St.Gallen

Gemeinden bezeichnen neue Spitalstrategie als «untauglich»

28. November 2019, 15:14 Uhr
Das Kantonsspital St.Gallen soll als Zentrum fungieren. (Archivbild)
© Keystone/Gian Ehrenzeller
Die Spitalkonferenz der St.Galler Gemeinden hat den Vernehmlassungsvorschlag der Regierung zur Zukunft der Spitäler analysiert und diskutiert. Und ist zum Schluss gekommen: Die geplanten Gesundheits- und Notfallzentren sind «untauglich».

Im Zuge der neuen Spitalstrategie soll der Kanton St.Gallen künftig nur noch vier vollwertige Spitäler an den Standorten St.Gallen, Wil, Uznach und Grabs betreiben. Die heutigen Spitäler in Wattwil, Flawil, Altstätten, Rorschach und Walenstadt werden in Gesundheits- und Notfallzentren umgewandelt. Sprich: Es sind nur noch wenige Betten vorhanden – Operationen oder Geburten werden keine mehr durchgeführt. Gesamthaft werden über 330 Betten abgebaut (FM1Today berichtete). 

Die Spitalkonferenz der St.Galler Gemeinden (in diesem Gremium wirken insbesondere die Gemeindevorsteher von Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach mit) hat den Vernehmlassungsvorschlag der Regierung zur Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde nun analysiert und diskutiert. 

Adäquate Versorgung auch ausserhalb St.Gallen

Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, erkennt die Spitalkonferenz an, dass eine Weiterentwicklung der Strategie der Spitalverbunde «insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen nötig ist». So sei die Spitalkonferenz bereit, einen Beitrag zugunsten der wirtschaftlichen Stabilisierung des Kantonsspitals St.Gallen zu leisten. Dieses soll die Zentrumsversorgung übernehmen, während alle anderen Standorte «eine adäquate Gesundheitsversorgung gewährleisten». 

«Keine qualitativ hochstehende Medizin»

Die von der Regierung vorgestellte Strategie «4plus5» bezeichnet die Spitalkonferenz als «untauglich». Nicht nachvollziehbar sei etwa, dass für den Spitalstandort Wil nochmals 170 Millionen Franken investiert werden müssten.

Die regionalen Gesundheits- und Notfallzentren seien «weder zielführend noch überlebensfähig». Durch die kleinen personellen Ressourcen, die vorgesehen sind, könne «keine qualitativ hochstehende Medizin» angeboten werden. «Solche Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) können weder die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllen noch wirtschaftlich betrieben werden. Über kurz oder lang werden solche GNZ mangels Qualität, gutem Personal und wirtschaftlicher Überlegungen schliessen müssen», so die Spitalkonferenz. 

Versorgung rund um die Uhr

Die Spitalstandorte Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach fordern anstelle der Gesundheits- und Notfallzentren pro Standort ein medizinisches Basisangebot (ambulant und stationär) der allgemeinen und inneren Medizin. Dieses soll regionalspezifisch durch verschiedene Zusatzangebote, etwa Palliativmedizin, ergänzt werden. Die «MedPlus-Spitäler» sollen in Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten der Region 24 Stunden pro Tag und an 365 Tagen im Jahr betrieben werden.

Allenfalls könne in Wil ein Pilotversuch für ein GNZ gestartet werden, um mehr Wissen und Erfahrungen über die Nutzung, die Kosten, das Personal und die Patientenströme zu erhalten.

(red.)

Quelle: pd
veröffentlicht: 28. November 2019 15:00
aktualisiert: 28. November 2019 15:14