Rorschach

Kampf gegen Poser: Stapi Raths fordert autofreie Stunden

Laurien Gschwend, 20. Mai 2020, 09:09 Uhr
Autoposer fahren mit ihren Boliden besonders gerne dem See entlang. (Archivbild)
© St.Galler Tagblatt/Ralph Ribi
Der Rorschacher Stadtpräsident Robert Raths (FDP) hat die Nase voll von Autoposern. Nun plant er eine Interpellation im Kantonsrat – und fordert, dass die Bodenseestadt zumindest stundenweise autofrei wird.

Robert Raths graut es vor dem langen Auffahrtswochenende. «Es ist schönstes Wetter angesagt und Rorschach wird im Verkehr ersticken», sagt er gegenüber FM1Today. Gegen die Tagesausflügler will der FDP-Politiker, der vor genau einem Jahr zum neuen Rorschacher Stadtpräsidenten gewählt wurde, auch nichts unternehmen – «wir sind nunmal ein Naherholungsgebiet und wollen den Leuten nach dem Lockdown etwas Schönes bieten». Ein viel grösseres Problem stellen für Raths die Autoposer dar, die Wochenende für Wochenende ihre Motoren auf der Hauptstrasse aufheulen lassen.

«Einbussen der Lebensqualität»

«Diese stundenlangen Blechlawinen, welche diese Leute auslösen, bedeuten enorme Einbussen der Lebensqualität», sagt der Stapi, der selbst an der Hauptstrasse wohnt. «80 Prozent der Autofahrer in Rorschach fahren permanent hin und her. Das kann, während wir eine Klimadebatte führen, nicht sein.»

Robert Raths, Rorschacher Stadtpräsident und St.Galler Kantonsrat

© St.Galler Tagblatt/Urs Bucher

Raths, der auch im St.Galler Kantonsrat sitzt, will diese «sinnlose Rumfahrerei» nicht länger akzeptieren. Es bringe offenbar nicht genug, dass die Polizei regelmässig Bussen verteile. Ihm schwebt vor, die Bodenseestadt übers Wochenende stundenweise autofrei zu machen. «Nur noch diejenigen, die dies unbedingt tun müssen, sollen noch durch Rorschach fahren dürfen.»

Interpellation in der Junisession

Eine solche Massnahme kann Robert Raths aber nicht eigenmächtig beschliessen, weil es sich um eine Kantonsstrasse handelt. «Ich mache mir meine Überlegungen, wie wir gegen die Poser vorgehen können», sagt Raths. Konkrete Pläne habe er noch nicht, aber: «Gemeinsam mit meinem Kollegen, dem Goldacher Gemeindepräsidenten Dominik Gemperli, werde ich mittels Interpellation eine Anfrage an die Regierung richten.» Bereits auf die Junisession des Kantonsrates hin will Raths die Interpellation vorbereiten.

30 Anzeigen seit Februar

Wie es auf Anfrage bei der St.Galler Kantonspolizei heisst, wurden seit Anfang Februar rund 30 solcher Autoposer auf der Rorschacher Hauptstrasse verzeigt – wegen unterschiedlicher Tatbestände. «Wir sind uns der Problematik bewusst und werden Lenker mit aufgemotzten Autos auch künftig kontrollieren», sagt Mediensprecher Florian Schneider. «Es ist leider so, dass es einige Leute nur übers Portemonnaie lernen. Gewisse brauchen mehrere Denkzettel und wieder andere lernen es gar nie.» Zu Raths' Idee will sich die Polizei nicht äussern, das sei ein politischer Entscheid.

Die Idee mit der autobefreiten Stadt hatte der Rorschacher Stadtpräsident bereits am Montag gegenüber TVO geäussert (FM1Today berichtete). Dass die Politik nun aktiv werde, komme gut an, freut sich Raths: «Aus dem ganzen Kanton habe ich Reaktionen via Mail und Whatsapp erhalten. Die Leute finden es gut, dass jemand das Problem angeht.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Mai 2020 17:09
aktualisiert: 20. Mai 2020 09:09