Klimastreiker legen den Verkehr lahm

Stefanie Rohner, 24. Mai 2019, 17:19 Uhr
Hunderte demonstrierten am Freitag in St.Gallen für das Klima. Doch die Kundgebung verlief nicht so wie mit der Polizei abgesprochen. Die Demonstrantinnen und Demonstranten blockierten eine stark befahrene Kreuzung.

Mittags halb zwölf in St.Gallen. Auf der Kreuzung zwischen Bahnhofsvorplatz und Neumarkt geht nichts mehr. Stadtbusse, Postautos und Autos stehen still. Die Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich für einen besseren Klimaschutz stark machen, besetzen die Kreuzung. Sie singen ihre Demo-Songs und sorgen dafür, dass während 15 Minuten kein Rad mehr rollt.

Ein Passant beginnt eine Diskussion mit einem Demonstranten. Er verstehe nicht, warum man das tun müsse, es könne ja nicht sein, dass der Verkehr aufgehalten wird. «Es unterstreicht doch symbolisch, dass irgendwann alles still steht und dass dann nicht mehr gehandelt werden kann», antwortet der Demonstrant ruhig.

Konsequenzen werden geprüft

Die Stadtpolizei leitete den Verkehr sofort um. Dennoch standen rund 20 Stadtbusse und  Postautos still. Abgesprochen ist die Aktion nicht gewesen. «Die Blockade war nicht bewilligt, die Route aber schon. Aufgrund der Blockade hat die Polizei das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht. Sie waren nicht sehr gesprächsbereit, haben die Verzweigung aber nach 15 Minuten freigegeben», sagt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen, gegenüber FM1Today.

Da der Verkehr durch die Veranstaltung behindert wurde, sucht die Stadtpolizei nun den Dialog mit den Verantwortlichen. «Wir werden prüfen müssen, welche Konsequenzen das hat», sagt Kohler. Kaija Eigenmann vom Klimakollektiv sagt: «Die Blockade war eine spontane Aktion».

«Wir müssen Verantwortung übernehmen»

Die St.Galler Demonstranten sind weiterhin überzeugt, dass es die Klimastreiks braucht und dass sie etwas bewirken können. «Wir müssen Verantwortung übernehmen - hätten wir schon lange tun sollen. Es wird immer noch zu wenig unternommen, obwohl die Regierung sagt, dass Massnahmen getroffen werden», sagt Sophie.

«Unser Konsum wurde immer krasser»

Claudia Rüedsegger ist an jeder Klimademo mit von der Partie: «Es ist die wichtigste Bewegung der letzten Jahrzehnte. Endlich geht etwas, denn ein Wandel ist unabwendbar. Es ist mir ein Rätsel, warum nicht noch mehr Menschen da sind. Das müsste jeder einsehen.»

Sie sagt, man wisse schon lange, dass man etwas tun muss, handelt aber nicht. «Unser Konsum wurde immer krasser und das macht sich bemerkbar. Ich esse kein Fleisch, fliege nicht, verzichte auf Palmöl und kaufe nichts, was ich nicht brauche.»

Demonstrationen in hunderten Städten

In 116 Ländern und 1500 Städten, darunter in 25 Schweizer Städten, haben die Leute am Freitag abermals für das Klima demonstriert. Es war der zweite internationale Protesttag. Beim ersten im März hatten sich weltweit rund 1,9 Millionen Menschen beteiligt.  In St.Gallen gingen am Freitag rund 600 Personen auf die Strasse. Auch in anderen Städten im FM1-Land wurde demonstriert. So etwa in Rapperswil-Jona, Davos oder Chur, wo der Demo-Zug auf den Abend angesagt war.

 

Stefanie Rohner
veröffentlicht: 24. Mai 2019 17:19
aktualisiert: 24. Mai 2019 17:19