Schwerverkehrskontrolle

«Interessant sind die ausländischen Fahrzeuge»

Krisztina Scherrer, 6. November 2019, 08:28 Uhr
14 Mal im Jahr fahren die Patrouillen der Kantonspolizei St.Gallen die Autobahn rauf und runter und ziehen verdächtige Lastwagen aus dem Verkehr. Bei der Kontrolle am Dienstag begleitete FM1Today die Polizisten.

Es ist Dienstagmorgen, 8.30 Uhr, sechs Patrouillen der Kantonspolizei St.Gallen haben sich am Stützpunkt Oberbüren versammelt und rücken gerade zur Schwerverkehrskontrolle aus. Unter den zwölf Polizisten ist auch Thomas Rutz: «Wir gehen jetzt auf die A1 Richtung Gossau und schauen, dass wir einen Lastwagen von der Autobahn nehmen können.»

Polizei, Zoll und Veterinäramt

14 Mal im Jahr findet im Kanton St.Gallen eine Lastwagenkontrolle statt. «Heute sind wir insgesamt zwölf Polizisten, zwei Experten vom Zoll und einer vom Veterinäramt», sagt Markus Alpiger, Gruppenchef Schwerverkehr bei der Kantonspolizei St.Gallen. 

Markus Alpiger, Gruppenchef Schwerverkehr Kapo SG
Markus Alpiger, Gruppenchef Schwerverkehr Kapo SG
© FM1Today/Krisztina Scherrer

«Ausländische Lastwagen sind interessanter»

Thomas Rutz und sein Kollege haben einen roten Lastwagen mit einem rumänischen Kennzeichen ins Visier genommen. «Wir fahren ihm einen Moment hinterher, überholen und schalten die Matrix ‹Bitte Folgen› an», erklärt Rutz. Bei solchen Kontrollen ziehen die Polizisten hauptsächlich ausländische Lastwagen aus dem Verkehr. «Die Schweizer Fahrzeuge werden bei den Betriebskontrollen, die wir vornehmen, sowieso kontrolliert. Deshalb sind die ausländischen für uns interessanter.»

Thomas Rutz, Polizist Schwerverkehrsgruppe Kantonspolizei St.Gallen

Thomas Rutz, Polizist Schwerverkehrsgruppe Kantonspolizei St.Gallen

© FM1Today/Krisztina Scherrer

Beim Vorbeifahren am Lastwagen kontrolliert Rutz bereits, ob der Chauffeur angeschnallt oder abgelenkt ist. Die Kontrollen sind für die meisten Fahrer zur Routine geworden. «Die wissen, dass sie früher oder später kontrolliert werden», sagt Rutz.

Lastwagen, Chauffeur und auch Tiere werden überprüft

Der Lastwagenfahrer aus Rumänien folgt dem Polizeiwagen zum Stützpunkt in Oberbüren, dort geht es für das Fahrzeug erstmal auf die Waage. «Beim Lastwagen überprüfen wir die Masse, das Gewicht und den technischen Zustand. Auch der Chauffeur wird überprüft», so Alpiger. 

Wenn es sich bei einem Lastwagen um einen Tiertransport handelt, zieht die Kantonspolizei Markus Jenni vom Veterinäramt St.Gallen hinzu: «Ich schaue mir die Tiertransportfahrzeuge an und schaue, ob die verschiedenen Kriterien für die Tiere erfüllt sind, zum Beispiel, ob die Dokumente der Tiere dabei sind und ob sie genügend Platz haben.» Die Zollbeamten kontrollieren die Lieferscheine der Fahrer und machen, wenn nötig, eine Dieselkontrolle.

Markus Jenni, Veterinäramt St.Gallen

Markus Jenni, Veterinäramt St.Gallen

© FM1Today/Krisztina Scherrer

Häufige Verstösse gegen die Ruhezeitverordnung

Am häufigsten verstossen die Fahrer gegen die Arbeits- und Ruhezeitverordnung (ARV). «Das ist die Verordnung, die dem Chauffeur vorschreibt, wie lange er fahren darf und wie viele Pausen er machen muss», sagt Alpiger. Thomas Rutz kontrolliert das ARV-Gerät des rumänischen Fahrers: «Wenn das Gerät manipuliert ist, kann er zum Beispiel ohne Ruhepause weiterfahren.» Und das ist nunmal nicht erlaubt. 

Offene Ladung Quecksilber

Die zweithäufigste Widerhandlung sei das Überladen der Fahrzeuge. «Auch die Fahrfähigkeit des Fahrers und die technischen Beanstandungen am Fahrzeug gehören zu den häufigeren Vergehen», sagt Alpiger. 

Ein Polizist erzählt von einer Kontrolle aus seiner 31-jährigen Karriere bei der Kantonspolizei: «Da war ein Fass geladen, das offen war und der Inhalt hat geglitzert. Nach einigen Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich um Quecksilber handelte, das illegal entsorgt werden sollte.» In solchen Fällen erkenne man erst später, wie gefährlich sie eigentlich waren. «Quecksilber entwickelt Dämpfe, die sehr ungesund sein können, wenn man sie einatmet.»

An diesem grauen, kalten und zum Teil nassen Dienstagmorgen ist nicht viel los. «Das ist aber ein gutes Zeichen für uns», stellt Alpiger fest. «Unser Ziel ist es nicht, so viele Anzeigen wie möglich zu schreiben, sondern dass sich die Führer an die Regeln halten.»

Sieben Lenker angezeigt

Bis 15.30 Uhr kontrolliert die Kantonspolizei 34 Lastwagen. Gegen sieben Lenker eröffnet die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung. Unter anderem wegen Verstosses gegen die ARV, wegen Überlast, der Höhe der Ladung oder zu vielen Lichtern.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. November 2019 05:36
aktualisiert: 6. November 2019 08:28