König Melchior ist kaum mehr schwarz

Praktikant FM1Today, 9. Januar 2019, 05:43 Uhr
Seit dem Dreikönigstag am 6. Januar sind die Sternsinger wieder unterwegs. Sie bringen Gottes Segen in die Häuser und sammeln gleichzeitig Geld für einen guten Zweck. Während früher jedoch ein König mit schwarzer Farbe geschminkt war, sieht man ihn heutzutage immer weniger auf den Strassen. Der Grund dafür ist aber nicht die Kritik am «Blackfacing».

Wenn es heute Abend an der Türe läutet, ist die Chance gross, dass die Sternsinger vor der Türe stehen. Sie segnen das Haus und sammeln Geld für einen guten Zweck, in diesem Jahr für Kinder mit Behinderung in Peru. Traditionell wird dabei jeweils einer der Sternsinger mit schwarzer Farbe geschminkt, um den König Melchior darzustellen. Doch viele Leute empfinden das «Blackfacing», also wenn sich weisse Menschen das Gesicht anmalen, als rassistisch.

Tatsächlich sieht man auf den Strassen immer wenige geschminkte Könige. Die Debatte ums «Blackfacing» ist aber nicht der Auslöser: Die Missio Schweiz, welche die Aktion Sternsinger schweizweit organisiert, hat noch keine Meldungen über «Blackfacing-Vorwürfe» bekommen. «Ich weiss aber, dass dieses Thema in Österreich oft diskutiert wird», sagt Kathrin Staniul, Koordinatorin der Sternsinger-Aktion.

Keine Richtlinien

Die Missio gibt keine Richtlinien vor, ob die Sternsinger geschminkt werden sollen. «Das können die Gemeinden selbst entscheiden. Wir sehen beides, in einigen Orten wird geschminkt, in anderen nicht.» Wenn Kirchgemeinden auf das Schminken verzichteten, habe das oft praktische Gründe. «Es wird tendenziell schwieriger, Helferinnen und Helfer für das Sternsingen zu finden. Das könnte mit ein Grund sein, warum mehr Pfarreien auf das Schminken verzichten, das an vielen Orten Tradition hat», sagt Staniul. Dazu verursache die Farbe Flecken auf den Kleidern. «Es waren aber nie politische Gründe.»

Auch im FM1-Land wird das Schminken unterschiedlich gehandhabt. «Die Kinder entscheiden selbst, ob sie geschminkt werden wollen. In den letzten Jahren war das aber eher die Ausnahme», sagt Beate Kuttig, Pfarreibeauftrage der Pfarrei St.Georgen in St.Gallen. Für die Kinder sei die Farbe im Gesicht nicht besonders angenehm, deshalb würden wohl viele verzichten.

Hilfe der Guggenmusik

In Altstätten werden die Sternsinger noch geschminkt – und das sogar mit professioneller Hilfe: «Die Guggenmusik hilft uns und schminkt die Sternsinger mit Airbrush-Pistolen», sagt Organisatorin Claudia Zünd. Negative Rückmeldungen habe es in Altstätten noch nie gegeben. «Die Kinder können frei wählen, ob sie geschminkt werden wollen oder nicht.»

Es gibt verschiedene Theorien, warum ein König geschminkt wird. Sicher ist: Die Sternsinger entsprechen den drei Königen, die das Jesuskind in der Krippe besuchen. Dass einer von ihnen eine dunkle Hautfarbe hat, ist aber unsicher: Erst ab dem 9. Jahrhundert wurde Melchior schwarz dargestellt. Auf Nachfrage beim Bistum St.Gallen heisst es, dass vermutlich die Hautfarbe einst vor allem für die Hilfe für Afrika stand. Einer andere Tradition nach, die in der Schweiz aber nicht gepflegt wird, werden mit den Hautfarben die drei damals bekannten Kontinente dargestellt.

Praktikant FM1Today
veröffentlicht: 9. Januar 2019 05:43
aktualisiert: 9. Januar 2019 05:43