Ostschweiz

Long Covid: Uneinigkeit in der Politik wegen nationaler Meldestelle

23. Januar 2022, 18:10 Uhr
Wird für Long-Covid-Patientinnen und -Patienten genug unternommen? Die Politik ist sich nicht einig. Die Linken fordern mehr Unterstützung, Bürgerliche wollen vorerst abwarten. In der Mitte stehen Kliniken, die täglich mit Betroffenen arbeiten.
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Quelle: tvo

Erschöpfung, Muskelschmerzen oder Schlaflosigkeit: Eine Covid-Erkrankung kann diverse langfristige Beschwerden hervorrufen. Laut Studien leidet jeder zehnte Corona-Patient noch ein Jahr nach seiner Erkrankung an Long-Covid-Symptomen. Für diese Betroffenen werde zu wenig gemacht, sagt die Gesundheitspolitikerin und SP-Nationalrätin des Kantons St.Gallen Barbara Gysi. Sie fordert ein nationales Register, in dem Long-Covid-Patienten erhoben werden.

«Long Covid ist ein grosses Problem»

«Es ist wichtig, dass wir ein nationales Register einführen. Es gibt Ärztinnen und Ärzte, die nicht wissen, wohin sie ihre Daten melden sollen. Das kann nicht sein. Long Covid ist ein grosses Problem», sagt Gysi gegenüber TVO. Damit man forschen könne, brauche es auch genügend Daten.

Von einem unnötigen behördlichen Aufwand sprechen indes die Bürgerlichen. «Über Long Covid gibt es genügend Informationen. Wenn man unter Symptomen leidet, gibt es Ärzte, die einen gut beraten können. Es ist nicht die Aufgabe des Bundes, vorauseilend etwas aufzubauen, das einen riesigen Bürokratieapparat mit sich zieht», sagt der Thurgauer SVP-Nationalrat Manuel Strupler.

Long-Covid-Patientinnen und -Patienten werden unter anderem in den Kliniken Valenz behandelt. Eine schweizweit einzigartige Studie aus der Klinik zeigt, wie stark Betroffene von der Reha profitieren. «Die Studie zeigt, dass Personen, welche an Corona erkrankt sind, mehr Mühe im Alltag haben, als jene, die nicht erkrankt sind. Von einer Reha profitieren diese sehr stark», sagt Stefan Bachmann, ärztlicher Direktor der Kliniken Valenz.

Zukunft des Long-Covid-Registers ungewiss

Die Krankheit sei mit der Genesung nicht immer vorbei. Es brauche langfristige Unterstützung, heisst es von der Klinik. Diese müsste auf Bundesebene geregelt werden. Das passiere zwar aktuell schon, für einige ist es aber noch zu wenig. So auch für Barbara Gysi: «Eigentlich ist die Politik sehr offen, was die Long-Covid-Problematik betrifft. Im letzten Jahr haben wir in den Gesundheitskommissionen Vorstösse bezüglich der Forschung eingereicht.»

Trotz Offenheit in der Politik zeigt sich, dass bezüglich der Handhabung der Long-Covid-Problematik Uneinigkeit herrscht. Ob in naher Zukunft also ein nationales Long-Covid-Register eingeführt wird, ist offen.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 23. Januar 2022 18:09
aktualisiert: 23. Januar 2022 18:10
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