Kita-Präsident: «Tief erschüttert und bestürzt»

René Rödiger, 7. Februar 2019, 15:19 Uhr
Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident Fiorino AG informiert über den Vorfall.
Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident Fiorino AG informiert über den Vorfall.
© Benjamin Manser / TAGBLATT
Ein Mitarbeiter der St.Galler Kindertagesstätte Fiorino steht im Verdacht, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Jetzt äussert sich die Leitung der Kita zum Fall. Hier gibt es die Medienkonferenz zum Nachschauen.

 

Kita prüft Klage gegen Ex-Mitarbeiter

Die Leitung der Kita hat sich an einer Medienkonferenz zum Fall geäussert: «Wir haben uns heute zuerst um die Eltern und Kinder kümmern wollen, ihnen gilt unsere gesamte Aufmerksamkeit.» Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG, sagt den Tränen nahe: «Die Fiorino AG als Institution, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch ich persönlich als Familienvater und Verwaltungsratspräsident sind tief erschüttert und bestürzt über die Erkenntnisse und die Situation.» Hefti, selbst Vater von fünf Kindern, fällt es schwer, das Geschehene in Worte zu fassen: «Ich war komplett bestürzt als ich von diesem Vorfall erfahren habe. Es hat mich fast von den Beinen gerissen. Ich bin immer noch damit beschäftigt, diesen Vorfall zu verarbeiten.»

Hefti kündigt an, dass die Fiorino AG nach den neuesten Erkenntnissen ebenfalls eine Klage gegen den Beschuldigten prüfe. Über den detaillierten Ermittlungsverlauf kann Hefti aber keine Auskunft geben: «Für uns ist auch schwierig, dass wir juristisch gesehen keine Partei sind und deshalb diesbezüglich keine Informationen von den Ermittlungsbehörden bekommen.» Auch mit dem Täter sei man seit Bekanntwerden des Vorfalls nicht in Kontakt getreten: «Aus unserer Sicht gab es keinen Anlass, aktiv den Kontakt zu suchen.»

«Eltern machen sich sorgen»

Die Eltern der Kinder, die in den Kita der Fiorino betreut werden, wurden mit einem Brief über die neuste Entwicklung informiert. «Selbstverständlich stehen ihnen unsere Mitarbeitenden und ich persönlich zur Verfügung», schreibt Hefti im Brief, der FM1Today vorliegt. Fiorino AG habe die Aufsichtsbehörde, das kantonale Amt für Soziales, über die neue Situation informiert und das Kinderschutzzentrum St.Gallen um Unterstützung gebeten.

«Die Eltern haben extrem positiv auf unsere offene und transparente Information reagiert. Auch ich persönlich habe sehr viele Zuschriften, Anrufe und sogar Weihnachtskarten bekommen. Es wurde sehr geschätzt, wie wir mit dieser schwierigen Situation umgegangen sind», sagt Hefti. Und doch: Die Bedenken der Eltern bestehen weiter: «Selbstverständlich haben sich sehr viele Eltern Sorgen gemacht und machen dies immer noch. Dass es hier Ängste gibt und die Eltern sich fragen, ob auch ihr Kind in einer Form betroffen war, ist nachvollziehbar.»

«Dafür gibt es keine Worte»

Im Brief heisst es weiter: «Wir möchten an dieser Stelle nochmals betonen, dass die Staatsanwaltschaft St.Gallen und wir vom Fiorino immer davon ausgegangen sind, dass sich die vermuteten strafbaren Handlungen im privaten und nicht im beruflichen Umfeld zugetragen haben und dass das Fiorino nicht direkt betroffen sei. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen informierte uns damals auch, dass zum damaligen Zeitpunkt keine Hinweise auf ein Fehlverhalten am Arbeitsplatz bestanden.»

Für den Moment gelte die volle Aufmerksamkeit den Eltern und den Angestellten der Fiorino AG. «Es gibt keine Worte, die auch nur annähernd ausdrücken können, was sie als Eltern von betroffenen Kindern empfinden», heisst es im Elternbrief. Dass der Vorfall negative Auswirkungen auf die Zukunft der Kindertagesstätte haben kann, ist Hefti bewusst: «Wir hoffen aber, dass es für das Unternehmen keine gravierenden Auswirkungen geben wird und die Mitarbeitenden dementsprechend geschützt sind.»

Ein Mitarbeiter der Kindertagesstätte Fiorino in St.Gallen soll Kinder sexuell missbraucht haben. Dies im privaten Rahmen und während seiner beruflichen Tätigkeit. Ausserdem soll er kinderpornografisches Material hergestellt haben.

Laut Staatsanwaltschaft besteht der dringende Verdacht, dass der 33-jährige Schweizer an zwei Buben sexuelle Handlungen vorgenommen hat, die Kinder waren damals weniger als zwei Jahre alt. Videos davon soll er ins Darknet gestellt haben. Auch «sexuell motivierte Fotos» habe der Mann gemacht und verbreitet.

René Rödiger
Quelle: rr
veröffentlicht: 7. Februar 2019 12:48
aktualisiert: 7. Februar 2019 15:19