen. Die Regierung sei jedoch nicht überzeugt von diesem Konstrukt, der Kanton wäre ohne angemessene Mitsprache einem erheblich finanziellen Risiko ausgesetzt.

Der Vorschlag der Gemeine Wattwil wird daher nicht mehr von der Regierung verfolgt, sie führe jedoch zusätzliche Gespräche mit privaten Anbietern um zu kläre, ob eine Zusammenarbeit im Bereich der Suchterkrankungen möglich sei. 

Auch der Vorschlag, das Spital Flawil zu privatisieren, lehnt die Regierung nach Prüfung ab. «Ein Verkauf des Spitals Flawil hätte neue Patientenströme ausgelöst mit negativen Konsequenzen für die anderen Spitalstandorte.»

 

Umsetzung bis 2028

Eine Weiterentwicklung der Spitalstrategie sei wichtig, schreibt die Regierung, da sich das Umfeld der Spitäler in der Schweiz in den letzten Jahren stark verändert hat. Dank des medizinischen Fortschritts steigen zwar die Heilungschancen der Patienten, er führt aber auch zu einer zunehmenden Spezialisierung. Seit Jahren fehlt den St.Galler Spitälern daher das Geld, um ihre Gebäude, Mobiliar und medizintechnischen Apparaturen zu erneuern. Das Eigenkapital sinkt und die Schulden steigen.

Um dem entgegen zu wirken, soll die neue Strategie schrittweise bis zum Jahr 2028 umgesetzt werden. Die Schliessung beginnt 2022 mit Rorschach und Flawil, 2024 soll Wattwil folgen, 2027 Altstätten und Walenstadt. Die Vorlage geht nun in die Vernehmlassung, entscheiden wird der Kantonsrat frühstens in der Aprilsession 2020. 

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 23. Oktober 2019 08:29
aktualisiert: 23. Oktober 2019 09:25