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Experiment

Leben wie Wiborada: 10 Leute lassen sich für eine Woche einsperren

8. Mai 2021, 20:37 Uhr
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Quelle: tvo

Eine Woche lang in einem winzigen Raum eingesperrt sein. Was sich nach einer Strafe anhört, lassen zehn Personen in St.Gallen freiwillig über sich ergehen. Im Rahmen eines Projekts treten sie in die Fussstapfen der heiligen Wiborada.

Zehn Jahre verbrachte die heilige Wiborada eingemauert in einer Zelle. Im Rahmen des Projekts «Wiborada 2021» bewohnen von Mai bis Juni zehn Männer und Frauen für jeweils eine Woche eine Zelle, welche am gleichen Ort errichtet wurde. Durch das Experiment sollen die Teilnehmenden Gott suchen und finden. 

Frei nach sieben Tagen

Sieben Tage lang war Noa Zenger auf engsten Raum eingeschlossen. Als zweite von insgesamt zehn Personen hat sie die letzte Woche in der Wiborada-Zelle in der St.Mangen Kirche in der Stadt St.Gallen verbracht. In dieser Zeit habe sie vieles vermisst: «Ich freue mich, jetzt im Freien zu sein und mich zu bewegen.»

Acht Liter Wasser standen Noa Zenger pro Tag zur Verfügung. Dazu bekam sie Brot und andere Lebensmittel, welche man ihr während zwei Stunden pro Tag über ein Fenster geben konnte. Diese zwei Stunden waren die einzige Kontaktmöglichkeit nach aussen für die reformierte Pfarrerin. «Diese Begegnungen habe ich sehr intensiv erlebt.»

«Ungewissheit macht kribbelig»

Nach Noa Zenger macht sich Christian Leutenegger, Leiter der katholischen Pfarrei Wittenbach, auf die Spuren von Wiborada. Er lässt sich ab Samstag für eine Woche einschliessen. Trotz Vorfreude kommen auch Zweifel an dem Vorhaben auf: «Man überlegt sich, wie es wird, wie es einem geht. Es ist eine Ungewissheit, die kribbelig macht.» 

Nur Bettzeug, Kleider und eine Bibel dürfen mitgenommen werden – und die Motivation, der heiligen Wiborada etwas näher zu kommen. «Sie war eine sehr starke Frau. Sie ist einen sehr eigenständigen Weg gegangen. Ihre innere Überzeugung finde ich sehr spannend», sagt Leutenegger. 

«Es sind Fluchtgedanken aufgekommen»

Die Erfahrung bringt aber auch viele an ihre Grenzen. Nicht nur mental, sondern auch geruchsbedingt. «Es gibt eine Toitoi-Toilette. Dadurch haben sich sehr unangenehme Gerüche entwickelt. Da habe ich erst gemerkt, was es heisst, eingeschlossen zu sein. Da musste ich mit mir ringen und es sind auch Fluchtgedanken aufgekommen», sagt Noa Zenger. 

Bis jetzt haben aber alle den Aufenthalt gut überstanden. Nach Noa Zenger und Christian Leutenegger lassen sich ab nächsten Samstag noch sieben weitere Personen einsperren. 

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Mai 2021 20:37
aktualisiert: 8. Mai 2021 20:37