Ausbildung zur Missionarin

Für ein Leben mit Gott: 25-jährige St.Gallerin zieht ins Kloster

St.Galler Tagblatt/Samantha Wanjiru, 3. August 2022, 09:34 Uhr
Die ehemalige Medizinstudentin Bianca Forster aus Niederwil beschloss, ihr Leben ganz der christlichen Religion zu widmen und zieht deshalb nächsten Monat in ein Kloster in Madrid. Eine Entscheidung, die viele Opfer mit sich bringt.
Die 25-jährige Bianca Forster tritt im August einem Kloster in Madrid bei.
© St.Galler Tagblatt/Tobias Garcia

Gott ist in unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in den Hintergrund gerückt. Sassen die Grosseltern noch jeden Sonntag in der Kirche, nutzen heutzutage die meisten Menschen ihren freien Tag, um sich zu Hause von der stressigen Arbeitswoche zu erholen. Für Bianca Forster, die in einer gläubigen Familie aufgewachsen ist, gehörte der Gang zu Kirche dagegen immer zum Alltag, schreibt das «St.Galler Tagblatt».

Die 25-jährige Niederwilerin geht nun einen Schritt weiter auf ihrem Glaubensweg und wird im August den internationalen Mutter-Teresa-Schwestern beitreten. Dafür muss sie aber erst ins Kloster nach Madrid, um sich zur Missionarin ausbilden zu lassen. Eine Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändert.

Als Teenie ab und an Zweifel an Überzeugung gehabt

Bianca Forsters Lebenslauf war bisher ziemlich «normal». Sie machte eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit, holte die Matura nach, reiste ins Ausland und fing ein Medizinstudium an der Universität Bern an. Ihr Glauben an Gott begleitete sie, von Kindesbeinen an. «Ich bin zu Hause mit dem katholischen Glauben aufgewachsen», sagt Forster.

Ihre ersten Berührungspunkte mit der Kirche erhielt sie durch ihre Mutter. «Sie hat sich immer freiwillig in der Kirche engagiert. Als Kind war ich auch in einer Bibelgruppe und lernte dort Gott für mich kennen», sagt Forster. Dabei hätten ihre Eltern sie aber nie gedrängt, den Glauben zu praktizieren. Als Teenie habe sie so auch ab und an Zweifel an ihrer Überzeugung gehabt. Aber für Forster stand relativ schnell fest: Sie möchte den Weg mit Gott weitergehen.

Im Urlaub die soziale Arbeit der Schwestern entdeckt

Auf ihrem Bildungsweg zur Medizinerin unternahm Bianca Forster Reisen ins Ausland. So war sie in Südafrika und Indien. Dort konnte sie auch das erste Mal die sozialen Projekte der Mutter-Teresa-Schwestern beobachten. Die Kongregation wurde 1950 von der weltbekannten Missionarin Agnes Gonxha Bojaxhiu (Mutter Teresa) gegründet und ist seit 1965 als päpstliches Institut anerkannt.

Spontan entschied sich Forster dazu, die Urlaube zu nutzen, um sich freiwillig in der Organisation zu beteiligen. So half sie bei verschiedenen Projekten mit. Sie sagt: «Ich war davon begeistert, mit welcher Hingabe die Schwestern bei ihrer Arbeit vorgingen.»

Für ihren Traum, Missionarin zu werden, ging Forster sogar so weit, dass sie ihr Medizinstudium abbrach. «Ich wollte schon immer anderen Menschen helfen. Deshalb habe ich auch angefangen, Medizin zu studieren», sagt Forster. Doch als sie merkte, wie erfüllend die Arbeit bei den Schwestern ist, setzte sie alles auf eine Karte und entschloss sich der Gemeinschaft beizutreten.

Beten statt Unipartys

Statt nächtelangen Unipartys erwartet sie im August nun ein frommes Leben in Madrid. Dort befindet sich die zentrale Ausbildungsstätte der europäischen Missionarinnen. Stundenlanges Beten über den Tag hinweg und viel soziales Engagement stehen dabei im Fokus der Ausbildung. «Durch die Arbeit als Schwester kann ich den Ärmsten der Ärmsten das Leben etwas einfacher machen», sagt Forster.

Mit dem Eintritt ins Kloster verzichtet Forster auf ein für ihr Alter typisches Leben. So bleiben die Schwestern unverheiratet, können nicht mehr nach Hause reisen, um Bekannte zu besuchen, und sind fest an den vorgegebenen Alltag im Kloster gebunden. Ein Opfer, das Forster gerne erbringt. «Ich habe in meinem Leben schon viel erlebt. Doch Gott gibt mir mehr, als was die Welt mir bieten kann. Deswegen hab ich nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasse», sagt Forster. Ausserdem habe das Leben im Kloster auch viele Vorteile. So lerne sie neue Sprachen und könne viele Missionsreisen auf der ganzen Welt unternehmen.

St.Galler Tagblatt/Samantha Wanjiru
Quelle: St.Galler Tagblatt
veröffentlicht: 3. August 2022 09:34
aktualisiert: 3. August 2022 09:34
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