Anzeige
Weihnachten 2021

Keine Bewilligung – St.Galler Eiszauber findet nicht statt

6. Oktober 2021, 10:16 Uhr
Während viele Veranstaltungen aufgrund der unsicheren Coronalage abgesagt werden, kann der St.Galler Eiszauber wegen einer fehlenden Baubewilligung nicht stattfinden. Gegen das Eisfeld mit Glühweinstand und Fonduestübli gab es mehrere Einsprachen. Eine davon konnte bis zum Schluss nicht abgewendet werden.

Eine Runde auf dem Schlittschuhfeld, ein Fondue im Holzchalet oder ein Glühwein beim Eisstockschiessen – während rund zwei Monaten wurde in den Jahren 2018 und 2019 ein Teil der St.Galler Kreuzbleiche mit Eisfeld und Weihnachtsschmuck dekoriert. Rund 50'000 Besucherinnen und Besucher lockte der Anlass jeweils an. Nachdem das Coronavirus der Veranstaltung 2020 einen Strich durch die Rechnung machte, ist es dieses Jahr eine fehlende Baubewilligung.

Unübliches Bewilligungsverfahren

Der Eiszauber wird von CH Media organisiert, dem Medienhaus, zu dem auch FM1Today, FM1 und TVO gehören. Den Veranstaltern zufolge gibt es mehrere «bedauernswerte» Ereignisse, die es verunmöglichen, den Eiszauber vom 11. November 2021 bis 23. Januar 2022 durchzuführen. Der Eiszauber muss neu ein Baubewilligungsverfahren der Stadt St.Gallen durchlaufen. Was, gemäss Organisatoren, nicht üblich ist bei Events, die weniger als drei Monate dauern.

«Für uns war von Anfang an fraglich, ob ein Baubewilligungsverfahren der richtige Weg für einen Event ist, denn wir sind ein Veranstalter und machen keine fixen Bauten», sagt Urs Brülisauer, Leiter Events bei CH Media in der Ost- und Zentralschweiz. Weshalb plötzlich eine Baubewilligung nötig war, ist für ihn bis heute unverständlich.

Trotzdem sei umgehend im Frühling 2021 ein Baugesuch für den Eiszauber eingereicht worden. Üblicherweise reiche diese Frist locker aus für eine Veranstaltung, die Ende Jahr stattfindet, sagt Brülisauer: «Allerdings sind mehrere Einsprachen gegen den Eiszauber eingegangen. Eine der Personen war nicht zu einem Gespräch über einen Kompromiss bereit.» Bei der Einsprache ging es um eine «fundamentale Opposition» gegen den Eiszauber, wie Brülisauer weiter sagt.

«Wir müssen das respektieren»

Durch die Einsprache verzögerte sich das Bewilligungsverfahren und die Vorbereitungszeit für den Event wurde zu knapp. Deshalb muss der Eiszauber abgesagt werden. «Es tut schon weh. Ich habe mich ein paar Mal gefragt, ob es wirklich möglich ist, dass eine Person gegen 50'000 Personen stehen, beziehungsweise etwas verhindern kann.» Dennoch hat Brülisauer Verständnis für das Verfahren: «Wir haben in der Schweiz einen funktionierenden Rechtsstaat und wenn jemand den Rechtsweg bestreitet, dauert das und das müssen wir akzeptieren und auch respektieren.»

In den nächsten Monaten hat die Stadt nun die Möglichkeit, die Einsprache abzulehnen oder zu entscheiden, dass diese berechtigt ist. Die Planung für den Eiszauber im nächsten Jahr wird so oder so vorangetrieben. «Wir hoffen, dass wir im Frühling einen Entscheid haben», sagt Urs Brülisauer.

«Immissionen lösen Interesse aus»

Gemäss der Stadt St.Gallen wurde ein Baubewilligungsverfahren nicht aufgrund der baulichen Anlagen notwendig, sondern wegen der Auswirkungen des Anlasses auf die Nachbarschaft und die Umwelt. «Die Grösse des Eiszaubers bringt durchaus Immissionen mit sich, welche bei den umliegenden Anwohnerinnen und Anwohner ein Interesse auslöst, sich zu einer solchen Veranstaltung äussern zu können», schreibt Ivan Furlan, Leiter des städtischen Amts für Baubewilligungen, auf Anfrage. Das Baugesuchsverfahren sei dabei das einzige Verfahren, welches einen Einbezug der Nachbarn beinhaltet.

Gemäss Furlan ist es auch für den Veranstalter von Vorteil, mit einer Baubewilligung eine Rechtssicherheit für die Durchführung des Anlasses zu erhalten. «Dass sich nun Nachbarn rechtlich gegen den Anlass wehren, ist sicherlich unerfreulich und unangenehm, obwohl aufgrund der Erkenntnisse und Signale der Nachbarn aus dem Vorjahr damit zu rechnen war.»

Wie Furlan weiter ausführt, dauert ein Bewilligungsverfahren ohne Einsprachen acht bis zwölf Wochen. Es hätte also frühestens im August oder September 2021 mit einer Bewilligung gerechnet werden können. Über den genauen Inhalt der Einsprache will sich die Stadt aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äussern. 

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. Oktober 2021 10:00
aktualisiert: 6. Oktober 2021 10:16