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Spital Wattwil

Kanton zieht sich zurück – Berit Klinik soll übernehmen

20. Juli 2021, 10:52 Uhr
Der Kanton St.Gallen und Solviva, welche das Spital Wattwil in ein Langzeitpflegezentrum umwandeln wollten, ziehen das Projekt zurück. Die Standortgemeinde und die Regierung konnten sich nicht einigen. Die Gemeinde Wattwil hat nun mit der Berit Klinik ein Nachfolgekonzept gefunden.
Im Spital Wattwil entsteht kein Langzeitpflegezentrum.
© Lara Abderhalden/FM1Today

Das Hin und Her hat ein Ende: Der Kanton St.Gallen und Solviva ziehen sich aus dem Spitalprojekt zurück, schreiben sie in einer gemeinsamen Mitteilung. «Der Spitalstandort wird nicht in ein Kompetenzzentrum für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege umgewandelt.»

Mehrere Gespräche führten zu keiner Lösung

Es fehle die politische Unterstützung der Standortgemeinde. Im Anschluss der Volksabstimmung Mitte Juni, bei der die Fertigstellung des Spitals abgelehnt wurde, hätten mehrere Gespräche stattgefunden, schreibt die Regierung. «Die Regierung hatte dem Gemeinderat Wattwil dabei angeboten, dass der Kanton das Grundstück des Spitals an die Gemeinde Wattwil rückübertragen würde.» Wattwil wiederum hätte das Spitalgebäude im Gegenzug an Solviva übergeben müssen.

«Der Gemeinderat Wattwil hat sich mit dieser Lösung nicht einverstanden erklären können.» Für Solviva gehöre das Eigentum der Liegenschaft zur Unternehmensstrategie. Aufgrund fehlender Unterstützung des Gemeinderats wird das Projekt vom Kanton St.Gallen und Solviva deswegen nicht weiter verfolgt.

Auch die Gemeinde Wattwil äussert sich zum Spital und zeigt sich überrascht über den Rückzug der Solviva AG. Der Gemeinderat habe seine zustimmende Haltung zum Nachfolgekonzept und auch zur Solviva schriftlich bestätigt, der Rückzug sei deshalb unverständlich.

Zukunft des Spitals ist dem Gemeinderat überlassen

Der Kanton St.Gallen geht nun dem Wunsch Wattwils nach, die Spitalimmobilie an die Gemeinde zu verkaufen und wird hierfür zeitnah mit dem Gemeinderat in Verhandlungen treten. «Die Regierung erwartet nun, dass der Gemeinderat Wattwil eine Nachfolgelösung zur Nutzung der Spitalimmobilie präsentiert.» Dabei werde sich die Regierung nicht mehr einmischen. Sie werde dort Hand bieten, wo sie gesetzlich dazu verpflichtet ist.

Die Gemeinde Wattwil präsentiert nun in einer Mitteilung eine mögliche Nachfolgelösung. «Zur Verbesserung der medizinischen Versorgung des Toggenburgs hat der Gemeinderat die Berit Klinik Gruppe für ein Medizinisches Zentrum mit ambulanter Tagesklinik und weitere Partner eingebracht.»

Das Ziel sei ein medizinisches Zentrum mit ambulanter Tagesklinik, schreibt die Gemeinde. Mit der Berit Klinik sei eine entsprechende Absichtserklärung abgeschlossen worden. «Die Berit Klinik ist in der Ostschweiz stark verankert, ist bereit und sieht sich in der Lage, einerseits ein breites Leistungsspektrum abzudecken und anderseits für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Wattwil attraktive Perspektiven zu eröffnen.»

Notfallversorgung bleibt

Die Notfallversorgung im Toggenburg bleibe weiterhin gewährleistet. Dafür werde der Kanton nach den Sommerferien mit den Ärzten vor Ort Kontakt aufnehmen. Welche Auswirkungen der Rückzug von Kanton und Solviva auf die Angestellten vor Ort haben wird, sei derzeit schwierig abzuschätzen. «Wie lange im Spital Wattwil eine qualitativ genügende und sichere Patientenbehandlung betrieben werden kann, ist stark abhängig von der weiteren Entwicklung der Personalsituation.»

Seit Anfang Jahr habe es eine hohe Fluktuation gegeben. Eine Verschiebung des Personals von Wattwil nach Wil sei aus heutiger Sicht wahrscheinlich und werde dem Personal auch durch die Spitalregion Fürstenland Toggenburg ermöglicht, heisst es in der Mitteilung.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. Juli 2021 09:59
aktualisiert: 20. Juli 2021 10:52