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Gleichberechtigung

Königin, Dame, Mädchen: Jetzt kommen die weiblichen Jasskarten

10. Juni 2021, 09:04 Uhr
Noelle, Andrin und Noah verkaufen Frauen-Jasskarten über Instagram.
© FM1Today
Drei Studierende der Uni St.Gallen verkaufen weibliche Jasskarten auf Instagram. Damit soll ein Zeichen für die Gleichberechtigung gesetzt werden.

Beim Schieber sticht man schon bald nicht mehr mit dem Under sondern mit dem Mädchen. Drei Studierende der Uni St.Gallen lancieren zurzeit ein neues Jasskartenset. Anstelle der traditionellen Karten «Under», «Ober» und «König» heissen ihre Karten «Mädchen», «Dame» und «Königin». Das Ziel: Ein Gegengewicht zu den traditionellen Jasskarten zu schaffen.

Noelle, Andrin und Noah studieren BWL im zweiten Semester an der HSG. Als sie sich im Januar beim gemütlichen Jassen eine Auszeit vom Stress der Lernphase gönnten, fiel ihnen etwas auf. «Wir wunderten uns, wieso es eigentlich keine weiblichen Jasskarten gibt. Da wir uns dachten, dass diese sicher gut ankommen würden, entschlossen wir uns, diese einfach selbst zu produzieren», so Noelle. Als die drei alle Prüfungen hinter sich hatten, begannen sie, erste Skizzen anzufertigen und nach geeigneten Produzenten zu suchen.

Die Nachfrage ist da

«Es ist wirklich cool. Wir wurden fast schon überrumpelt. Von den Tausend Stück, die wir bestellt haben, haben wir schon etwas mehr als 200 verkauft. Und das, ohne wirklich Werbung zu machen.» Wie es weiter geht, wissen die 20-Jährigen aber noch nicht genau. Das Ziel ist es, nun erst einmal die Tausend Sets loszuwerden, die man hat. «Wir schauen jetzt zuerst, wie sich alles entwickelt. Man hat uns schon oft gefragt, ob wir auch Französische Karten herstellen können. Ob wir diese Ausweitung aber tatsächlich vornehmen, steht noch in den Sternen.»

Die Karten sollen auf die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aufmerksam machen. Noelle betont aber: «Wir wollen auf keinen Fall die traditionellen Jasskarten ersetzen. Wir wollen eine Alternative bieten.» Sie wollen mit den Karten keine spezifischen Gruppen ansprechen. Doch die Studenten hatten noch einen Hintergedanken: «Mit Jasskarten wird man spielerisch an das Thema Gleichberechtigung herangeführt. Gerade Kindern kann dieses schwere Thema damit leichter vermittelt werden.»

Das Feedback ist sehr positiv. «Die Leute, die Karten bestellt haben, finden die Idee natürlich super. Sie sind froh, dass wir etwas für die Gleichberechtigung machen wollen», sagen die Jungunternehmer. Nur vereinzelt gab es negative Reaktionen. Das interessiert die Studentin und die beiden Studenten aber nicht.

Die Idee ist nicht komplett neu

Frauen auf den Jasskarten – das hat schon einmal jemand versucht. Die bekannteste und grösste Schweizer Jasskarten-Firma AG Müller habe in den 90er-Jahren einst versucht, einen reinen «Frauenjass» auf den Markt zu bringen, sagt Rudolf Manser, ein Jasskarten-Sammler aus Frauenfeld, gegenüber Tagblatt. Die Serie habe aber keinen Erfolg gehabt. Auch bei jenem Set waren ausschliesslich weibliche Figuren abgebildet und die einzelnen Karten hiessen «Amazone», «Dame» und «Königin». «Wir sind heute um einiges fortschrittlicher als noch in den 90ern. Wir denken, dass die Leute mittlerweile bereit sind für unsere Karten», sagt Noelle.

Produziert werden die Karten in Amriswil, weshalb die Karten auch etwas teurer sind als gewöhnliche. «Da Jasskarten etwas sehr traditionelles sind, war es uns wichtig, die Karten in der Schweiz herstellen zu lassen. Das hat seinen Preis.» Ein Kartenset kostet 9.90 Franken. Den Verkauf regeln sie bislang noch über Instagram und E-Mail. «Ein Onlineshop würde den Preis noch mehr in die Höhe treiben. Das wollten wir den Leuten nicht zumuten.»

(sju)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Juni 2021 16:58
aktualisiert: 10. Juni 2021 09:04