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Sexueller Missbrauch in Wil

Leistungszentrum-Präsident: «Wir sind froh, ist die Ungewissheit vorbei»

22. Juni 2021, 10:04 Uhr
Seit Montagmorgen ist es bekannt: Der ehemalige Cheftrainer am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz in Wil wird angeklagt. Er soll vor knapp zwei Jahren eine minderjährige Turnerin sexuell missbraucht haben. Für das Sportzentrum ist die Anklage eine Erleichterung.
Alexander Bochier ist seit gut einem Jahr Präsident des RLZ Ostschweiz.
© Tagblatt (Archiv)

Für das Regionale Leistungszentrum (RLZ) sei die Nachricht von der Anklage zwar überraschend gekommen, sie sei jedoch sehr wichtig. «Wir unterstützen die lückenlose Aufklärung der Vorfälle in der Vergangenheit und sind froh, wenn die Ungewissheit vorbei und das Urteil bald gefällt ist», sagt Alex Brochier, Vorstands-Präsident beim RLZ.

Strafuntersuchung dauerte fast zwei Jahre

Ein ehemaliger Cheftrainer des Leistungszentrums wurde wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller Nötigung sowie versuchte Nötigung von der Staatsanwaltschaft St.Gallen angeklagt. Dem 42-jährigen Ungarn drohen eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, ein Landesverweis für zehn Jahre und ein lebenslanges Verbot für Tätigkeiten, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfassen.

Schon fast zwei Jahre sind vergangen, seit der Ex-Cheftrainer des RLZ im August 2019 festgenommen wurde und in Untersuchungshaft kam. Dies, nachdem ihn eine 15-jährige Turnerin beschuldigt hatte, er habe sie sexuell missbraucht. Der Trainer soll sie zu sich nach Hause eingeladen und dort mit Alkohol gefügig gemacht haben. Dann soll er sie im Intimbereich angefasst haben.

Turnen RLZO Turnhalle Leistungszentrum Wil
© Tagblatt/Nik Roth

RLZ konzentriert sich auf die Zukunft

Man habe bereits mit dem Trainer-Staff gesprochen, diese werden die Vorkommnisse individuell mit den Turnerinnen und Turnern besprechen. «Zur Familie des mutmasslichen Opfers, sowie zum Ex-Trainer haben wir keinen Kontakt mehr», so Brochier. Seit März 2021 hat das RLZ einen neuen Vorstand. "Wir wollen aus dem Geschehenen lernen und verbessern so unsere Prozesse: Wie können wir präventiv besser vorgehen, sodass Minderjährige zu jedem Zeitpunkt einen Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte haben?“ Das Ziel sei es, ihren Schutz zu gewährleisten.

Der ganze Prozess der Untersuchungen bis hin zur Anklage habe sich lange hingezogen. «Es war uns wichtig, dass wir in dieser Zeit handeln und schweizweit neue Akzente setzen», so Brochier. Deshalb wurde ein Vertrauensteam, bestehend aus Personen aus dem psychologischen und sozialen Bereich, aufgebaut. «Es gab Einzelgespräche, sowie auch Gruppengespräche und für die Eltern steht ebenfalls eine Ansprechperson zur Verfügung.» Ausserdem gab es Workshops für die Athletinnen, Athleten sowie Trainerinnen und Trainer. Dort schaue man konkrete Situationen an, zum Beispiel: Wie ist der private Umgang mit Trainingspersonen? «Wir wollen eine gute Gesprächsgrundlage haben: Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, sprechen wir darüber. Diese Botschaft wollen wir aussenden.»

(sk)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Juni 2021 05:50
aktualisiert: 22. Juni 2021 10:04