Uznach

Kanton St.Gallen bewilligt Schule mit klarem Sektenbezug

13. Juli 2022, 22:09 Uhr
In Uznach soll nach den Sommerferien eine Privatschule ihre Tore öffnen. Diese soll nach den Lehren der rechts-esoterischen Anastasia-Bewegung unterrichten. Der Kanton schöpfte bislang keinen Verdacht.
In Uznach soll nach den Sommerferien eine Privatschule nach den Lehren der rechts-esoterischen Anastasia-Bewegung eröffnet werden. (Symbolbild)
© Keystone

Im August soll in Uznach eine neue Privatschule Schülerinnen und Schüler begrüssen. Dies berichtet die «WOZ». In rechtsextremen Telegram-Chats wie etwa «Person wird :Mensch» zirkulieren Flyer der Schule «Lernraum zum Eintauchen». Darauf beziehen sich die Initianten der Schule explizit auf die Musterschule der Anastasia-Bewegung im russischen Tekos – die sogenannte Schetinin-Schule. Eine der Lehrerinnen gebe sogar an,  in Tekos das Lernkonzept des verstorbenen Leiters Michail Schetinin studiert zu haben.

Krude Versprechen

Auch das Konzept sei laut der Zeitung auf dem Flyer erklärt. «Offenes und freies Lernen entsteht durch den Kontakt des bioenergetischen Feldes. Wenn hier das Treffen gelingt, kann in zehn Tagen der Mathematikstoff der ganzen Mittelschule erfasst werden. Also zehn Jahre Mathematik in elf Tagen.» Ein Versprechen, dass kaum zu halten sein dürfte.

Die Anasatasia-Bewegung ist eine völkisch-esoterische Siedlungsbewegung, deren Lehre auf der gleichnamigen Buchreihe des russischen Autors Wladimir Megre basiert. Die Ideologie hat klar rechtsextreme Züge. Megres esoterischer Welttheorie nach stammen die russischen, europäischen und amerikanischen Völker von den «Wedrussen» ab. Ihr Blut will er reinhalten. Die Juden werden in seinen Werken für Krankheiten und Kriege verantwortlich gemacht.

Kanton erteilte Genehmigung

Trotz all dem habe der Bildungsrat des Kantons St.Gallen dem «Lernraum zum Eintauchen» für das Schuljahr 2022/23 die Bewilligung als Privatschule erteilt, schreibt die «WOZ» weiter. Gegenüber der Zeitung erklärt sich Jürg Müller, Leiter Abteilung Aufsicht und Schulqualität, dass sich aus dem Konzept der Initianten keine Verbindung zur Anastasia-Bewegung habe ableiten lassen. Ausserdem habe man nach einem religiös-ideologischen Hintergrund gefragt, was verneint wurde. Wie man nun weiter vorgehen wolle, gab das Bildungsdepartement gegenüber der Zeitung nicht an.

Die Zeitung vermutet, dass der Kanton sich vom Initiator des Projekts, Thomas Kochanek, habe blenden lassen. Kochanek ist ein im Investmentmanagement tätiger Absolvent der Universität St.Gallen und hat für die Schule in Uznach Industrieräume gemietet. Er dementiert aber, dass er etwas mit der Sekte zu tun habe. Er propagiert jedoch gegenüber der Zeitung die Schetinin-Methode. Laut Kochanek gehe es dabei in erster Linie darum, dass sich Kinder gegenseitig unterrichteten. Ein Ansatz, der in vielen modernen Pädagogikkonzepten vorkomme.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 13. Juli 2022 21:51
aktualisiert: 13. Juli 2022 22:09
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