Lasst die St.Galler und ihren Dialekt in Ruhe

Dario Cantieni, 8. April 2017, 09:21 Uhr
Screenshot: Blick
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Brodwuoooscht, Roaschachabeog oder Zweoghamstoo. Ha, ha. Wer über den St.Galler Dialekt lacht, der lacht auch über Herrenwitze. Beides ist nicht besonders kreativ. Darum muss sich jetzt mal einer für den St.Galler Dialekt einsetzen. Und zwar ein Nicht-St.Galler.

Dank der neuen Bachelorette aus Degersheim ist der St.Galler Dialekt wieder in aller Munde. Wortwörtlich. Stefan Büsser macht seine Witze, der Blick hat seine Schlagzeile und die ganze Schweiz zeigt lachend gen Osten und schreit: «Eobeertöortliii» Ha, ha.

Freunde, werdet doch langsam erwachsen. Über den St.Galler Dialekt lachen, ist so was von out. Und alt. Ich bin überzeugt, wäre Jesus im Sittertobel ans Kreuz genagelt worden und jemand hätte einen «Hammoo» verlangt, es hätte da schon die ersten Schmunzler gegeben. Und wir lachen heute noch darüber...

Lachen darüber und verschlucken uns dabei schier am Minor-Prügeli, das, wie die Bachelorette, unterdessen aus Flawil kommt. Ich finde den St.Galler Dialekt schön. Seit 1,5 Jahren wird er mir in der Gallusstadt ins Ohr gesäuselt und beruhigt mich irgendwie. Keine harten «K»- oder «R»-Laute. Nein. Alles geschieht ganz entspannt tief hinten im Hals. Ein meditatives Murmeln, ein lustvolles Gurgeln.

Ich bin überzeugt, es liesse sich damit Geld machen. Als Einschlaf-CD zum Beispiel. Anstatt das Zirpen der ostindischen Adonis-Grille soll mir lieber ein St.Galler immer wieder den Satz «Mior meoked scho, wianoo übo üs lachäd - aboo es isch üs Wuoscht» in die Gehörgänge hauchen. Ich würde sofort einschlafen und im Traum nicht daran denken, je wieder über den St.Galler Dialekt zu lachen. Und ihr da draussen solltet das auch nicht tun. Sonst werdet ihr nämlich in einem Kübel Senf ertränkt. Den haben die St.Galler ja «vöörig». Auch so ein «Witz», den niemand mehr hören kann.

Zum Autoren Dario Cantieni:

Im Werdenberg aufgewachsen, Mutter aus dem Rheintal, Vater aus dem Bündnerland. Spricht ein Sammelsurium aus diversen Dialekten. Und fühlt sich daher berechtigt, sich für den St.Galler Dialekt einzusetzen.

Dario Cantieni
veröffentlicht: 7. April 2017 20:23
aktualisiert: 8. April 2017 09:21