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St.Gallen

Hacker-Paradies QR-Bussen? So sicher ist das neue System

5. März 2020, 11:14 Uhr
Wer zu schnell fährt oder sein Auto falsch parkiert, bekommt seit kurzer Zeit im Kanton St.Gallen eine Busse mit QR-Code. Eine Expertin warnt, dass die Codes gefälscht werden können – auch der Polizei ist das Problem bekannt.
Ein Polizist verteilt eine digitale Busse.
© Kapo SG

QR-Code scannen und das Bussgeld per Kreditkarte oder Twint bezahlen – das ist seit Februar in (fast) allen Regionen des Kantons St.Gallen möglich. Was für Schnellfahrer, Parksünder und Co. eine praktische Neuerung darstellt, wird jedoch kritisiert: So finden St.Galler Kantonsparlamentarier, die Einführung der QR-Ordnungsbussen sei «wenig bürgerfreundlich» gewesen. «Nach einem kurzen Testlauf in zwei Regionen des Kantons wurde das System kurzerhand ohne grosse Ankündigung durch die Kantonspolizei flächendeckend eingeführt», heisst es in der Interpellation von Andreas Widmer (CVP) und 14 weiteren Unterzeichnenden. 

Das neue System, das ohne Einzahlungsschein auskommt, ist wohl auch nicht vor Hackern sicher, wie eine Expertin für Cybersicherheit an der ETH sagt: «(Cyber-)kriminelle sind natürlich sehr innovativ und es ist sicherlich nicht völlig aus der Luft gegriffen, dass die Fälschung von QR-Codes ein neuer Scam werden könnte», so Myriam Dunn Cavelty gegenüber «Watson.ch». Jedermann könne in wenigen Klicks einen QR-Code generieren und diesen wie eine Busse aussehen lassen.

«Bei Einzahlungsscheinen ging Fälschen noch leichter»

Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, bestätigt gegenüber FM1Today: «Der QR-Code lässt sich einfach nachmachen.» Jedoch besitze jeder Bussenzettel einen Hologrammstreifen, der die Echtheit der Busse beweise. Die Polizei sei sich bewusst, dass die Bussen leicht gefälscht werden können. «Das konnte man schon früher, als es noch einen Einzahlungsschein gab. Es war sogar fast einfacher als jetzt», sagt Schneider. 

Die Polizei glaubt aber nicht, dass es viele Fälschungen geben wird. Da eine normale Parkbusse in der Regel 40 Franken koste, brauche es viele Erfolge, bis sich der Aufwand lohne. «Es bräuchte eine grosse kriminelle Energie.»

Es gibt Hinweise

Beim Einsehen der Busse muss der Gebüsste zur Identifikation die Nummer des Kontrollschildes eingeben. Florian Schneider rät allgemein, sich die Bussen genau anzusehen, es gebe oftmals Warnzeichen. In diesem Fall: Grünes Hologramm (grüner glänzender Streifen) und Online-Identifikation beachten.

(gbo/lag)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 5. März 2020 05:38
aktualisiert: 5. März 2020 11:14