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Keine Kätzchen für unter den Christbaum

Lena Rhyner, 17. Dezember 2018, 12:15 Uhr
Ein Tierheim in Hamburg erlässt über Weihnachten ein Adoptionsverbot, um spontane Tier-Weihnachtsgeschenke zu verhindern. Für Tierheime im FM1-Land ist das kein Thema. Einfach mal ein Tier kaufen, geht sowieso nicht – das ganze Jahr über.
Tiere auf Weinachten zu schenken ist heikel – denn es bringt nebst Freude auch viel Verantwortung mit sich.
© iStock

Wer seiner Tochter oder seinem Sohn auf Weihnachten ein flauschiges Kätzchen schenken will, hat während der Weihnachtszeit in einem Tierheim in Hamburg keine Chance. Um spontane Weihnachtsgeschenke zu vermeiden, verhängt das Tierheim des Hamburger Tierschutzvereins eine Adoptionssperre. «Wir möchten vermeiden, dass Tiere unter dem Weihnachtsbaum liegen, die vielleicht gar nicht von allen Familienmitgliedern gewollt sind oder unüberlegt angeschafft wurden», sagt Susanne David, Leiterin des Hamburger Tierheims in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

«Diese Tierheime sind sowieso doof»

Für Ivo Paganini vom Tierheim Arche in Chur unverständlich. Nicht, weil man über Weihnachten keine Tiere adoptieren kann, sondern weil es ja sonst das ganze Jahr möglich sei, einfach so ein Tier zu kaufen. «Um es böse zu sagen: solche Tierheime sind einfach doof. Ein Tierheim ist doch kein Verkaufsladen», sagt Paganini. «Wer bei uns zum Beispiel einen Hund abholen möchte, muss mindestens fünf bis sechs mal mit ihm spazieren gehen.» Man beobachte dabei sowohl das Verhalten des potentiellen Hundehalters, als auch des Hundes. Es muss passen, nur dann verkaufe er ein Tier.

«Gewisse Leute würden während eines Gespräches sagen, dass sie ihrem Kind ein Hund kaufen möchten», sagt Paganini. Da würden beim ihm alle Alarmglocken läuten. Denn die Verantwortung eines Hundes liegt am Ende doch bei den Eltern. «Kinder haben mit Schule, Hobbys und Freunden oft gar keine Zeit, sich vollends um einen Hund zu kümmern», sagt Paganini.

Buch statt Hundewelpen

Wer einen Hundewelpen unter den Christbaum legen will, ist auch beim Tierheim Sitterhöfli in Gaiserwald SG an der falschen Adresse. «Tier-Geschenke gibt es bei uns nicht. Daher brauchen wir auch kein Adoptionsverbot. Wir haben Routine darin, zu erkennen, wer ein Tier halten kann und wer nicht», sagt Claudia Staub vom Sitterhöfli. Sie würde raten, erst ein Buch über das Tier unter den Christbaum zu legen, um sich damit zu befassen. Dann könne man nach den Festtagen vorbeikommen und ein Haustier auswählen.

Hunde in Schachtel vor Haustüre

Doch Hunde kann man auch im Internet bestellen, ohne Gespräche, ohne Vorschriften. Ein vermeintlich praktischer Weg, einen Welpen auf Weihnachten zu verschenken. «Das sind dann diese Hunde, die im März in einer Schuhschachtel vor unserer Haustüre stehen», sagt Paganini. Dagegen könne er leider auch nichts machen, ausser diesen Hunden ein besseres Zuhause zu bieten.

Weshalb Haustiere kein gutes Weihnachtsgeschenk sind, zeigt beispielsweise das Schicksal des Welpen Nemo, der kurz nach Weihnachten ausgesetzt wurde.
Lena Rhyner
Quelle: rhy
veröffentlicht: 17. Dezember 2018 11:53
aktualisiert: 17. Dezember 2018 12:15