Krebskranke Kinder

Kispi St.Gallen «verwundert» über Dornbirner Initiative

René Rödiger, 3. Juli 2020, 09:45 Uhr
Beim Ostschweizer Kinderspital in St.Gallen weiss man nichts von einem neuen Angebot.
© Ralph Ribi/St.Galler Tagblatt
Eine Elterninitiative, unterstützt durch die Vorarlberger FPÖ, behauptet, dass das Land Vorarlberg ein Angebot des Kinderspitals St.Gallen aus Kostengründen blockiere. Doch: In St.Gallen weiss man gar nichts über das angebliche Angebot.

In Dornbirn gibt es keine Kinderonkologen. Deshalb kämpft bereits seit drei Jahren die Elterninitiative «Pro-Kinderonkologie» dafür, dass krebskranke Kinder wieder in Vorarlberg behandelt werden können.

Als Lösung wurde Ende 2018 eine Vereinbarung unterschrieben, in der die Uniklinik Innsbruck die Federführung hat, das Kinderspital St.Gallen ergänzend unterstützt und die krebskranken Kinder im Stadtspital Dornbirn betreut werden. Dafür kommt einmal wöchentlich eine Kinderonkologin aus St.Gallen einen halben Tag nach Dornbirn (FM1Today berichtete).

Aus Kostengründen keine engere Zusammenarbeit?

Das ist der Elterninitiative offenbar nicht genug. Am Donnerstag hat sie eine Initiative der Vorarlberger Gesundheitslandrätin Martina Rüscher (ÖVP) mit 34'000 Unterschriften überreicht. Darin heisst es, dass das Kinderspital St.Gallen angeboten habe, die Erstdiagnose und die Behandlung in Dornbirn durch einen Kinderonkologen aus St.Gallen zu übernehmen, die Vorarlberger Landesregierung habe dies jedoch aus Kostengründen abgelehnt.

«Beleidigung gegenüber den Kindern und Eltern»

Dass die Finanzen wichtiger als die Gesundheit der Kinder seien, hat die FPÖ auf den Plan gerufen. FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi bezeichnet das Vorgehen der Landesregierung gegenüber dem «ORF» als «zutiefst beschämend». Es sei eine «Beleidigung gegenüber den betroffenen Kindern und Eltern».

St.Gallen weiss nichts von einem solchen Angebot

Vielleicht hätte sich die Initiative oder die FPÖ doch zuerst noch beim Kinderspital St.Gallen informieren müssen. Dort heisst es heute Dienstag auf Anfrage des «ORF», dass man von einem solchen angeblichen Angebot erst hinterher über die Medien erfahren habe.

Guido Bucher, Direktor der Stiftung Ostschweizer Kinderspital St.Gallen, sagt, dass das Spital aus Personalgründen gar nicht in der Lage sei, ein solches Angebot zu machen. Auch in der Schweiz gebe es nicht Kinderonkologen im Überfluss. Gespräche über mögliche Verbesserungen der Zusammenarbeit fänden aber laufend statt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Juni 2020 09:52
aktualisiert: 3. Juli 2020 09:45