Montlingen

«Ich verstehe nicht, warum man daraus eine so grosse Chilbi macht»

Fabienne Engbers, 30. April 2020, 18:40 Uhr
Ein Bauer aus Montlingen schnitt zwei kranken Lämmlein den Schwanz ab und band ihnen die Hoden ab. Der Fall liegt beim Veterinäramt, der Bauer selbst kann nicht verstehen, warum man daraus ein so grosses Büro macht und sagt, sein finanzieller Schaden sei gering.

«Gehen Sie im Sommer auf eine Alp oder schauen Sie, was ein Wolf macht!» Der Landwirt aus Montlingen ist sauer. Er kann nicht verstehen, warum um seine zwei toten Lämmer «eine solche Chilbi» veranstaltet wird.

«Habe alles vorschriftsgemäss betäubt»

Eine Nachbarin des Landwirtes, der anonym bleiben möchte, hat die beiden toten Lämmer auf der Weide gesehen und beim Tierschutz und beim Veterinäramt Alarm geschlagen. «Der Anblick war so brutal, dass ich sofort weinen musste», sagte die Studentin am Mittwoch zu FM1Today.

Die beiden Lämmer litten an Starrkrampf. «Statt sie zu erlösen, kupierte er die schon grösseren Tiere. Auch hatte er sie ‹gegümmelt›.» Beim Kupieren wird der Schwanz abgeschnitten, beim «Gümmeln» die Hoden abgebunden, um die Tiere zu kastrieren.

Der Tierschutz versuchte, den Bauern zur Vernunft zu bringen, damit er die Tiere erlöse, schaltete aber wegen «fehlender Einsicht» den Tierschutzbeauftragten der Gemeinde und das kantonale Veterinäramt ein. «Wir sind die erste Instanz für die Leute, dürfen aber selber nicht handeln», so die Erklärung des Tierschutzvereins Rheintal auf Anfrage von FM1Today.

Der Bauer sieht keine Schuld. «Ich habe die Lämmer vor der Behandlung ordnungsgemäss betäubt», sagt er zu FM1Today. Ausserdem habe er die nötigen Kurse und Ausbildungen absolviert. Die Tiere seien etwa zwei bis drei Wochen alt gewesen.

«Der Schaden beträgt gerade mal 50 Franken»

Dass man wegen zwei toter Lämmer nun so ein Tohu-Wabohu veranstalte, könne der Bauer nicht verstehen. «Mein finanzieller Schaden beträgt rund 50 Franken, die kleinen Lämmer wogen je nur knapp zehn Kilo», sagt der Bauer. Zum Vergleich: Ein Lamm wiegt, bevor es geschlachtet wird, etwa 45 Kilo und bringt einem Bauer damit rund 200 Franken.

«Die Lämmer waren krank. Wenn sie an Starrkrampf leiden, beginnen sie, wie in Zeitlupe herumzulaufen und werden ganz steif», sagt der Bauer. Warum er sie nicht eingeschläfert, sondern coupiert hat, lässt er offen.

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Quelle: TVO

Veterinäramt untersucht den Fall

Nach der Einschaltung des Tierschutzes wurden die Lämmlein von einem Tierarzt eingeschläfert. Der behandelnde Tierarzt will sich dazu nicht äussern.

Die beiden tote Schäfchen sind jetzt beim St.Galler Veterinäramt. Es werde nun untersucht, ob es sich um Tierquälerei handeln könnte, wie das Veterinäramt am Mittwoch zu FM1Today sagte.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. April 2020 18:41
aktualisiert: 30. April 2020 18:41
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