Ebnat-Kappel

«Haben angenommen, dass er positiv ist»

18. Juli 2022, 14:48 Uhr
Vor Wochenfrist kreuzte Ueli Maurer überraschend im Shop der Kauf AG in Ebnat-Kappel auf, um Hemden zu kaufen. Pikant: Der Bundesrat hatte zu jenem Zeitpunkt Corona. So reagiert der Firmeninhaber.
Im Shop des Unternehmens von Michael Kauf (rechts): Bundesrat Ueli Maurer grinst trotz positiven Coronatests breit in die Kamera.
© PD/St.Galler Tagblatt

Die Überraschung war gross, als am Montagnachmittag vergangener Woche plötzlich Bundesrat Ueli Maurer im Laden der Kauf AG stand, welche Hemden und andere Kleider verkauft. Denn angemeldet war Maurer nicht. Die Überraschung war gar doppelt gross. Denn einerseits empfängt man als Unternehmer selten einen Vertreter der Landesregierung. Andererseits wurde just an jenem Montag publik, dass Maurer positiv auf das Coronavirus getestet worden ist und er deshalb auf das G20-Finanzministertreffen in Bali verzichten musste, berichtet das «St.Galler Tagblatt».

Trotz der Corona-Infizierung nutzte Maurer die freie Zeit, um seinen SVP-Parteikollegen Toni Brunner im Toggenburg zu besuchen – und auf dem Weg dorthin in Ebnat-Kappel Hemden zu kaufen. Wusste Firmeninhaber Michael Kauf Bescheid? «Wir haben von seinem Verhalten her angenommen, dass er coronapositiv ist. Er hat die Hände desinfiziert, trug eine Maske und hielt Abstand. Explizit darauf angesprochen haben wir ihn nicht.»

Ein Treffen ganz im Zeichen von Corona

Mehr als eine halbe Stunde dauerte der Aufenthalt im Hemdenshop im Toggenburg. Wobei Michael Kauf die Gunst der Stunde nutzte, um dem Bundesrat seine Unzufriedenheit in Sachen Rückzahlung von Covid-19-Krediten mitzuteilen. Es wurde Kaffee offeriert und getrunken – ohne Maske. Auch Fotos wurden gemacht – ohne Maske. Michael Kauf sagt rückblickend trotzdem: «Das Treffen ist coronakonform abgelaufen.»

Das ist effektiv so. Denn alle Coronamassnahmen sind per 1. April aufgehoben worden. Man muss seither selbst dann nicht mehr in Isolation, wenn man einen positiven Coronabefund erhalten hat. Eine Maskentragepflicht gibt es auch nicht mehr. Maurers Hemdenkaufaktion in Ebnat-Kappel war also nicht verboten. Ob er in Zeiten steigender Coronazahlen damit ein gutes Vorbild war, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Schon mehrere Bundesräte empfangen

Für den Toggenburger Unternehmer Michael Kauf war es nicht das erste Mal, dass er einen Bundesrat empfangen hat. Auch mit Adolf Ogi, Kurt Furgler oder Willi Ritschard war er einst in persönlichem Kontakt. Wobei es nicht bei allen um Hemden ging.

Denn die Kauf AG war früher Besitzerin des Skilifts Girlen in Ebnat-Kappel. In den Jahren 1977 und 1981 fanden am Girlen-Hang jeweils Weltcup-Riesenslaloms statt. Unter den über 30'000 Zuschauern war auch mancher Prominente.

Quelle: St.Galler Tagblatt/Simon Dudle
veröffentlicht: 18. Juli 2022 14:48
aktualisiert: 18. Juli 2022 14:48
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