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FC Rorschach-Goldach

Grösstes Spiel seit 30 Jahren: «Ein Tor gegen Basel zu schiessen, wäre grossartig»

Christoph Thurnherr, 17. September 2021, 17:03 Uhr
In den 90er-Jahren kamen die Grasshoppers und der FC St.Gallen auf den «Pesta», eine Generation später tritt der FC Basel auf der Kellen an. Für die Region ist es das bedeutsamste Fussballspiel seit Jahrzehnten, für die Beteiligten vom FC Rorschach-Goldach ein unvergessliches Ereignis.
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Quelle: FM1Today

Am grossen Festzelt laufen die letzten Befestigungen, darin stehen wild durcheinandergewürfelt Bänke, Tische und haufenweise Bierfässer. Es ist ein Gewusel auf der Kellen, wo normalerweise Mannschaften wie der FC Red Star Zürich, der FC Weesen oder auch der FC Seuzach zu Gast sind. 2. Liga interregional, gutes Niveau.

Doch der Cup-Gegner am Sonntag sprengt diesen Rahmen mit Leichtigkeit. Der FC Basel 1893, immerhin der zweiterfolgreichste Verein der Schweizer Fussballgeschichte. Ein Traumlos für den jungen Verein vom Bodensee – und ein bedeutsames Ereignis für die ganze Region.

Sicherheitsvorkehrungen beim Gästeblock. Rund 500 Basler werden erwartet.

© FM1Today

«Langsam kommt die Nervosität»

Einen vergleichbaren «Ernstkampf» gab es für den damaligen FC Rorschach zuletzt im Jahr 1992, damals ging es gegen Rekordmeister GC. Auch 1990 hatte Rorschach Losglück und durfte gegen den FC St.Gallen auftreten. Beide Spiele fanden auf dem altehrwürdigen «Pesta» statt, dem Rorschacher Fussballplatz Pestalozzi. Fassungsvermögen: rund 3000 Personen.

Auch deshalb stösst der FC Rorschach-Goldach und mit ihm die ganze Fussballregion nun in neue Sphären vor: Auf der Kellen könnten schätzungsweise 5000 Personen zuschauen, mindestens 4000 werden erwartet. Eine grosse Sache – am meisten natürlich für die Spieler.

«Langsam kommt die Nervosität», sagt der defensive Mittelfeldspieler Mark Schumacher. «Nach der Auslosung war es noch ein wenig surreal, aber jetzt ist hier alles aufgestellt und man merkt: Das passiert wirklich.»

«Davon lebt der Cup»

Für den Vereins- und OK-Präsidenten Markus Hundsbichler bedeutet das Cupspiel bis anhin vor allem Stress. «Geniessen und zufrieden sein kann ich, wenn der Tag vorbei ist und alles geklappt hat», sagt er. Flaschenhälse und Wartezeiten werde es sicher geben, das sei aufgrund der Corona-Pandemie nicht zu verhindern.

Trotzdem überwiegt auch beim Präsidenten die Freude. Das Cupspiel ist für den jungen Verein das sportliche Highlight schlechthin – dabei ist das letzte, der lange angepeilte Aufstieg der ersten Mannschaft, noch gar nicht lange her. Läuft beim FC Rorschach-Goldach.

Dieser Tage ein vielbeschäftiger Mann: Vereinspräsident Markus Hundsbichler. 

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«Dieses Spiel ist für uns als Verein eine grosse Chance, uns zu zeigen. Es war deshalb von Anfang an klar, dass wir dieses Spiel selbst ausrichten und nicht auslagern wollen. Auch wenn es einen riesigen Aufwand bedeutet: Der Cup lebt in den ersten Runden von Klein gegen Gross. Wenn das nicht mehr gegeben ist, können wir auch aufhören mit dem Cup», sagt Hundsbichler.

Hinzu komme die gesellschaftliche Verantwortung eines Vereins mit dieser Grösse. Wenn es die Möglichkeit gebe, etwas hier zu machen, dann soll die Region auch davon profitieren.

Ein bedingungsloses Fussballfest, Resultat egal? 

Aus sportlicher Sicht wird der Sonntag höchstwahrscheinlich eine eintönige Sache. Basel wird spielen, Rorschach-Goldach tief verteidigen. Wie geht man als Fussballspieler in eine Partie, die man fast nicht gewinnen kann? «Man weiss ja nie. Wir versuchen auf jeden Fall, so lange wie möglich, die Null zu halten. Und vielleicht bekommen wir ja eine Chance», sagt Flügelspieler Julian Haag.

«Ein Tor zu schiessen, wäre grossartig», ergänzt Kollege Schumacher. Obwohl das Resultat am Sonntag nicht im Vordergrund steht und man als klarer Aussenseiter in die Partie startet, ist für beide klar: «Wenn wir schon auf dem Platz stehen, können wir ja auch alles geben.»

Mark Schumacher und Julian Haag vor dem Cupspiel gegen Basel.

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Weniger wäre für dieses Spiel auch nicht angebracht. Es ist ein Spiel, das es in der Region Rorschach seit einer Generation nicht mehr gegeben hat. Ein Spiel, das in vielen Kneipen wochenlang Gesprächsthema Nummer eins war. Ein Spiel, von dem die Beteiligten ihren Kindern erzählen werden.

Und alles geben dürften die Zuschauerinnen, Zuschauer und Beteiligten auch nach dem Spiel. Ungeachtet des Resultats. «Am Montag habe ich vorsichtshalber keine Termine abgemacht», sagt Haag. Falls der Aussenseiter doch gewinnen sollte, wird's wohl eher Dienstag.

So freute sich der FC Rorschach-Goldach über das Hammerlos:

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Quelle: tvo

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. September 2021 18:52
aktualisiert: 17. September 2021 17:03