Anwohner am Stoss

«Laute Motoren sind das Grösste für mich»

Noémie Bont, 22. Juli 2020, 15:26 Uhr
Armin Zimmermann geniesst das Leben an der Stossstrasse.
© FM1Today
Seit Jahren beschweren sich Anwohner an der Stossstrasse über den Lärm von Autos und Töffs. Nicht so der Altstätter Armin Zimmermann, der seit sieben Jahren an der Strecke wohnt. Er kann nicht mehr ohne die schnellen und lauten Fahrzeuge.

«Schau raus! Jetzt fährt ein schönes Auto vorbei.» Der 25-jährige Altstätter Armin Zimmermann steht am Fenster seiner Wohnung und zeigt auf die Stossstrasse. Auf das rassige Auto folgt ein grosser Lastwagen. Der LKW-Fahrer ist ein Bekannter von Zimmermann. Er hupt. «Kollegen und meine Familie hupen immer beim Vorbeifahren – das liebe ich.»

50 Traktoren und 20 Lamborghinis

Seit sieben Jahren wohnt Armin Zimmermann bei der Familie Keller direkt neben der Schnellfahrer-Strecke. Genauer gesagt am «Kellersrank», die zweite Kurve am Stoss bei Altstätten. Sie wurde nach der Familie benannt, die seit dutzenden Jahren dort wohnt. Die Familie und Zimmermann sind begeistert von den Fahrzeugen, die im Sekunden-Takt am Haus vorbeifahren.

«Was wir auf der Strasse sehen, ist unglaublich. Wegen Hochzeiten oder Ausstellungen sind schon einmal 50 Traktoren, 20 Lamborghinis und auch schon eine Gruppe Harley-Fahrer und Oldtimer hintereinander vorbeigefahren. Sowas ist einfach geil!»

«Abertausende Franken auf vier Rädern»

Vor allem die teuren und lauten Fahrzeuge lassen Armin Zimmermann aufhorchen. «Wenn abertausende Franken auf vier Rädern vorbeifahren, kann ich einfach nicht wegschauen.» Während des Gesprächs mit dem Altstätter sind keine aufheulenden Motoren zu hören. «Heute scheint Schleichersonntag zu sein, die kriechen ja den Berg hinauf», kommentiert Zimmermann. Er schaut jeden Tag den Fahrzeugen beim Beschleunigen zu.

Das Lärm-Display am Stoss wurde anfangs Juli angebracht.
© FM1Today

Lärm-Display ist kontraproduktiv

So wie Armin Zimmermann denken aber nur die wenigsten Anwohner in der Umgebung Altstätten. Die Gegner, unter anderem der Verein «Anstoss», versuchen seit Jahren, die lauten Motorgeräusche mit Massnahmen zu bekämpfen. Seit neuestem steht am Stoss ein grosses Display, welches die Verkehrsteilnehmenden sensibilisieren soll (FM1Today berichtete). Davon hält Zimmermann aber nicht sehr viel. «Dezibel-Angaben schrecken nicht ab. Eher sticheln sie an, das Maximum auf der Anzeige zu erreichen.»

«Wer am Stoss wohnt, der weiss, dass es laut ist»

Zimmermann hat allgemein wenig Verständnis für die Lärm-Gegner. «Wer an den Stoss zieht, der weiss, dass es laut sein wird.» Ausserdem gewöhne man sich mit der Zeit an die Verkehrsgeräusche. Doch auch Zimmermann kennt Grenzen. «Illegale Manipulationen am Töff oder Auto müssen gebüsst werden. Ausserdem finde ich es nicht sehr cool, wenn die Lenker ihre Fahrzeuge derart umbauen, dass der Lärm nicht mehr erträglich ist.» Auch wenn sich Autos am frühen Sonntagmorgen ein Rennen liefern und die Motoren extra laut aufheulen lassen, ist Zimmermann etwas genervt.

Auto in Hauswand gedonnert

Neben eindrücklichen Fahrzeugen hat Zimmermann auch schon wüste Szenen miterleben müssen. «Es ist schon ein Auto in unser Haus gedonnert. Nicht selten überschlägt es ein Auto auf der Wiese nebenan. Es sind auch schon Töfffahrer bei der Kurve rausgeschleudert.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. Juli 2020 06:50
aktualisiert: 22. Juli 2020 15:26