Wil

Leerer Viehmarkt: «Professionalität, Bekanntheit und Routine sind entscheidend»

5. Mai 2022, 15:41 Uhr
Der Viehmarkt ohne Vieh in Wil schlägt national Wellen und provoziert Diskussionen. Denn am Dienstag erschienen am extra von der Stadt organisierten Markt weder Kühe noch Bauern. Viehhändler aus der Region und der Bauernverband sind nicht überrascht.
Statt duzende Kühe sah der Viehmarkt in Wil am Dienstag leer aus.
© Tagblatt/Getty/FM1Today

Gähnende Leere auf dem Wiler Viehmarkt am Dienstagmorgen. Nur vereinzelt standen enttäuschte Familien um den Platz und warteten vergeblich auf die Tiere vom Bauernhof.

Bauernverband ist nicht überrascht

«In den letzten Jahren hat es eine Marktbereinigung gegeben», sagt der Geschäftsführer vom St.Galler Bauernverband, Mathias Rüesch. Die kleineren Viehmärkte in den Städten seien gewichen und stattdessen gäbe es gut funktionierende regionale beziehungsweise überregionale Märkte. «Zum Beispiel in Wattwil und Sargans finden regelmässig sehr erfolgreiche Viehmärkte in den jeweiligen Markthallen statt», so Rüesch. Dafür gebe es eigens einen Terminkalender, nach dem man sich richten könne.

Professionalität ist entscheidend

Dass ein Viehmarkt gut besucht und sich für die Händlerinnen und Händler lohne, ist aber nicht selbstverständlich. «Professionalität, Bekanntheit und Routine der Märkte entscheiden über den Erfolg», sagt der Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands. Wichtig sei dabei, dass die Viehmärkte eine Plattform böten, wo sich genügend Kunden und Anbieterinnen treffen können.

So sah es am Dienstag am Wiler Viehmarkt aus.
© Tagblatt/Renato Schatz

Trotz Herzblut hat Wil keine Chance

Der kleine Viehmarkt in Wil scheint jedoch etwas aus der Zeit gefallen zu sein, denn in den letzten Jahren kamen immer weniger Bauern in die Stadt. «Was ich so aus den Medien vernommen habe, war in Wil viel Herzblut dahinter», sagt Mathias Rüesch. Nur würde ein guter Wille allein nicht für einen erfolgreichen Viehmarkt reichen.

Ein Eindruck, den auch Niklas Hinder, Viehhändler aus der Region Wil, teilt. «Der Markt in der Stadt ist in den letzten Jahren zu einem Viehmarkt für die Stadtbevölkerung und pensionierte Bauern geworden», sagt er. Hinder meidet deshalb den Wiler Markt schon seit mehr als zehn Jahren. «Für mich ist es eine Vermarktungsform, die sich schlicht nicht mehr rechnet», erklärt der Viehhändler. Seinen Umsatz erziele er auf dem eigenen Hof und an grösseren Märkten. «Ich komme gerade von einem Viehmarkt in Ilanz zurück, der hat sehr gut funktioniert», sagt Hinder.

Stadt sucht Kontakt mit den fehlenden Bauern

Auf Nachfrage am Donnerstag, erklärt Stefan Sieber, Marktchef in Wil, man versuche immer noch in Kontakt mit den fehlenden Bauern zu treten. Das Ziel sei, einen erneuten Viehmarkt im November durchzuführen. Die Chancen ständen aber gut, denn die Landwirte hätten im Winter tendenziell mehr Zeit für solche Märkte.

(noh)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 5. Mai 2022 17:47
aktualisiert: 5. Mai 2022 17:47
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