St.Gallen

Juso provoziert mit Fake-Angriffen auf Frauen

9. Oktober 2019, 08:10 Uhr
In der St.Galler Innenstadt wurden mehrere Passagen mit Absperrband versehen und Zettel aufgehängt, die von verschiedenen Übergriffen auf Frauen erzählen. Mit diesen fiktiven Fällen will die Juso auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

«Hier wurde in einer Nacht von Samstag auf Sonntag L. H. (...) von einer Gruppe Männer verprügelt», steht auf einem A4-Blatt, das an einem Absperrband vor der Post am Marktplatz in St.Gallen klebt. Gleich mehrere solche «Tatorte» in der St.Galler Innenstadt wurden so dargestellt. Die Fälle sorgen für Verwirrung und gemäss Augenzeugen erregen sie Aufmerksamkeit. Viele Passanten würden stehen bleiben und mit Kopfschütteln die geschilderten Fälle lesen.

In der ganzen Schweiz sind Tatorte

Auf Anfrage bei der St.Galler Polizei heisst es, dass die Fälle in keinem Zusammenhang mit realen Geschehnissen stehen. Aufklärung bietet ein Anruf bei der Juso: Tatsächlich gehen die «Tatorte» auf eine Aktion der Jungsozialisten zurück: «Wir wollen damit auf die Gewalt an Frauen aufmerksam machen», sagt Lena Eberhard, die bei der Aktion mitgewirkt hat, gegenüber TVO. In der ganzen Schweiz werden solche Aktionen durchgeführt. Es handle sich dabei um fiktive Fälle. «Häufig wird ein 'Nein' bei Frauen nicht akzeptiert», sagt das Juso-Mitglied. 

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Quelle: TVO

480'000 Opfer von sexueller Gewalt

«Jedes Jahr werden in der Schweiz 480'000 Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen im öffentlichen Raum. Die Dunkelziffer ist noch höher. Es ist tragisch, dass solche Fälle passieren, das Thema aber tot geschwiegen wird.» Viele Opfer solcher Übergriffe würden sich nicht trauen, sich zu wehren, da der Opferschutz schlecht sei.

Durch die Aktion wolle die Juso der Bevölkerung zeigen, dass solche Vorfälle passieren: «Ich habe ein paar Leute gesehen, die stehen blieben und schockiert waren. Das ist der Sinn der Aktion, dass die Leute merken, dass solche Vorfälle hier um die Ecke, im nächsten Umfeld passieren.»

Gemäss SVP ist Aktion zu wenig transparent

Sascha Schmid, Präsident der Jungen SVP St.Gallen, hat an der Aktion grundsätzlich nichts auszusetzen, aber: «Die Juso verzichtet bei der Aktion bewusst darauf, die ganze Geschichte zu erzählen.» Gemäss Schmid werde der Ursprung dieser Gewaltübergriffe in der Aktion zu wenig thematisiert: «Wenn man die Statistik anschaut, spricht diese eine deutliche Sprache: 50 Prozent der Gewaltverbrechen werden von 25 Prozent der Bevölkerung ausgeübt und das sind leider die Ausländer.»

Es sei gut, die Gewalt an Männer oder Frauen zu thematisieren. Allerdings müsse die Juso gemäss Junger SVP ihr eigenes Handeln überdenken: «Eine Politik der offenen Türen, wie sie von der Juso und auch der SP betrieben werden, ist nicht zu begrüssen. Leute, die solche Verbrechen begehen, gehören ausgeschafft.»

Polizei kann nichts tun

Für die Juso vermischt die SVP hier zwei Dinge: «Es spielt bei einem Gewaltverbrechen keine Rolle, ob der Täter aus der Schweiz kommt oder nicht, es geht darum, dass Frauen Opfer von Gewalt werden.»

Die Polizei kann gegen solche Aktionen nichts tun: «Wir sind nicht direkt betroffen, da wir nicht namentlich genannt werden und auch das Absperrband nicht von uns stammt», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Wenn, dann müssten die Grundstückbesitzer intervenieren.

(Sarah Wagner/abl)

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Oktober 2019 19:14
aktualisiert: 9. Oktober 2019 08:10