Hunde suchen in Ikea nach Sprengstoff

Lara Abderhalden, 3. Juli 2018, 09:08 Uhr
Dieses Bild sieht man nicht alle Tage: Spürhunde aus der ganzen Schweiz streiften am Montagnachmittag durch die Gestelle der Ikea in St.Gallen und suchten nach Sprengstoff. Es handelte sich um eine Übung des Grenzwachtkorps.

«Die Ikea eignet sich unglaublich gut für diese Art von Übung», sagt Marc Michel der stellvertretender Leiter des Diensthundewesens im Grenzwachtkorps. Er übt gemeinsam mit Grenzwachtkollegen aus der ganzen Schweiz und deren Hunde den Ernstfall. Dies in einer Weiterbildung in der Ikea in St.Gallen die von Montag bis Mittwoch stattfindet. Am Montag waren die Sprengstoff-Spürhunde im Einsatz.

Hinter Sofa versteckt

Hauptsächlich Schäferhunde «nuschelten» zwischen den Ikea Klappstühlen und Kleiderschränken und suchten explosive Materialien. Natürlich konnte der Sprengstoff nicht wirklich in die Luft fliegen, aber es wurde tatsächlich Sprengstoff versteckt. Angelockt wurden die Hunde mit ihrem Lieblingsspielzeug dem sogenannten Muff: «Wir wollen den Hunden in dieser Weiterbildung ein Erfolgserlebnis geben, deshalb wird der Sprengstoff auch in jedem Fall gefunden.» Versteckt war er hinter Kartonschachteln, in Gestellen oder einem zusammengeklappten Sofa.

Dass diese Weiterbildung ausgerechnet in einer Ikea-Filiale durchgeführt wird, ist zwar einmalig, aber nicht unbedingt aussergewöhnlich: «Grosse Gebäude mit vielen unterschiedlichen Gerüchen und vielen Menschen eignen sich besonders gut», sagt Marc Michel. Manchmal würden die Weiterbildungen auch in Hotels, die ausserhalb der Saison geschlossen sind, in Fussball- oder Hockeystadien und an Bahnhöfen durchgeführt: «Wir nehmen was wir kriegen.»

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Mit Schuhen versehen

Die Idee der Ikea kam von einem St.Galler Hundeführer und wurde von der Ikea abgesegnet. Dafür musste ein Teil im grossen Lager der Ikea gesperrt werden. Während die Journalisten im gelben Mänteli den Hunden und ihren Führer folgten, waren die Tiere die Ruhe selbst. Sie liessen sich nicht ablenken und suchten mit Sprüngen durch die verschiedenen Regale den versteckten Sprengstoff.

Um die Kartonschachteln und die Möbel nicht zu zerkratzen, trugen die Hunde spezielle Schuhe. Diese sollen sie auch vor möglichen Scherben oder sonstigen spitzen Gegenständen schützen. Während am Montag nach Sprengstoff gesucht wurde, müssen die Hunde in den kommenden Tagen Betäubungsmittel und Schmuggelware aufspüren. Dies wiederum in den Hallen der Ikea. «In diesem Teil kommen andere Hunde zum Einsatz.»

Viel Wäsche

Die Weiterbildung in St.Gallen ist nur ein Teil einer lebenslangen Schulung des Hundes. Die Suche nach unterschiedlichen Sprengstoffarten werden von den Hundeführern und ihren Hunden auch zuhause geübt. «Unser bester Hund ist zwölf Jahre alt. Für ihn ist diese Übung Pipifax.»

Alles andere als Pipifax ist übrigens die Wäsche, welche sich aus den vielen Muffs (Frottetücher) ergibt: «Wir haben extra eine Waschmaschine, die keinerlei Gerüche erzeugt. Dort werden zehntausende von Muffs gewaschen. Pro Tag braucht ein Hund ungefähr sechs bis sieben verschiedene.» Hundeführer zu sein, bedeutet also nicht nur sich mit Hunden auszukennen, sondern auch dessen Putzfrau zu sein.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 3. Juli 2018 09:08
aktualisiert: 3. Juli 2018 09:08