Keine Kulturförderung für Kinder

Sarah Lippuner, 26. Oktober 2018, 20:50 Uhr
Produktionen wie Emil und die Detektive müssen sich selbst finanzieren.
Produktionen wie Emil und die Detektive müssen sich selbst finanzieren.
© Tagblatt/Jil Lohse
Die Kulturförderung von Städten und Kantonen sorgen mit ihrer finanziellen Unterstützung dafür, dass kulturelle Projekte überhaupt zustande kommen. Das St.Galler «kinder.musical.theater Storchen» geht dabei aber leer aus.

Das «kinder.musical.theater Storchen» in der Stadt St.Gallen ist einzigartig. Mit seiner Ausrichtung und Art gibt es keine vergleichbare, permanente Bühne, die Kindern auf diese Weise die Gelegenheit gibt, sich mit Kunst und Kultur auseinanderzusetzen. Obwohl das Theater in den ersten zwei Jahren über 10'000 Besucherinnen und Besuchern anzog, bekommt es keinerlei Beiträge weder von der Stadt, noch vom Kanton.

«Schlichtweg unverständlich»

«Die Haltung der Kulturförderer bei der Stadt und dem Kanton verärgert nicht nur uns», schreibt Kurt Wettstein, verantwortlich für die kaufmännische Leitung des «kinder.musical.theater Storchen» in einer Medienmitteilung. «Es ist schlichtweg unverständlich, dass Kinder und Jugendliche von der Kulturförderung ausgeschlossen werden.»

Nur für zwei der bisher neun Eigenproduktionen hat das ehemalige Kino einen Projektbeitrag in der Höhe von je 5'000 Franken eingereicht. Beide wurden von der Stadt und vom Kanton abgelehnt. Die Begründung der Stadt St.Gallen: Kinder seien keine Profis und die Kulturförderung unterstütze nur professionelles Theaterschaffen. Im Übrigen finanzieren die Eltern die interne Schauspielschule für die Kinder.

Geld reicht nicht für langfristigen Betrieb

Wettstein spricht von einer Fehlinterpretation der Stadt. «Die Proben für unsere Produktionen finden zu 100 Prozent ausserhalb der Theaterschule statt, der einzige Berührungspunkt ist, dass wir die Kinder anfragen, ob sie in einer Produktion mitmachen wollen.»

Die Produktionen müssen sich selber finanzieren können. Die Einnahmen der Theaterkurse und der Ticketverkäufe genügen aber alleine nicht, um den Betrieb langfristig aufrechterhalten zu können.

«Wir fühlen uns diskriminiert»

Aus dem Budget 2019 der Stadt St.Gallen ist zu entnehmen, dass 19,175 Millionen Franken für Kulturförderung ausgegeben wird. Da andere Institutionen wie das Figurentheater, die Kellerbühne oder das Kinok von der Kulturförderung unterstützt werden, fühlt sich das «kinder.musical.theater Storchen» diskriminiert.

Das Kindertheater hofft nun, das Stadtparlament und der Stadtrat korrigiert die Situation im Rahmen der Budgetdiskussion 2019 und es können Sponsoren oder Förderer gefunden werden.

Sarah Lippuner
Quelle: red.
veröffentlicht: 26. Oktober 2018 20:46
aktualisiert: 26. Oktober 2018 20:50