«Meine Nase ist riesig auf der Leinwand»

Sandro Zulian, 31. Oktober 2018, 16:20 Uhr
Der Ostschweizer Schauspieler Philip Andrew Trümpi spielt im Hollywood-Blockbuster «Bohemian Rhapsody» eine Rolle. Im Interview mit FM1Today spricht der 27-Jährige über Erfolge, Enttäuschungen und seine Nase.
Philip Andrew Trümpi, du hast als Schauspieler aus Goldach etwas vollbracht, wovon viele nur träumen. Du spielst im Film «Bohemian Rhapsody» über die Band Queen den deutschen Musikproduzenten Reinhold Mack. Du durftest den Film bereits zwei Mal schauen. Bist du zufrieden?

Ja! Ich habe eigentlich gar keine Wahl, denn für mich ist mein Mitwirken in diesem Film ein riesiges Privileg. Es könnte von mir aus auch der schlechteste Film der Welt sein, ich wäre trotzdem noch wahnsinnig stolz (lacht). In einem Film über die Band Queen mitzuspielen ist einfach ein Traum und ich finde es nach wie vor unglaublich.

Moment. Bist du vertraglich gebunden, den Film nur zu loben und nicht zu kritisieren?

Da bin ich ehrlich gesagt ein bisschen überfragt. Ich habe meinen Vertrag gar nicht so genau durchgelesen, weil es so viele Seiten sind (lacht)! Ausserdem ist er in einer Sprache verfasst, die ich nur schlecht verstehe (Beamtenenglisch. Anm. d. Red.). Was ich weiss: Mir ist es wichtig, authentisch und echt zu sein. Somit fällt es mir nicht schwer, ehrlich zu sein.

 

Ursprünglich war vorgesehen, dass man dich im Film sieht und du auch eine Sprechrolle hast. Die Sprechteile wurden nun allesamt gestrichen. Warum?

Meine Erklärung ist folgende: Was ich zusammen mit dem Hauptdarsteller Rami Malek aufgenommen habe, war sehr lustig. Ich habe ihm in der Szene, die in München spielt, deutsche Fluchwörter beigebracht. Er schreit dann «Müll!» oder «Scheisse!» umher und zeigt mir schliesslich noch den Mittelfinger. Im fertigen Film ist genau diese Szene in München aber eine sehr dramatische und ernste Situation. Ich gehe davon aus, dass meine Auftritte da einfach nicht mehr reingepasst haben. Meine Szene ist immer noch im Film, allerdings massiv gekürzt und ich spreche nicht mehr. Jetzt sieht man einfach noch meine Nase (lacht).

Du scheinst Mühe mit deiner Nase zu haben?

Es kommt immer wieder vor! Ich erschrecke immer total, wenn meine Nase auf dieser riesigen Leinwand erscheint. Da muss ich jeweils laut rauslachen (lacht). Ich muss mich echt daran gewöhnen.

Tut es nicht extrem weh, wenn man seine lustigen Szenen dann doch nicht im Film sieht? Bist du enttäuscht?

Absolut. Ich habe mich so gefreut, dass meine Kollegen und die Familienmitglieder das sehen können. Es wäre echt schön gewesen, wenn man meinen fetten, deutschen Akzent hätte hören können. Aber so ist das Business leider. Dass Szenen gestrichen werden können, gehört zu den Horrorvorstellungen eines Schauspielers. Aber es gehört dazu. Ich bin froh, haben sie mich nicht komplett aus dem Film gestrichen. Ausserdem ist meine Aufgabe als Schauspieler, der Geschichte zu dienen. Es geht schliesslich um den Ausnahmekünstler Freddie Mercury und nicht um Philip aus Goldach.

Der Trailer zum Film

Der Film läuft heute Mittwoch in den Schweizer Kinos an. Was löst er in dir aus?

Als ich das Skript das erste Mal gelesen habe, musste ich bei mehreren Szenen weinen, weil es mich so berührt hat. Es ist eine wunderschöne Geschichte über einen jungen Freddie Mercury, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz durchzusetzen versucht und schliesslich zu einem Mega-Star wird. Er glaubt an sich und an seine Träume. Das hat mich schon ziemlich berührt. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, war alles so surreal, dass ich mich nur noch zu erinnern vermochte, dass der Film laut ist. Jetzt, beim zweiten Mal schauen fiel mir auf, dass es ein richtiger «Feel-Good-Movie» ist. Die Musik und die Konzertstimmung sind grossartig und man geht mit einem wunderschönen Gefühl aus dem Kinosaal.

Kritiken aus England und aus Übersee gehen fast einher: Rami Malek als Freddie Mercury sei grossartig, schreiben sie. Der Rest des Films verdiene aber höchstens das Prädikat «Naja». Wie siehst du das?

Das Projekt war fast zehn Jahre in der Mache. So viele Mitwirkende sind ein- und wieder abgesprungen. Dann gab es viele Leute, die Mitspracherecht hatten. Ich denke an die verbliebenen Bandmitglieder von Queen. Ich stelle es mir extrem schwierig vor, daraus einen richtig guten Film zu machen und gleichzeitig die Erwartungen von allen zu befriedigen. Es ist definitiv kein Dokumentarfilm, der zeigt, wie es sich eins zu eins abgespielt hat. Es ist eine Glorifizierung und ein Abfeiern der Band Queen.

Was Philip am Set von «Bohemian Rhapsody» erlebte und warum ihn sein Assistent sogar bis aufs WC begleitet hat, liest du hier

Sandro Zulian
veröffentlicht: 31. Oktober 2018 16:20
aktualisiert: 31. Oktober 2018 16:20
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