Blutstammzellenspende

«Irgendwo da draussen muss mein genetischer Zwilling sein»

Lara Abderhalden, 18. März 2021, 12:36 Uhr
Die 40-jährige Rheintalerin Lucia mit ihrem Mann.
© zVg
Vergangenen Dezember bekam die 40-jährige Lucia Cipriano aus Rheineck die Diagnose über eine seltene, agressive Krebserkrankung. Nachdem ihr Mann vor einigen Jahren an einem Hirntumor litt, ist es der zweite Schicksalsschlag für die Familie. Die Rheintalerin ist dringend auf einen Blutstammzellenspender angewiesen.

«Es hat mich aus allen Bahnen ‹gerupft›, war sehr schlimm, für alle. Damit hat niemand gerechnet.» Lucia Cipriano beschreibt den Moment, in dem sie vom Arzt über das Sézary-Syndrom informiert wurde – eine sehr seltene und aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs. Die Diagnose erhielt sie anfangs Dezember einige Tage vor ihrem 40. Geburtstag. Schnell wurde klar: Lucia braucht einen Blutstammzellenspender, damit sie überlebt.

«Ich habe keine Träne herausbekommen»

«Es ist ein enormer Schock.» Die Rheintalerin erzählt, wie sie und ihr Mann vor 18 Jahren heirateten, alles perfekt war: «Ich wurde sofort schwanger. Wir haben uns riesig gefreut und bekamen eine Tochter.» Rund zwei Monate nach der Geburt der Tochter wurde Lucias Mann schwer krank. Er hatte einen Hirntumor. «Es kam aus dem Nichts und dauerte ziemlich lange, bis er sich erholt hatte. Ich bin so stolz auf ihn, dass er das so gut geschafft und zurück ins Leben gefunden hat. Es war so schwierig, aber er ist soweit stabil.»

Am Anfang habe sie über ihre eigene Diagnose nicht weinen können: «In diesem Moment war ich sehr stark, obwohl ich mir vorstellen musste, dass ich meine Tochter nicht aufwachsen sehe, wenn ich keine Transplantation bekomme. Ich habe keine Träne herausbekommen. Mein Mann hat geweint. Ich dachte nur: Ich ziehe das durch, wir werden einen Stammzellenspender finden.»

Viele Rückmeldungen auf Facebook-Aufruf

Sehr schnell liess sich Lucias Bruder testen, kam aber für eine Blutstammzellspende nicht in Frage. Am Dienstag veröffentliche der Schweizerische Blutspendedienst auf Facebook die Geschichte von Lucia und sucht auf diesem Weg nach einem geeigneten Spender.

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Posted by Blutspende SRK Schweiz / Swiss Blood Stem Cells on Tuesday, March 16, 2021

«Ich hatte zuerst Angst, an die Öffentlichkeit zu gehen», sagt die 40-jährige Coiffeuse am Telefon. Seit der Aufruf aber am Dienstag veröffentlicht wurde, habe Lucia schon sehr viele Rückmeldungen erhalten, die ihr Mut geben. «Ich kann gar nicht alle Nachrichten beantworten. Ich bin überwältigt.» Dieser Aufruf mache ihr Hoffnung: «Irgendwo da draussen muss mein genetischer Zwilling sein, darauf vertraue ich.»

«Es wird von Tag zu Tag schwieriger»

Die ersten körperlichen Anzeichen dafür, das etwas nicht stimmt, hatte Lucia vor ungefähr zwei Jahren. Von einer Operation erholte sie sich nie mehr ganz. Sie musste ihr eigenes Coiffeur-Geschäft aufgeben und wechselte schliesslich den Job. Doch auch dort sei der körperliche Druck immer grösser geworden: «Ich habe dann vergangenen Herbst eine Biopsie gemacht und so kam alles heraus. Sogar meine Ärztin ist aus allen Wolken gefallen. Es ist eine sehr seltene Krankheit und das in meinem Alter.»

Sofort habe sie mit Therapien angefangen, es sei aber schnell klar geworden, dass ihre Krankheit nicht heilbar ist, sondern nur die Symptome bekämpft werden können. «Im Moment bin ich zu Hause. Ich habe meine Hochs und Tiefs und brauche sehr viel Ruhe.» Die Krankheit sei im Moment sehr aktiv und wenn es so weitergehe, würden Organe und die Lymphdrüsen angegriffen. «Es wird von Tag zu Tag schwieriger.»

Die 17-jährige Tochter und der Mann würden es sehr gut machen. «Wir reden viel und nicht immer nur über die Krankheit. Wir versuchen, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. März 2021 05:42
aktualisiert: 18. März 2021 12:36