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St.Gallen

Im Jahr 2040 wird jede vierte Person in Rente sein

Enrico Kampmann / St.Galler Tagblatt, 4. Januar 2022, 09:05 Uhr
Bis zum Jahr 2040 wächst die St.Galler Bevölkerung gemäss den aktualisierten Bevölkerungsszenarien der kantonalen Fachstelle für Statistik um rund 88’500 auf über 600’000 Menschen an. Gleichzeitig steigt der Anteil der über 64-Jährigen von heute knapp 19 Prozent auf 24 Prozent.
Am tiefsten fällt der erwartete Anstieg mit elf Prozent im Toggenburg aus.
© gettyimages

Im Jahr 2040 wird jede vierte Person im Kanton St.Gallen im Rentenalter sein. Oder zumindest über 64 Jahre alt. Das besagen die kürzlich aktualisierten Szenarien der Fachstelle für Statistik zur künftigen Entwicklung der St.Galler Bevölkerung, wie das «St.Galler Tagblatt» berichtet.

Die Szenarien bauen auf den Zahlen von 2020 auf und wie bisher wurden jeweils drei Varianten berechnet: ein Trendszenario – welches am wahrscheinlichsten ist – sowie ein hohes und ein tiefes Szenario.

Wachsende Bevölkerung

Alle drei Szenarien kommen zum Ergebnis, dass sich das Bevölkerungswachstum der letzten Jahre vermutlich auch künftig fortsetzen wird, allerdings in unterschiedlich starkem Ausmass. Ausgehend von der ständigen Wohnbevölkerung von 514’500 im Jahr 2020 beträgt der Anstieg bis ins Jahr 2040 im tiefen Szenario 58’500 Personen, im Trendszenario 88’500 Personen und im hohen Szenario 119’000 Personen.

Gemäss dem Trendszenario wird dem Wahlkreis St.Gallen dabei mit einem Plus von 19’000 Personen (15 Prozent) über die nächsten 20 Jahre der stärkste Bevölkerungsanstieg vorhergesagt. Prozentual betrachtet hingegen werden den Wahlkreisen See-Gaster und Rheintal mit mehr als 20 Prozent die höchsten Bevölkerungszuwächse prognostiziert. Am tiefsten fällt der erwartete Anstieg mit elf Prozent im Toggenburg aus.

Welches der drei Szenarien der Realität am nächsten kommen wird und wie die Entwicklung in den darauffolgenden Jahren verläuft, ist laut Lutz Benson, wissenschaftlicher Mitarbeiter der kantonalen Fachstelle für Statistik, in erster Linie von der Zuwanderung abhängig. «Geburtenzahlen und Todesfälle erklären nur etwa 10 bis 20 Prozent der Abweichungen in den unterschiedlichen Szenarien. Der Rest hängt von der Zuwanderung ab.»

Entscheidend sei insbesondere die internationale Zuwanderung, welche nach wie vor hauptsächlich aus EU- und EFTA-Staaten kommen werde. Hier hätten sich über die letzten Jahre hinweg Veränderungen abgezeichnet, sagt Benson. Während traditionell eher jüngere Männer aus dem Ausland eingewandert seien, habe einerseits der Frauenanteil zugenommen, aber insbesondere seien Einwanderer und Einwandererinnen tendenziell älter geworden. Das Durchschnittsalter betrage heute um die 31 Jahre.

Das wird sich in 20 Jahren auf die Altersstruktur auswirken. Denn bei durchschnittlich 1,57 Geburten pro Frau im Kanton St.Gallen, ist die Zuwanderung der einzige wirkliche Gegenpol zur stetig älter werdenden Bevölkerung.

53,2 Prozent der Toggenburger Bevölkerung wird über 64 sein

Die Anteile der höheren Altersklassen an der Gesamtbevölkerung werden jeweils stark zunehmen. So steigt der Anteil der über 64-Jährigen in allen drei Szenarien von heute knapp 19 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2040.

Besonders stark von der Alterung betroffen sei das Toggenburg, sagt Benson. Das liege daran, dass die Bevölkerung in der Region schon heute verhältnismässig alt sei. Die Geburtenzahlen im Toggenburg seien zwar vergleichsweise hoch, doch verlasse ein grosser Teil der Jungbevölkerung das Tal und ausserdem profitiere es in geringerem Masse von der Zuwanderung als andere Regionen.

So werden gemäss dem Trendszenario in 20 Jahren 53 Prozent der Toggenburgerinnen und Toggenburger 65 und älter sein. Benson sagt: «Gebiete, die bereits mit Herausforderungen des demografischen Wandels konfrontiert sind, trifft es auch in den kommenden 20 Jahren stärker.»

Enrico Kampmann / St.Galler Tagblatt
Quelle: St.Galler Tagblatt
veröffentlicht: 4. Januar 2022 07:14
aktualisiert: 4. Januar 2022 09:05