St.Galler Stiftsbibliothek

Kritik an Zurschaustellung von ägyptischer Mumie Schepenese im Stadtparlament

29. November 2022, 17:50 Uhr
Jetzt muss sich auch das St.Galler Stadtparlament mit der Zurschaustellung von Schepense befassen, welche immer wieder kritisiert wurde. In einer Interpellation wird der Stadtrat aufgefordert, Stellung zur Mumie in der gläsernen Vitrine zu beziehen.
Der Schweizer Theatermacher Milo Rau (links) begutachtete vor zwei Wochen unter den Augen von Stiftsbibliothekar Cornel Dora die ägyptische Mumie Schepenese.
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
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Der Regisseur und Autor Milo Rau forderte vor knapp zwei Wochen die «Befreiung» von Schepenese: Er will die Preissumme des St.Galler Kulturpreises von 30'000 Franken für die Rückführung der Mumie nach Ägypten einsetzen.

Die Tochter eines ägyptischen Priesters lebte vor 2600 Jahren. Sie starb mit gut 30 Jahren. Der Katholische Konfessionsteil erwarb die Mumie 1836. Heute befindet sich ihr einbalsamierter Körper in einer gläsernen Vitrine im Barocksaal der St.Galler Stiftsbibliothek, zwischen mittelalterlichen Handschriften.

«Diese fragwürdige Zurschaustellung ist einer Kulturmetropole wie St. Gallen unwürdig», heisst es in der «St.Galler Erklärung für Schepenese» von Milo Rau, der Ägyptologin Monica Hanna, dem Theologen Rolf Bossart und der Filmemacherin Rabelle Erian. Die Erklärung wurde von über 100 Personen erstunterzeichnet.

Mehrere Versuche gescheitert

Die Kritik an der Ausstellung der Mumie sei keineswegs neu, heisst es im Vorstoss von SP-Stadtparlamentarier Peter Olibet. «Mehrere Versuche, Schepenese anders oder gar nicht mehr in der Bibliothek auszustellen, sind belegt und scheiterten unter anderem auch an der Nichtkooperation des Katholischen Konfessionsteiles, mit welchem Stadt und Kanton für den Stiftsbezirk eine Kooperationsvereinbarung unterhält.»

Das Festhalten an fragwürdigen Ausstellungspraktiken und einem fragwürdigen Besitzanspruch wie im Fall der Mumie in der Stiftsbibliothek führte zu einem Reputationsschaden für die Stadt St.Gallen. Im Vorstoss wird nach der Haltung des Stadtrats zum Ort, als auch zur Art der Präsentation der Mumie gefragt.

Keine Belege für einen Grabraum

Die «St.Galler Erklärung für Schepenese» forderte unter anderem die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, um eine mögliche Rückführung von Schepenese nach Ägypten zu überprüfen. Olibet möchte wissen, inwiefern sich der Stadtrat vorstellen könne, hier federführend zu sein, und welche Möglichkeiten die Stadt als Geldgeberin habe, Anpassungen der gegenwärtigen Ausstellungspraxis zu bewirken.

Stiftsbibliothekar Cornel Dora hatte die Forderung Raus als unsachlich abgelehnt. Die Umstände der Grabentnahme seien nicht bekannt. Es gebe keinen Beleg dafür, dass es sich um einen Grabraub handelte. Raus Theaterstück sei jetzt vorbei, sagte Dora. Der Stiftsbibliothekar könnte sich vorstellen, eine wissenschaftliche Tagung über die altägyptische Mumie Schepenese durchzuführen.

(sda)

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. November 2022 17:52
aktualisiert: 29. November 2022 17:52