Missbrauchsopfer fühlt sich alleingelassen

Christoph Fust, 18. August 2019, 08:08 Uhr
Die damals 15-jährige Turnerin soll von ihrem Trainer begrapscht worden sein. (Symbolbild)
Die damals 15-jährige Turnerin soll von ihrem Trainer begrapscht worden sein. (Symbolbild)
© Francois Nel/Getty Images)
Am Dienstag wurde in Wil ein Kunstturntrainer des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz wegen Verdacht auf sexuelle Handlungen mit einer Minderjährigen festgenommen. Das zum Tatzeitpunkt 15-jährige mutmassliche Opfer fühlt sich im Stich gelassen.

Eine heutige 17-jährige Kunstturnerin sagt gegenüber dem Tagblatt, dass ihr Trainer sie an einem Abend im Jahr 2017 unter einem Vorwand zu sich nach Hause gelockt und sie mit Alkohol gefügig gemacht habe. Danach habe er sie im Intimbereich angefasst. Ob danach noch mehr vorgefallen ist, dazu sagt das mutmassliche Opfer nichts.

Bereits vor jenem Abend habe es aber angefangen mit dreckigen Witzen. Ausserdem sei sie an der Hüfte und manchmal weiter unten angefasst worden und der Trainer habe versucht, sie zu küssen, und immer wieder «I love you» zu ihr gesagt.

Trainer in Untersuchungshaft

Das Opfer hat vor gut einer Woche eine Strafanzeige eingereicht, worauf der 40-jährige Trainer am Dienstag festgenommen wurde. Seit Freitag sitzt er offiziell in Untersuchungshaft. Der Mann hat seit fünf Jahren für das Regionale Leistungszentrum Ostschweiz in Wil gearbeitet. Der Ort gilt als Talentschmiede für junge Ostschweizer Kunstturner.

«Niemand nimmt mich ernst»

Wie das Tagblatt weiter schreibt, hat sich das mutmassliche Opfer, das zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Straftaten 15 Jahre alt war, am Freitag den Eltern ihrer Mitturnerinnen anvertraut. Diese hätten ihre Anschuldigungen jedoch nicht ernst genommen. «Sie glauben mir einfach nicht. Niemand ist auf meiner Seite», sagt die Kunstturnerin.

Sie könne die Taten nicht beweisen, ist offenbar der Tenor. Einige Eltern hätten ihr offen gesagt, sie solle den Betrieb im Leistungszentrum nicht weiter stören, damit die anderen Jugendlichen in Ruhe trainieren können.

Christoph Fust
Quelle: red.
veröffentlicht: 17. August 2019 06:39
aktualisiert: 18. August 2019 08:08