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Spitex

Geschäftsführer verlässt Spitex St.Gallen AG per sofort

3. Juni 2021, 19:32 Uhr
Michael Zellweger, ehemaliger Geschäftsführer der Spitex.
© Tagblatt
Michael Zellweger verlässt die Spitex St.Gallen AG – und zwar noch heute. Eine Nachfolge wird umgehend gesucht. Vorübergehend wird Anna Ravizza die Geschäftsführung der Organisation übernehmen.

Michael Zellweger, Geschäftsführer der Spitex St.Gallen AG, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch per sofort, schreibt das «St.Galler Tagblatt». Die Suche nach einer Nachfolge wird umgehend in die Wege geleitet. Ad interim übernimmt Verwaltungsrätin Anna Ravizza die Geschäftsführung der Organisation, heisst es in der Medienmitteilung der Spitex.

Michael Zellweger übernahm die Führung der neu gegründeten Spitex St.Gallen AG im Dezember 2020 und trieb die organisatorische und technische Entwicklung zügig voran. Zudem hat er die Versorgung mit Pflege- und Betreuungsleistungen gemeinsam mit den Mitarbeitenden jederzeit gewährleistet.

Doch bei der Spitex St.Gallen AG lief es seit Beginn unruhig. Allein bis Ende April hatten 36 Mitarbeitende die Kündigung eingereicht, vier davon allerdings noch im Dezember, also vor dem eigentlichen Start der Einheitsspitex. Sie kritisierten mangelnde Wertschätzung, fehlende Kommunikation, konnten mit ihrem Pflegeverständnis nicht hinter der neuen Pflegephilosophie stehen.

Die Spitex St.Gallen AG nahm am 1. Januar 2021 den Betrieb auf. Sie vereint die vier ehemaligen Stadtsanktgaller Spitexvereine. Hauptaktionärin ist die Stadt St.Gallen mit 80 Prozent. Eine gemeinsame Softwarelösung solle Arbeitsabläufe effizienter gestalten, die Aus- und Weiterbildung solle mit der Einheitsspitex gestärkt sowie Prozesse optimiert und professionalisiert werden, hiess es im Vorfeld. Dann reichten im Februar 15 Mitarbeitende die Kündigung ein, 14 davon vom ehemaligen Spitexverein St.Gallen Ost. Sie wandten sich an den Berufsverband, an die Gewerkschaft, an die Stadt.

Doch es schien keine Ruhe hineinzukommen in die neue Einheitsspitex. Im März zehn weitere Kündigungen, im April folgten nochmals sieben. «Wir bedauern, dass dieser Veränderungsprozess zu vermehrten Kündigungen von Mitarbeitenden der ehemaligen Spitex St.Gallen-Ost geführt hat», so Zellweger gegenüber dieser Zeitung. Die Fluktuationsrate bewege sich entsprechend den organisatorischen Veränderungen und den Erfahrungen im Pflegeumfeld im zu erwartenden Bereich.

Mitarbeitende beklagten, es würde ihnen ein Maulkorb verhängt, sie dürften sich nicht mehr öffentlich äussern. Und sie befürchteten, dass durch die vielen Abgänge die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne. Geschäftsführer Michael Zellweger und Stadträtin Sonja Lüthi versicherten hingegen, die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.

Dass jetzt Michael Zellweger die Spitex Knall auf Fall verlässt, damit hat niemand gerechnet. «Ich bin total perplex», sagt Alexandra Akeret, Stadtparlamentarierin und Gewerkschaftssekretärin des Verbands des Personal öffentlicher Dienste Ostschweiz. Ihr Eindruck: «Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.» Zellweger handle nicht verantwortungsvoll.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. Juni 2021 16:59
aktualisiert: 3. Juni 2021 19:32